Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1925)
- Article
- Salomon Schiller [Nachricht]
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912840-2912852-2916562--02466-2916648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
250 M E N O R A H AUS DEM GHETTO IN VENEDIG Glück, eine Weile in seiner Nähe zu sein. Nach den ersten Augenblicken schon fühlte man sich neben ihm wie an der Seite des Vaters: So vertraut, so natürlich und ungezwungen konnte man mit ihm plaudern, über alles reden. Was er sprach, erfaßte Geist und Herz zugleich und klang wie die Wahrheit einer Offenbarung. Er gewann und überzeugte nicht etwa durch die wunderbare Macht einer seltenen Rhetorik oder durch Anwendung oratorischer Künste — nein! Dies alles hatte Salomon Schiller nicht nötig; denn aus ihm sprach die Stimme der Ehrlichkeit, einer Ehrlichkeit ohne Fehl. Seine Worte überzeugten, denn er sprach mit der Gewalt einer Logik, die einer geschlossenen Weltanschauung eigen ist. Und er sprach mit einer unbedingten Ruhe und Sicherheit; denn er sagte das, was er dachte und in der Tiefe seiner Seele erlebte. Seine Rede erweckte daher unbedingten Glauben und wirkte nachhaltig und erzieherisch. Diese seine hervorragende Gabe, verbunden mit einer gründlichen Kenntnis des Judentums und seines Schrifttums, und seine tiefe philosophische Bildung war bestimmend für se:n Leben und Wirken: er wurde Lehrer und Erzieher seines Volkes. Aus dem jüdischen Milieu eines litauischen Städtchens stammend, wo er eine gut jüdische Erziehung genossen hatte, war für ihn der Anschluß an die zionistische Bewegung selbstverständlich. So wurde er, nachdem er um das Jahr 1890 nach Lemberg gekommen war, Meister und Führer der nächsten zionistischen Generation. Bald aber erkannte er das seinem Wesen und Geiste adäquate Arbeitsgebiet: die Kulturarbeit. Er durchzog Galizien und gründete überall hebräische Schulen. Nachdem er den größten Teil seines Lebens in der Diaspora verbracht hatte, überall sammelnd, aufklärend und erziehend, ging er im Alter von 45 Jahren nach Erez Israel als Leiter des hebräischen Gymnasiums zu Jerusalem, das damals gerade in Gründung begriffen war. Salomon Schiller, selbst ein bedeutender hebräischer Schriftsteller, war der beste Kenner Achad- Haams, der scharfsinnigste Interpret seiner Schrif ten und Weltanschauung. Salomon Schiller war ein Philosoph, ein Weltweiser im vollsten Sinne des Wortes. Er besaß die Bescheidenheit und die weise Demut unserer grofäen Ahnen. So müssen wohl die Tannaim. jene unsterblichen Lehrer unserer Vergangenheit, gewesen sein. Salomon Schiller ist zu früh von uns gegangen. Gerade in den letzten Jahren hatte er sich etwas Muße errungen und sich in die Stille seines Arbeitszimmers zurückgezogen, um da all das Schöne zusammenzutragen, das er der Welt noch zu geben hatte. Es war bekannt, daß er an einem großen Werke arbeitete. Ob er es vollendet hat? In unserer Erinnerung wird aber Salomon Schiller nicht nur als Lehrer und Meister, sondern, was ihm über viele große Männer seiner Zeit erhebt, auch als Prototyp einer edlen harmonischen Persönlichkeit fortleben. Dr. H. Glaser. EREZ ISRAEL Dem britischen Oberkommissär für Palästina, Lord Plumer, wurde von der zionistischen Organisation ein für die Mandatskommission des Völkerbundes bestimmtes Memorandum über den Aufbau Palästinas in den Jahren 1924/25 überreicht. — Der jüdische Bodcnbes'tz in Pal Istina beträgt 900 000 