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Menorah · 1925-11-01 · Heft 11 (November 1925) · p. Seite 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 11 (November 1925)
Article
Moritz Heimann
Date
1925-11-01
Page
Seite 232 (sequence 1)
Language
German
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232 MENORAH MORITZ HEIMANN Gestorben am 22. September 1925 in Kagel (Mark) Ein hervorragender, grundgütiger Mensch, ein Reiner und Weiser, eine Seele antiken Ebenmaßes voll, gljeichvoll von modernem zu modernstem Kulturinhalt ganz und gar durchtränkt, ist vor kurzem — viel zu früh — in Moritz Heimann dahingegangen. Feinnerviger Künstler obendrein, leidenschaftlicher Kunstgenießer, sicherer Führer und unermüdlich redlicher Mittler im Kampf der Meinungen und Richtungen. Sem bürgerlicher Beruf sowohl, als — was weit schwerer wiegt — innere Berufung prädestinierten ihn hiezu. Die literaturbeflissene Jugend zweier Generationen ist andächtig und lernbegierig zu seinen Füßen gesessen. Nicht nur sie. Heranreifende, von Schaffensqualen zermürbte, und Vollreife Meister suchten nicht minder sein untrügliches Verständnis, seinen unschätzbaren, selbstlosen, niemals vergebens angerufenen Freundesrat. Moritz Heimanns Stellung als literarischer Leiter des weitberühmten Verlages S. Fischer (Berlin) ermöglichte es ihm, verpflichtete ihn anderseits, diese wertvollste Seite seines Wesens, die b c i s p i e 1 g c b c n d - e r z i e h er i s c h c, neben den peinlich beachteten Alltäglichkeiten des Metiers in den Vordergrund zu stellen. Mit den führenden Geistern Deutschlands und Österreichs, dem Heer mittlerer und doch achtbarer Mitstrebender unterhielt er allezeit warme persönliche, sowie sachdienliche Beziehungen. Man sagt nicht zu viel, wenn man den Aufschwung des vornehmen Verlages, dem er durch viele Jahre repräsentierend und werkeifrig vorstand, nicht zum geringsten Teile Heimanns außerordentlichen Verdiensten beimißt. Wie fast alle lebenslang in das Kunstgetriebe Eingefügten, hegte auch Moritz H e i m a n n — seines bescheidenen äußeren Auftretens ungeachtet — früh schon den Wunsch nach eigener literarischer Geltung. In der kunstrevolutionären Bewegung der Neunzigerjahre noch vorwiegend kritisch eingestellt, rang er sich später zu fruchtbarer und vielfältiger Produktion durch und veröffentlichte eine achtunggebietende Reihe essayistischer, erzählender und dramatischer Schriften, welche insgesamt die vertrauten Züge seiner einmaligen edelgearteten Persönlichkeit trugen. Man müßte lügen, wenn man ihn einen starken, eigenwüchsigen Gestalter nennen wollte. Die meisten, insbesondere seiner Bühnenwerke, wurzeln vielmehr im Gedanklichen, Betrachtenden, dienen jedes in seiner Weise der von ihm zutiefst erfaßten und fanatisch hochgehaltenen Idee uneingeschränkter, geistiger, sittlicher und sozialer Freiheit. Eine steil ansteigende, aber folgerichtige Entwicklungslinie führt von dem Frührenaissance- Drama ,,Die Liebesschule" über novellistische Varianten des gleichen Themas hin zu den radikaleren und wuchtig geformten Schlußbekennlnissen des — jüngst erst in Berlin erfolgreich über die Bretter gegangenen — Junkerstückes: „Joachim von Brandt", das mit einem Tropfen Gerhart Hauptmann sehen Öles gesalbt scheint — oder dem tapferen, im höchsten Sinne endgültigen Journalisten-(Tendenz- und Gesinnungs-) Stück „Armand Carrel". Am hellsten indes strahlt das Können, Denken und Fühlen des makellosen Mannes und Künstlers Moritz H e i