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Menorah · 1925-11-01 · Heft 11 (November 1925) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 11 (November 1925)
Article
Salomo's Höllenfahrt
Date
1925-11-01
Page
Seite 248 (sequence 1)
Language
German
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248 MENORAH Salomo's Höllenfahrt VON E. BRANDENBURG Vor dem Sterbelager König Salomos stand der Engel des 1 odes und sprach: „Komm und folge mir, deine Zeit h'cr ist abgelaufen!" ..Wohin führst du mich?" so fragte schaudernd vor der Majestät des 1 odes clor Könisr. ..Du hast gesündigt, o König, darum mußt du büßen! Aber der Herr ist gnädig. Weil du auch viel Gutes getan hast und im wahren Glauben sestorben bist, sollst clu für jede Stunde, die clu auf der Erde in Sünden verbracht hast, nur einen Augenblick in der Hölle sein!" Beide kamen nun /um Ende der Welt, wo sich im tiefsten Abgrund der Eingang zur Hölle auftut. Ein ragendes Tor. aus riesigen Eisblöcken geformt, öffnete sich, als der Engel daran pochte. Ein eisiger Hauch schlug dem König entgegen, daß er erstarrte bis ins Mark. Dann aber sah er im fahlen Dämmerschein che endlose und reglose Fläche eines Sees, und in ihm Menschen, im Eis bis zu den Hüften stehend: sie stöhnten leise und trostlos. — Der Engel aber sprach: „Sieh hin! Dort sind die Ne'der. die Hasser, die Lügner. cUe Geizigen, die Lieblosen und Feigen!" Da dachte Salomo in bittrer Reue, wie oft auch er gehaßt, wie oft er lieblos gewesen war, und eine eiskalte Schlacke fiel von seinem Herzen. Sic wanderten weiter und standen bald vor einem andern hohen Tor, aus dem ihnen Gluthauch entgegenschlug. Sic traten ein und sahen ein ungeheures Feuermeer vor sich, in dem sich die Seelen der Verdammten wanden. Der Engel aber sprach: „Die hier büßen, sind die Sünder des Fleisches; alle Glut, die sie zur Sünde trieb, ist nicht so stark als ein Funke aus diesem Flammenmeer!" — Und Salomo gedachte seiner vielen Weiber und wie schwach er zu ihnen gewesen war. Heiße Scham, so brennend fast wie die Gluten dieser Hölle, erfaßte sein Herz und von ihm sank eine glühend rote Schlacke. Und wieder wanderten sie weiter, und bald umwogte sie grauer, kalter Nebel. Flüchtige Schemen sahen sie vorüberjagen, che mit irren Händen ins Leere griffen. Der Engel aber sprach: „Das ist die dritte, die Nebelhölle. In ihr sind alle, die auf Erden ihr Leben in dumpfem, stumpfem Sinn, in geistiger Trägheit verbracht haben, nie nach Hohem strebten, die harten Herzen, die ohne Mitleid für die anderen Menschen waren und nur an sich dachten — die Sünder gegen ihr besseres Selbst. -— Nun aber sind sie z.ur Strafe sehend geworden, nun sehnen sie sich nach Licht, nach Klarheit, nach allem Schönen und Hohen, tausendmal mehr, als es ein Sterblicher kann. Sie greifen danach, und — der Nebel zerrinnt in ihren Händen!" Tiefbewegt dachte Salomo an die vielen leeren Stunden in seinem Leben. Er bereute tief und eine graue Schlacke fiel von seinem Herzen. Doch der Engel /.og ihn mit sich fort, und bald standen s>o vor einem niedrigen I or, aus dem eine verpestete Luft sie an wehte. Sie blickten hinein und sahen einen riesigen, gärenden Sumpf, über dem giftige und faule Dünste sich schwerfällig wälzten. „Das ist die Hölle dos Unreinen," sprach der Engel, „in ihr sind alle, dir auch im Leben unrein waren. Die Boshaften, die Verräter, die Treulosen, die Ehebrecher, die Verführer, die Fälscher, die Mcn^idigen und auch die falschen Freunde. Doch hier, o Salomo. darfst du vorübergehen!" Sie schritten weiter und kamen an ein seltsames Tor, ganz aus Menschcngcbcin erbaut; sie traten ein und standen mitten in einer felsigen Landschaft, über die sich ein klarer, eiskalter Winterhimmel spannte. Kein Baum, kein Strauch, kein Hälmchen, das dort wuchs, nur kahles, zerklüftetes Gestein; an das aber klammerten sich grauenvoll abgezehrte Menschen, halbe Gcrinpc, und bissen mit wilder, verzweifelter Gier in den harten Fels. Der Engel aber sprach: ,.H»cr büßen alle, die einst in Üppigkeit lebten und schwelgten, che selber an reichen Tischen aßen und der Armen mitleidlos nicht gedachten. Die Unredlichen, die Wucherer, die Witwen und Waisen ins Elend lagten; die trockenen Herzen, und auch die Mächtigen der Erde, die ohne Schonung ihre Völker bedrückten!" Voll Scham senkte der König sein Haupt, von seinem Herzen aber fiel eine Schlacke, die wie schlechtes, unreines Gold aussah. — Doch weiter führte ihn der Engel, bis sie vor einem Tor von ausgedörrtem, rissigem