Dunam. — Felix Warburg. New York, hat 500 000 Dollar als Fonds für die hebräische Universität in Jerusalem gestiftet. — Der jüdische Advokat Max Pam, Chikago, hinterließ testamentarisch 50 000 Dollar für Palästinazwecke. — Dr. Ehrmann, der Vorsitzende der Palästina-Zentrale der Agudas Jisraocl. hat sich zu einer Propagandalournee für den Keren- Hajischur nach Amerika begeben. — Der Bürgermeister von Tel Awiw, Dizengoff. ist in London vom Kolonialminisler Amery empfangen worden. — Im Oktober wanderten nach Erez Israel rund 4000 Juden ein. — Die Siedluns des Rabbi von Jablona wird ausgebaut und seil 3 Dörfer enthalten. — 1 7 indische Firmen in Palästina erhielten die Medaille der Wembley-Ausstcl'ung (\m ganzen beteiligten sich an der Ausstellung 22 palästinens;sche Firmen). — Der Chef der Röntgen-Abteilung der medizinischen Organisat:on . Hadassah" in Palästina, Dr. Freud, ist. 53 Jahre alt, gestorben. — In London wurde der Jahrestag der Balfour-Deklarat:on feieiTch begangen. DeT frühere Oberkommissär. S'r Herbert Samuel, sprach in einer Großen Festrede seine Hnff^unpfMi *\if e;ne große Zukunft des jüdischen ..National Home" aus. AUS ALLER WELT In Budapest hat im Oktober eine internationale AntisTnitenkonferenz getagt. — Der Stadtrat von Berlin-Teltow hat beschlossen, eine Straße nach dem iüngst verstorbenen Professor Dr. Huro Preuß zu benennen. — Der Berliner Bankd;rektor Markus wurde von Hakenkreuzlern auf der Straße überfallen und schwer mißhandelt. — Gelegentlich der Beschießung von Damaskus durch die Franzosen wurde ein Teil des Judenviertels zerstört und viele luden getötet. — Ende Oktober fand e>n Verbandstag der Z'onisten-Rev^s'oni'ten in Wien statt, an welchem Wlad:mir Jabotinsky aus Paris te'lnahm. — Ende Oktober tagte in Berlin das zionistische Aktionskomitee. Es wurde ein Antrag angenommen, wonach der auf dem 13. Kongreß gewählten Exekutive die Amtsperio^e verlängert wird. — Lingi Luzatti wurde zum Ehrenvorsitzenden des in Rom unter Patronatdes italienischen Kön:gs abgehaltenen Kongresses zur Bekämpfung von Religionslästerung gewählt. — Chefredakteur Georg Bernhard, eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen Demokratie, beging am 20. Oktober seinen 50. Geburtstag. — Am 1. und 2. November wurde in Berlin eine Konferenz des deutschen Misrachi abgehalten. — Die New Yorker jüdische Telegraphenagentur, welche unter der Leitung des Herrn Jakob Landau steht, feierte am 6. November das Jubiläum ihres sechsjährigen Bestandes. — An dem ersten Kongreß der nationalen Minderheiten Europas (Genf im Oktober d. J.) nahmen auch Vertreter der jüdischen Minderheiten in den osteuropä:schen Staaten teil. Ihre Vertreter brachten den Wunsch zum Ausdruck, daß die kulturelle Autonomie der jüdischen Bevölkerung im Rahmen des Staatsganzen anerkannt werden möge. — An dem internationalen Schachturnier in Moskau nehmen zehn jüdische Meister teil. Unter ihnen der frühere Weltmeister Dr. Lasker, Tartakower und unser Mitarbeiter Richard Reti. