Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1925)
- Article
- Zur Geschichte des Moos Zur
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 253 (sequence 2)
- Language
- German
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MENORAH 253 Sagt doch schon Jellinek (Beth hamidrasch VI) gelegentlich der Herausgabe des Chanukka-Midrasch, daß kein Fest so karg und knapp in der volkstümlichen Hagada und im Midrasch bedacht worden, wie das große Befreiungsfest in den Kislevtagen, weil eine Betonung der Makkabäerepoche den Argwohn der römischen Machthaber erregen mußte. So ist in alter Zeit die poetische Ausschmückung des Chanukkafestes unterblieben, aber auch später beeinträchtigt worden, weil man die Siegesfreude dem armen Israel nicht gönnte und schlecht auslegte. Selbst die deutschen Übersetzungen des Moos zur der letzten Zeit haben Ausdruck und Bild gemildert und geschwächt, weil man das Urteil mißgesinnter Umwelt meiden wollte. Was verschlägt es? Jede Zeit hat ihre Lichter und ihre Lieder. Was die Seele dabei empfindet, macht den Wert aus. V. Kurrein. 'Die folgende Studie Iiat Oberkantor Eduard Birnbaum ■^Königsberg) s. A. im Jahre 1889 seiner Klavierbearbeitung das Moous Zur vorangestellt. Alle späteren Arbeiten über den gleichen Gegenstand schöpfen daraus, die meisten, ohne die Quelle anzugeben!) Die bei den deutschen Juden populäre Melodie zur Chanukkahymne Moous Zur hat insofern auch ihre Geschichte, als ihr Ursprung auf ein deutsches Volkslied: ,,So weiss ich eins, das mich erfrewt, das plümlein auf? preiter heyde", zurückzuführen ist, welches auch Luther zu seinem Choral: „Nun freut euch lieben Christen gmein", benutzte. (Böhme, Altdeutsches Liederbuch, Nr. 635.) Zum ersten Male musikalisch fixiert, findet sie sich in den „Hebrew Melodies" von Lord Byro n, zu dem Texte „On Jordan's banks . . ." in der Aufzeichnung von Braham und Nathan (London 1815, S. 29), in späterer Zeit von Max Bruch und Julius Sulzer („Aus dem Osten", Nr. 4) bearbeitet. Der Text der Hymne gehört spätestens in das XIII. Jahrhundert und hat laut Akrostichon den Synagogendichter Mordec h a i (wahrscheinlich b e n Isaak, von dem auch das Sabbatlied Mah jofis herrührt) zum Verfasser. (Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie, S. 580.) Die Melodie scheint schon um 1450 bei den Juden sehr verbreitet gewesen zu sein, da um diese Zeit der Dichter Baruch Bendit Ahrweiler seine Chanukkahymne mit ihr belegt. (David Kaufmann in Heossif II, S. 298; vgl. Zunz, a. a. O., S. 422 und 429.) Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in den süddeutschen (aschkenasischen) Gemeinden auch der Synagogenhymnus Sch'ne sesim für den Chanukkasabbat von Gabirol aus Malaga (gest. 1070) von dem Vorbeter allein in der Moous Zur-Melodie vorgetragen wird. Darf auf Grund seiner synagogalen Verwendung und seines besser passenden Metrums angenommen werden, daß letzterem Hymnus die Melodie zuerst eigen gewesen, so scheint der für die häusliche Zeremonie des Anzündens der Chanukkalampe bestimmte Gesang Moous Zur mehr zur Erhaltung und Verbreitung der traditionellen Melodie beigetragen zu haben. Eine zweite, in Moll gehaltene deutsche Melodie zu Moous Zur, welche Benedetto Marcello (1686—1739) in seinem 15. Psalm der Vergessenheit entrissen, habe ich bereits im Jahre 1878 in der „Israelitischen Wochenschrift", Nr. 51, mitgeteilt. (Mitgeteilt von Gerhard Birnbaum.) Ein interessantes Dokument aus dem Herodianischen Tempel Um die Juden mit seiner Fremdherrschaft zu versöhnen und seiner Prachtliebe genug zu tun, beschloß Herodes, einen Tempel zu bauen, der zu den stolzesten Werken von Menschenhand zählen sollte. Niehl: nur in den Werken des Josephus Flavius (Jüdische Altertümer und die Geschichte des jüdischen Krieges), sondern auch im Talmud finden wir genaueste Aufzeichnungen über dieses prächtige Bauwerk. Die Vollendung und Ausschmückung der Gesamtanlage erforderte fast fünfzig Jahre. WARNUNGSTAFEL AUS DEM HERODIANISCHEN TEMPEL Herodes hatte tausend Priester als Bauleute ausbilden lassen, um den jüdischen Vorschriften zu genügen. Dieser Tempel wurde — kaum fertiggestellt — am 5. August 70 (9. Aw) durch einen römischen Soldaten, der einen Feuerbrand durch das goldene Fenster warf, zerstört. Außer der Klagemauer, die erhalten geblieben ist, gibt es nur noch einen einzigen stummen Zeugen dieses Wunderwerkes, eine Warnungstafel. Sonst ist nichts mehr vorhanden, und selbst der siebenarmige Leuchter ist nur aus Abbildungen auf dem Titus-Triumphbogen in Rom bekannt. Der äußere Vorhof des Tempels (atrium gentium), der auch als Tempelmarkt in der Festzeit diente, konnte auch von Nichtjuden betreten werden; der innere Vorhof (atrium judaeorum), der mit Wachen von Leviten und Priestern besetzt war, war vollständig abgeschlossen und von festen Mauern umgeben. Unterhalb der Stufen, die zu ihm führten, befand sich ringsum eine steinerne Brustwehr. An ihr waren Warnungstafeln angebracht, die in römischer und griechischer Sprache allen Nichtjuden ein weiteres Vorschreiten aufs strengste untersagten. Eine dieser Tafeln mit griechischem Text fand man in der Wand einer Moschee, gegenüber dem Tor bab el-atam (Tor der Dunkelheit) bei alten bossierten Steinen eingemauert. Der Stein trägt auf der Textseite noch Spuren von Axthieben seitens der zerstörenden römischen Soldaten. Von Zeile 3 an, besonders in der Zeile 6 am Ende sind Meißelhiebe bemerkbar. Der Text lautet in griechischen Lettern in sieben Zeilen: meth hena allotane eispo reis stai entos tou pe ri to hieron Dryphakton kai penboli. Hos dan le fthe heauto nitios es tai dia to exakolon thain thanaton. „Daß nicht ein Fremdstämmiger hineingeht innerhalb der Schranken des Umganges um den Tempel. Der aber ertappt wird, ist schuldig des Todes. Nicht werden wir die Übeltäter euch zum 1 ode anvertrauen, auch wenn es ein Römer ist." — Ein Erfurter Herr, der im Kriege als türkischer Dolmetscher und Adjutant in Konstantinopel war und Fühlung mit den einflußreichsten türkischen Persönlichkeiten hatte, sollte sich „eine Gunst erbilten". Beim Besuch des Nationalmuseums zu Konstantinopel war ihm dieser Stein aufgefallen, und er bat, sich einen Abklatsch von demselben machen zu dürfen. Sein Wunsch wurde ihm gewährt. Auf Veranlassung des Herrn Geheimrat Wiegand-Berlin wurde nun kürzlich im Berliner Museum ein Gipsguß hergestellt, der in Größe und Farbtönung dem Original genau entspricht. (Siehe unser Bild.) Leo Kamnitzer.