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Menorah · 1925-12-01 · Heft 12 (Dezember 1925) · p. Seite 251

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 12 (Dezember 1925)
Article
Drei Jahrgänge "Menorah" - Rückblick und Ausblick
Date
1925-12-01
Page
Seite 251 (sequence 1)
Language
German
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MEN O RAH Illvxtrierte Monatsschrift FVrDie Jvdis-che Familie WIEK*- FRANKFVRT A M. HI. JAHRGANG DEZEMBER 1925__NR. 12 Drei Jahrgänge „Menorah"- Die Zeitschrift „Menorah", die mit dem vorliegenden Heft ihren dritten Jahrgang beschließt, hat erst allmählich, dann aber im steigenden Maße unsere Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Denn sie war von allem Anfang nicht darauf angelegt, schlagkräftig zu wirken, sondern ließ erst mit der Zeit ihre stilleren, weibenden Eigenschalten zum Voischein kommen. Es mag uns also mit ihr ähnlich ergangen sein wie den vielen anderen, die sie aus Zweiflern zu ihren freunden und aus Freunden zu ihren Hellern gemacht hat. Erinnern wir uns recht, dann war es fürs erste der familiäre Charakter, der unsere Sympathie für das junge Unternehmen bestimmte. Das scheint ein last belangloser Anlaß. Denn in der allgemeinen Zerrüttung, die uns seit Jahr und lag umgibt, gelten nur noch die autgepeitschten Sensationen, die kühnen oder wenigstens lärmei.aen Neuerungen, die sogenannten Probleme und rrogramme. Nun aber, in diesem gänzlich ungeeigneten Augenblick, kam eine Zeitschrift heraus, die aut eine keineswegs problematische oder gar programmatische "Weise eine so veraltete Angelegenheit wie die der jüdischen Familie pflegen wollte. Und hatte Erfolg. Denn wer die Lxcschichte unseres neuen Zeitschrittenwesens auch nur beiläufig kennt, weiß, daß drei Jahre ein respektables Lebensalter bedeuten. Wie ist es damit zugegangen? "Wir mutmaßen: Es hat, trotz aller widersprechender Anzeichen, in weiten Kreisen das Verlangen nach einem hamilienblatt bestanden. Der alte, liebe, wertvolle Familiensinn war lebendig geblieben, aber das jüdische Familienblatt des bekannten Typs war veraltet und in Verruf geraten. Hier setzte die Arbeit der „Menorah*' ein. Sie hat sich gegen den lauen Betrieb, gegen die geistige Verarmung des Typs gewendet, sie hat ihn in ihrer behutsamen, sauberen Art ertrischt und gründlich erneuert. Nach kaum drei Jahren haben wir zum ersten Male wieder ein Blatt, das dem zeitgemäßen Horizont der jüdischen Familie entspricht. Schon das will nicht wenig heißen. Denn dieser Horizont hat mit den weltgeschichtlichen Ereignissen, die unser Volk aus einem geduldeten und abhängigen Dasein in ein höchst aktives und selbständiges versetzten, seine lokale Einkreisung gelassen, er erstreckt sich heute auf alle Länder, wo Juden wohnen, also fast auf das ganze Erdenrund. Auch die jüdische Familie ist aufgestiegen zu dem jüdischen Gemeingefühl, will teilnehmen an dem Schicksal der Gesamtheit. Die „Menorah" hat diesem neuen Zustand Rechnung getragen. Sie hat dem Schlendrian einer gewissen sehr bequemen und selbstgefälligen „Gemüdichkeit" den Rücken gekehrt und die Fenster der jüdischen Stuben weit geöffnet, um Licht und Luft hereinzuführen. Die Stube ist deshalb nicht ungemütlicher geworden, der Atem geht jetzt nur lebens voll und freier. -Rückblick und Ausblick Nichts vom alten, edlen Besitzstand des jüdischen Hauses wird angetastet, sondern was er an überlieferten Werten enthält mit feiner Einfühlung aufgesucht und mit behutsamer Sorgfalt weiter gepflegt. Allerdings nicht blcß konserviert, sondern verjüngt. Und das durch die Heranziehung jener neuen Interessen, die seit dem Umschwung unserer Geschichte in den Kreis unserer Familie fallen. Man braucht nur in einem beliebigen Heft der Zeitschrift, freilich nicht in einem des ersten Jahrganges zu blättern, der noch einseitig eingestellt erschien, und wird das nach allen Seiten mit gleicher Aufmerksamkeit gerichtete Verfahren der Herausgeber unschwer erkennen. Die Einleitung berichtet mit durchaus sachlichem Willen über die Ereignisse des jüdischen Gemeinlcbens, gibt eine fortlaufende Chronik, die das wichtigste vom Geschehen des Monates den Tagesmeir.ungen entrückt und fürs bleibende Gedächtnis aufspeichert. Bevor man zu den persönlichen Kundgebungen der Schriftsteller kommt, ist man über die Vorgänge in allen Lagen des Volkes objektiv informiert. Es ist eine wesent liehe Auslese, die uns viel unnütze Lektüre erspart. Aber sie gibt auch den folgenden Aufsätzen schon Richtung und Rahmen. Denn auch hier, wo nicht selten bedeutende, immer charaktervolle Vertreter der verschiedensten Weltanschauungen zu Worte kommen, ist das Bemühen der Redaktion darauf gerichtet, nicht die oder jene, sondern alle Ansichten gleichmäßig zum Ausdruck gelangen zu lassen. Die Gegenstände der modernen jüdischen Kultur: Religion und Nation, Wirtschaft, Kunst und Wissen, nicht zuletzt die uns allen teure Angelegenheit Palästina, sie werden von den verschiedensten Standpunkten behandelt. Schon diese Allseitigkeit der Aufsätze verbürgt, daß sich zuletzt ein objektives Bild des gegenwärtigen Judenlebens ergibt. Und da die Leitung des Blattes dafür sorgt, daß jeder »eine Meinung nicht agressiv, sondern mit dem gebotenen Takt vorträgt, wird dem Leser keinerlei Gewalt angetan, er ist auf interessante Weise angeregt oder gar belehrt, jedenfalls beteiligt — und kann im übrigen nach seinem freien Urteil sich entscheiden. Nach ihrem feinen familiären Charakter war es diese unparteiische, umfassende Sachlichkeit, die uns angezogen hat. Sie ist in dem zerrissenen und erbitterten Zustand unseres Volkes leider so selten geworden und doch für seine Gesundung so nötig, daß man schon deshalb ein Unternehmen von der Art der „Menorah" besonders liebhaben und befördern müßte. Jetzt soll die Zeitschrift im neuen Gewand und Format, das auch ihrem trefflichen Bilderschmuck zugute kommen wird, ihr viertes Jahi beginnen. Mit ihrer inneren ist also auch ihre äußere Entwicklung auf frischem Wege. Wir hoffen, daß er ihr die breite Anhängerschaft bringt, die sie braucht und verdient. Max Eislei-.

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