m a n n in seinem formschönen, überraschend stilgetrcuen Judendrama „Das Weib des Akiba", das den dornigen Leidens- und Ruhmesweg des großen Rabbis Akiba ben Josef und der Seinen in biblischer Breite, biblischer Einfalt mit erstaunlicher Beherrschung und dichterischer Verwertung des ehrwürdigen Urstoffes darlegt. Dieses Judendrama, das man füglich als erledigende Auseinandersetzung mit dem Liebes- und Glaubensproblem bezeichnen darf, hat Moritz Hei manns Künstlerschaft kaum je übertroffen. Das mag uns zur Genugtuung gereichen, daß just jüdische Materialechtheit, jüdische Gedankenarbeit und Herzensinbrunst in dem Hingeschiedenen die besten schöpferischen Kräfte entband. Oskar Bendiencr. ERICH BRILL Erich Brill ist in Hamburg geboren. Schon als Kind lernte er die Sonne und den Wind, das Meer und die Unendlichkeit lieben. Später griff er zum Pinsel und versuchte, das Erlebte in die Sprache der Farben zu übersetzen. Seine ersten Versuche als Maler fielen mit den letzten Jahren des Expressionismus zusammen, jener Kunstrichtung, die manches junge Talent irregeführt hat. Auch ihn hat anfangs der Expressionismus geblendet. Doch er erkannte bald den wahren Weg, schüttelte das Fremde von sich ab und eine Arbeit begann, die vielleicht die schönste Arbeit jedes Künstlers ist: die Arbeit, sich selbst zu gestalten. Der Mensch in ihm wurde reif und eine wachgewordenc Sehnsucht rief ihn in die Ferne. Sein Ziel war — Palästina. Der erste Aufenthalt war kurz und — ich benütze hier seinen eigenen „Terminus" — negativ. Hunderte malerische Probleme tauchten dort plötzlich vor seinen Augen auf. Er stand vor dem Lande seiner Träume wie vor einem Mysterium, und die merkwürdige, spezifische Landschaft Palästinas und ihr spezifisches Licht wirkten auf ihn niederdrückend, lähmend, „negativ". Er versuchte zu zeichnen, zu malen, die Ohnmacht durch das Schaffen zu überwinden. Vergeblich. Das begonnene Werk wollte nicht gelingen, denn es scheiterte am Fehlen des größten Gesetzes der Malerei: dem restlosen Verständnis der spezifischen Eigenarten, der malerischen Probleme einer fremden Landschaft. Niedergebrochen kehrte er nach Europa zurück. Sein einsames Atelier nahm ihn auf. Da geschah das Merkwürdige: fern von Palästina, dem Lande, das er eben verlassen halte, in einem abgeschlossenen Raum eines Hamburger Ateliers — ging ihm plötzlich ein helles Licht auf, das Verständnis für die Palästinalandschaft, für das eigenartige Licht dieses Landes. So traf er seine Vorbereitungen zur zweiten Palästinareise. Diesmal blieb er dort längere Zeit; der zweite Aufenthalt war nicht mehr vergeblich: hunderte Skizzen, unzählige Studien, besonders Kopfstudien charakteristischer Landestypen, von denen einige demnächst in der von Alexander K o g a n herausgegebenen Palästina- Monographie erscheinen werden, sind Beweise ernster künstlerischer Leistung. Und noch mehr: sie zeigen vor allem den gewaltigen Weg, den der junge begabte Mann in seiner künstlerischen Entwicklung bereits zurückgelegt hat, den Weg, der schon heute erlaubt, die besten Hoffnungen an die Zukunft des Künstlers zu knüpfen. A. P. VIKTOR TISCHLER. Wir veröffentlichen in dieser Nummer einige Reproduktionen der jüngsten Arbeiten des hochbegabten Wiener Malers. Wir behalten uns vor, in einer eingehenden Würdigung auf sein Schaffen zurückkommen. Die Originale sind in eine Kollektivausstellung im Kunstsalon Würlhle (bis 15. Dezember 1925) aufgenommen.

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