Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 11 (November 1925)
- Article
- Juden und Araber in Palästina
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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238 M E N O R A H Differenz der Einwanderung und Auswanderung: Juden 1. I. 1923—30. VI. 1923 + 4.450 1. VII. 1923—30. VI. 1924 4- 2.906 1924— 31. XII. 1924 4- 8.681 1925— 30. VI. 1925 4-14.907 Nulitjuclon .Summe — 525 ■!- 3.925 — 895 h 2.011 — 115 - 8.566 625 ■f- 14.282 — 2.160 ,-28.784 34.644 71.336 708.054 828.520 ijjM.VII. 52)1. i. ____ Summe +30.944 Gesamtvermehr ii ng bis 30. VI. 1925 . . . . . . 36.672 Einwohnerzahl Palästinas am 1. Juli 1925: (Schätzung nach Regierungsclatcn) . . 1 20.466 Diese Statistik ist ungemein lehrreich. Sie zeigt vor allem mit unerwarteter Klarheit, wie die ganze Entwicklung des jüdischen Palästina auf der der letzten sechs (in gewissem Sinne zwölf) Monate basiert: würden wir zur Grundlage unserer Statistik statt des 1. Juli 1925 den 1. Juni genommen haben, so wäre schon die natürliche Zunahme der Araber seit Oktober größer als die Gesamtvermehrung der Juden durch Geburtenüberschuß und Einwanderung gewesen. Erst die starke Einwanderung im Monat Juni mit einem Einwanderungsüberschuß (laut Regierungsangaben) von rund 3500, hat die Ziffer der jüdischen Gesamtvermehrung größer als die der arabischen werden lassen. Eine Statistik, die man etwa am 1. Jänner 1925 gemacht hätte, hätte ein ganz anderes Bild geboten: einer jüdischen Gesamtvermehrung von 20.674 Menschen innerhalb zweier Jahre hätte eine arabische Vermehrung von 30.554 Menschen gegenübergestanden. Hat sich die jüdische Bevölkerungssumme in den Jahren 1923 und 1924 um rund 20.700 Einwohner vermehrt, stieg diese Ziffer nach den Regierungsangaben in den nächsten sechs Monaten um 16.000, also fast soviel wie in zwei Jahren vorher. Ich sage fast, denn es ist ziemlich sicher, daß in dieser Zeit außer den von der Regierung erfaßten Einwanderern über 7000 Touristen ins Land kamen, die noch nicht wieder abgereist sind und von denen gewiß ein größerer Teil im Laufe der nächsten Monate sich definitiv niederlassen wird. Anderseits müssen wir aus dieser Statistik noch etwas anderes lernen: die arabische Bevölkerung Palästinas vermehrte sich in 30 Monaten — die Monate November und Dezember 1923 sind bei dieser Aufstellung vernachlässigt — um rund 35.000 Seelen lediglich durch Geburtsüberschuß und nach Abzug der etwa 2000 arabischen Emigranten. In dieser Ziffer ist jedoch die natürliche Vermehrung der Beduinen Palästinas, die den Gesundheitsdepartements zu erfassen nicht möglich waren, nicht enthalten. Nehmen wir an, daß sich der Geburtsüberschuß dieser Beduinen etwa so verhält wie der der arabischen seßhaften Bevölkerung Palästinas zwischen 1921 und 1922, so erhalten wir einen Überschuß von 20 per Tausend und Jahr. Das macht bei etwas über 1 00.000 Beduinen innerhalb 30 Monaten gegen 5000 aus. Auch unter Annahme einer geringfügigen Abwanderung von Beduinenstämmen aus Palästina nach Transjordanien und dem Hedjas, die von einigen Seiten bestätigt wurde, müssen wir zu der arabischen Gesamtvermehrung von 34.700 etwa 3000 bis 3500 Beduinenvermehrung dazurechnen, so daß wir eine Ziffer von 38.200 als arabischen Zuwachs in den letzten 30 Monaten errechnen, d. h. mit anderen Worten, daß sich die Araber durch Geburtsüberschuß (unter Abrechnung ihrer geringen Auswanderung von im Monatsdurchschnitt 70 Menschen) um 1 300 Seelen vermehren, während die Juden in der gleichen Zeit bei einer Gesamtvermehrung von 5 728 Seelen durch Geburtenüberschuß um nur 190 Seelen monatlich anwachsen. Das Plus der natürlichen arabischen Vermehrung gegenüber dem jüdischen Geburtenüberschuß beträgt somit zirka 1 1 00 Seelen im Monat und ein jüdischer Einwanderungsüberschuß von 2200 Menschen pro Monat, wie er in den ersten