Holze standen, das sich knirschend vor ihnen auftat. Da lag dann eine unabsehbare Wüste. Sand, Sand, nichts als trockner Sand, und darüber ein bleierner, diückender, sengender Himmel. In glühender Hitze zitterte die Luft; nun ballte sie sich zusammen und eine lockende Fala Morgana gaukelte grüne Wiesen im Schatten üppiger Bäume vor, unter denen kühle Quellen sprudelten. Und es erhoben sich aus dem heißen Sande Gestalten, taumelten empor und strebten in wahnsinniger Verzweiflung dem lockenden Gesicht entgegen. Bald sanken sie todesmalt wieder hin, bald riß sie ein neues Trugbild wieder hoch. So ging das grause Spiel in alle Ewigkeil weiter. — Der Engel aber sprach: „Hier ist die Hölle des Trugs, dir schlimmer als alle vorhergesehenen ist; denn hier büßen die Schmeichler, die Volksverführcr, die Unzählige in maßloses Elend gestürzt haben. Die falschen Propheten, dir Scheinheiligen sind hier, die Prasser und dir Verschwender, die andere dursten lassen, während sie in vollen Zügen genießen!" —■■ Tiefe Reue erfaßte bei den Worten den König, denn auch er fühlte sich schuldig, und eine giftig schillernde Schlacke fiel von seinem Herzen. Doch weiter zog ihn der Engel mit sich, fort, bis sie vor einem riesigen, rotglühenden Tor standen, das aus all dem Golcl errichtet war, das je auf Erden zum Schlechten gedient hatte. Der Engel schlug mit seinem Stab dagegen, donnernd tat es sich auf und Salomo sah mit tiefem Grauen den bürsten der Hölle, Satan selber, stampfend in einem Brei von Menschenleibern, die Verdammten mit unerhörten Martern quälend. — Der Engel aber sprach: „Dies ist dir tiefste, dir schlimmste der Höllen, und Satan selbst in höllischer Verzweiflung über clas verlorene Paradies, läßt seinen Haß, seine Wut, hier an den Sündern aus. Denn hier sind die allerschlimmsten! Die Sünder gegen den Geist, die das furchtbarste Verbrechen begangen haben, denn sie hatten Gott erkannt und haben ihn dann verleugnet!" Da stürzte Salomo, aufs tiefste erschüttert, auf die Knie; hatte er doch auch fremden Götzen geopfert und Gott verleugnet! Heiß, wie dir Flammen um ihn her, brannte die Reue auch in seinem Herzen und von ihm fiel die letzte Schlacke. Und siehe! Da strahlte es plötzlich in hellem Schein, das leuchtende Herz des Königs überstrahlte all die rote, qualmende Glut um ihn her. Überrascht hielt Satan innc in seinem Folterwerk und blickte auf ihn; es sahen auch auf zu ihm die gequälten Sünder und hoben flehend ihre Hände empor und drängten sich zu der erlösten Seele. Salomo aber, von der furchtbaren Last seiner Sünden befreit, schaute fragend auf zum Engel. Der aber sprach: „Wisse, o Salomo, daß dir deine Sünden nun ganz vergeben sind; daß du nun ein Gerechter geworden bist. Eines Gerechten Gegenwart aber bringt den Sündern in der Hölle Linderung ihrer Qualen; darum flehen sie dich an, noch länger bei ihnen zu bleiben." Da erhob der König betend seine Arme zum Höchsten und sprach: „Allmächtiger, gnädiger Herrscher über Himmel und Hölle, Avie unendlich ist deine Güte und Gnade; nur durch sie konnten meine Sünden getilgt werden. Jetzt erst fühle ich ganz, was ich verbrochen hatte! Darum lass' mich als Dank dafür noch länger hier verweilen, damit ich für die Qualen, die mir erlassen wurden, die der anderen lindem kann!" Das Opfer eines Gerechten wiegt viele Sünden auf, der Herrscher der Welten nahm es gnädig an, Posaunenklänge erschallten, vom lichten Himmel herab schwebten Scharen von Engeln in den finsteren Höllenschlund, der hell wurde. Die Flammen der Unterwelt erloschen und Satan sah machtlos und knirschend, wie Boten des Höchsten die Verdammten aus seiner Macht befreiten. So hatte Salomo durch seine Reue und Buße, durch clas Opfer seiner eigenen Seligkeit sich selbst und die anderen erlöst. RÄTSELLÖSUNGEN 1. Das jüdische Jahr. Roschhaschanah, unser Neujahrsfest, -wird im Tisihri, dem siebenten Monat gefeiert. II. David. Er hat sowohl mit d sendet wie belli. Das Wochenfest. IV. Abel. V. I. Israel, 2. Simon, 3. Abraham, 4. Kanaan. Die Anfangsbuchstaben ergeben Isak. RICHTIGE AUFLÖSUNGEN des Ratseis 3 und 5 sind eingelangt von: M ary Horn. Saarbrücken. Herausjeber Dr. NORBERT HOFFMANN, Eigentümer und Verleger HABRITH-VF.RLAGSGESELLSCHAFT m. b. H., sHmtlicl. Wien. I., Zelinkigas.se 13. Verantwortlicher Redakteur FRIEDRICH MATZNER, Wien, IV., Rainergasse 251 Druck der WaWIheim-F.borle A. G. (ver.intwortl.: KARL WIELAND), Wien, VII., Seidengasse 3—11.

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