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE Im Oktober fand zu London die erste Generalversammlung des jüdischen Aufbaufonds des Verbandes „Ort" statt. Für Kredite an Ackerbauer in Bessarabien und Polen sind 28.000 Dollar, für die jüdischen Siedler im Odessaer Distrikt 50.000 Dollar bestimmt worden. — Der Verband „Ose" hat in Berlin für Kinder unbemittelter Ostjuden ein Kinderheim eingerichtet. — Das Joint D. Com. hat mit dem Bau eines jüdischen Waisenhauses für Karpatorußland begonnen, wo '•s 1100 jüdische Kriegswaisen gibt. — Ende Oktober fand in Paris die Hauptversammlung der „Ica" statt. — Anfang November wurde in Paris die Jahresversammlung des Zentralrates der Alliance Israelite Universelle abgehalten. — Die Gesellschaft „Ort" beteiligte sich an einer „beßarabischen Ausstellung" in Kischinew. Die Leistungen der „Ort"-Schulen für Tischlerei und mechanische Schlosserei, sowie der Fachschulen fanden in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen vollste Anerkennung (vier goldene Medaillen). Auch die landwirtschaftlichen Kolonisten der „Ort" erhielten zahlreiche Auszeichnungen. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Ende Oktober starb zu Wirballen Rabbiner Ephraim Lano, ein bekannter Gelehrter und Verfasser des Werkes ..Sirchej Ephraim". — Das Rabbinersenrnar in Cincinnati beging am 23. Oktober das 50 jährige Jubiläum seines Bes'andes. — In Tanger wird ein Rabbinergerichtshof auf Staatskosten errichtet — Am 23. Oktober s'arb in Darmstadt Rab. Prof. Dr. Marx im 84. Lebenswahre — In W'en wurde Anfang November eine große Jeschiwah unter dem Namen „Machsikej Hadas" eröffnet. Leiter derselben ist der berühmte Rosch-Jeschiwah aus der Ukraine, Rabb. Raphael Kiteinarazki. — Ende Okiober fand in Cincinnati die 36. Jahresversammlung des Zen tialverbancles der amerikanischen Rabbiner (liberaler Richtung) statt. — Anfang Novenber starb in Karlsbad Rabbi Salomon Abeles im Alter von 95 Jahren. Er war ein Verteidiger jüdischer Rechte und setzte sich für den Aufbau Palästinas ein. — Rabbi Israel Ma'tuck, das Oberhaupt der Liberalen Synagoge in London, wurde durch das hebräische Union-College in Cincinpati durch Verleihung des FJirendirloms eines Doktors der jüdischen Wissenschaften ausgezeichnet. WISSENSCHAFT UND KUNST Der Rockefeller-Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit des Jahres wurde diesmal dem Professor Jacob Frenkel vom Leningrader Polytechnikum verliehen. — Anfang November feierte der berühmte jüdische Forscher, Professor Dr. Napoleone d'Anconas, Leiter der Universitätskh'nik zu Padua, im Alter von 83 Jahren sem 50iähriges Gelehrtcn-Jub'läum. — Die Königliche Akademie in London hat an Professor Albert Einstein, der Mitglied der britischen Akademie ist, die Coplev-Medaille verliehen. — Die „Habimah", das hebräische Theater in Moskau, wurde von der Sowjetregierung in die Liste der (sechs) russischen Staatstheater aufgenommen und erhält fortan regelmäßige staatliche Zuschüsse. — Professor Guido Adler, der seit Jahrzehnten als ordentlicher Professor der Musikwissenschaft an der Wiener Universität liest, feierte diesen Monat seinen 70. Geburtstag. — Das Institutum Judaicum an der Berliner Universität veranstaltet einen Vorlesungszyklus: „Bilder aus der Religionsgeschichte des Judentums." Unter den Vortragenden sind zu verzeichnen: Professor Dr. Guttmann (Berlin), Professor Dr. Guttmann (Breslau). Rahhiner Dr. Baeck. Anwalt, Arzt 3 Kaufmann j Fj findet sein Glück in Ehe mit junger, f IT; hübscher und beruflich gebildeter F ab ri- § kantenstochter aus angesehener % Schweizer Familie. Entsprechende Mit- | gilt vorhanden. Voraussetzung Alter unter | 35 Jahren. Zuschriften mit Bild unter I. | „A 1925" an die Verwaltung der Menorah, | | Wien I/„ Fach 162 f ^iti itititiiittif ii itiiifiiiiiiiiiitiiiiftrijriiit ri iifffiiittif if rtirititiirciiiir iiiuiiiivtrftfiiuiiiiiiuuiiiiiuittii^