sieben Monaten des Jahres 1925 nur um weniges überschritten wurde, würde erst in drei Jahren den arabischen Geburtenüberschuß von 1920, 1921, 1922, auf den Mr. Amery in seiner Rede verwiesen hat, wettmachen. Es ist dies ungemein lehrreich für alle Juden, die glauben, mit der heutigen Immigration von 3000 Menschen im Monat bereits das Maximum des Erstrebenswerten erreicht zu haben. Anderseits hat aber Mr. Amery in seiner Rede einen anderen Punkt unerwähnt gelassen, der für die Juden trotz ihrer bisher geringen Einwanderung nach Palästina tröstliche Aussichten eröffnet. Als die Engländer nach Palästina kamen, fanden sie im Jahre 1919 rund 55.000 Juden im Heiligen Lande, die damals schätzungsweise 9'r der Bevölkerung ausmachten. Im Jahre 1922 lebten 84.000 Juden (gegenüber 675.000 Nichtjuden) in Palästina, d. h. die Verhältnisziffer der jüdischen Bevölkerung war im Laufe von vier Jahren um sage und schreibe 2'v auf 1 1 r/( der Gesamtbevölkerung gestiegen. Am 1. Jänner 1925 lebten in Palästina (schätzungsweise) 104.468 Juden bei (schätzungsweise) 808.212 Gesamtbevölkerung, somit fast 1 3''/< der Gesamtbevölkerung, so daß sich in den zwei Jahren 1923/24 die jüdische Bevölkerung Palästinas gegenüber der Gesamtbevölkerung wieder um 2'/c vermehrt hat. Am 1. Juli 1925 lebten in Palästina nach Regierungsschätzung 120.466 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 828.520, was 14-65'/ der Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Unter Einrechnung jener eben erwähnten 7000 bis 8000 Touristen, die Palästina nicht verlassen haben, einerseits, der etwa 4000 Beduinen, die früher nicht eingerechnet worden sind und unter Abrechnung von etwa 2000 englischen Soldaten, die Palästina seit der Volkszählung verlassen haben, kann man die Gesamtbevölkerung Palästinas mit 838.000, die jüdische Bevölkerung mit 128.000 per 1. Juli 1925 veranschlagen, was \5'3(,'< der Gesamtbevölkerung ausmachen würde. Das arithmetische Mittel zwischen dieser Prozentzahl und jener von 14*65rv , die der amtlichen Ziffer entsprechen würde, wäre \5(/< . Es hat sich somit die jüdische Bevölkerung in den ersten sechs Monaten 1 925 wiederum um 2/r gegenüber der Gesamtbevölkerung vermehrt. Eine Tabelle würde also so ausschauen: 1919 Jänner 1923 Jänner 1925 Juli 1925 55.000 Juden 9°,' 84.000 .. 11° 104.000 13" 128.000 ,. 15"' Dieses Wachstum heißt: als Sir Herbert Samuel nach Palästina kam, fand er einen Juden auf zehn Araber. Als Lord Plumer Palästinas Boden betrat, kam ein Jude auf fünf bis sechs Araber. Von dieser Entwicklung, die den Juden das Recht gibt, heute ganz andere politische Stellungen im Lande zu besetzen als zur Zeit der Regierungsübernahme des jüdischen Naziv Eljon, schweigt Mr. Amery, schweigt die arabische Exekutive, die in ihrem Memorandum an den Völkerbund vom 12. April etwas ungenau behauptet, daß sie 91 '/r der palästinensischen Bevölkerung vertrete. Bei einer so schwachen Position, wie die jüdische zahlenmäßig ist, kann es nicht gleichgültig sein, solche Rechenfehler unwidersprochen zu lassen. Fassen wir das Ergebnis der Kolonisationsperiode Sir Herbert Samuels in Ziffern zusammen, so können wir sagen: in sechs Jahren hat sich die jüdische Bevölkerung um 70.000 bis 75.000 Menschen vermehrt und der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist von 9(/( auf 15'r gewachsen. Dieses Wachstum aber war kein arithmetisches mit etwa 1 ','< pro Jahr, sondern ein geometrisches: 2// in vier Jahren, dann 2'/< in zwei Jahren, dann 2f 't in sechs Monaten. Dieses Wachstum ist aber ausschließlich und allein der Einwanderung zu verdanken, die natürliche Bevölkerungszunahme durch Geburtenüberschuß hat bei der Entwicklung des jüdischen Jischuw hier keine erhebliche Rolle gespielt. Mit diesem, für die jüdische Zukunft ebenso wichtigen Faktor werden wir uns in einem zweiten Artikel auseinandersetzen.