Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1925)
- Article
- Kinderpredigten des Dubnoer Maggid, Jakob Dubno
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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224 M E N O R A H Kinderpredigten DES DUBNOER MAGG1D, JAK OB DUBNO, AUS DEM BUCHE OH EL, fAKOB, ÜBERSETZT VON rARL COHEN I. Kür dt >n R« V o r a b r . Hase Ii a n a Nun ihr, heilige Kinder, wahrhafte Nachkommenschaft, neigt euer Ohr und es mö«e euch angenehm sein das folgende Gleichnis: Es fuhren einmal viele Kauflcutc von Leipzig mit Wagen, die mit der Ware eines jeden beladen waren, entsprechend dem Segen, mit dem der Ewige sie gesegnet hatte. Sie erfuhren, daß die Wege sehr gefährlich waren und daß sie kräftige Wächter mitnehmen mußten, um sie auf dem Weg vor den Gefahren der Räuber, Plünderer und Mörder zu bewahren. Sie berieten, diese große Aufgabe abzustufen, und sie teilten die Teilnehmer in drei Abteilungen. Dcr erste Teil waren diejenigen, die in der Nähe der Stadt wohnten, sie gaben einen kleinen Anteil, denn der Vorteil der Wächter war für sie klein und gering. Die zweite Gruppe bildeten diejenigen, die weiter fahren mußten, um nach Hause zu kommen. Sic mußten mehr zu der Ausgabe beisteuern. t, Die dritte Abteilung waren diejenigen, die einen weiten Weg fahren mußten. Sie mußten so viel geben, wie die andern zusammen. Das Gleichnis bedeutet: Es ist über uns gesagt worden (Ps. 55,9): „Eilen wollte ich zu einem Zufluchtsort, vor reißendem Wind, vor Sturm", und unsere Weisen (ihr Andenken ist Segen) sagten: ..Seit dem Tage, an dem er den Tempel zerstört hat, gibt es keinen Tag, dessen Fluch nicht vielfältig ist." Und schon traf der Ausspruch ein (Jer. 15, 2): ,,Die für das Schwert und die für den Hunger usw." und wir können uns lediglich stützen auf unseren Vater, der im Himmel ist. Denn er hat uns versprochen (Jer. 31, 8): ,.Im Weinen werden sie gehen, aber im Flehen will ich sie führen" und wir müssen Ströme von Tränen vergießen und nun wollen wir unter uns abstufen, wer wohl mehr weinen muß. Und wir wollen alle m drei Teile einteilen. Den ersten bilden diejenigen, die schon sehr nah an ihrem Heim sind, das sind die Greise, denn nah ist ihr Todestag und sie werden zur Ruhe reisen. Und sie benötigen Erbarmen, nur für die Zeit ihres Alters, um ihre Tage mit gutem L\ncle zu beschließen. Aber die Mittleren wahrlich brauchen mehr Obhut, entsprechend der Reihe ihrer Jahre. Wohlan, ihr Kinder, heilige Kinder, die ihr noch nicht seit langem an das Licht der Weh gekommen seid, denn gar weit ist für euch der Weg. Deshalb müßt ihr den größten Anteil haben und Tränen vergießen, wie die übrigen zusammen. Ihr müßt beten, um lange im Frieden zu leben und beten für euere Väter, daß sie gewürdigt werden, euch in der Lehre groß zu ziehen. Und ihr müßt Erbarmen erflehen, für die Gesamtheit Israels, daß an die Hoffnung gebunden ist, um für uns ein neues, gutes und liebliches Jahr zu beginnen. Ein Jahr der Befreiung und des Heils. II. Für den ersten Tag Rusch H a sc ha na Nun ihr, heilige Kinder, liebe Schüler. Ich will auch euch ein Gleichnis sagen, damit ihr erkennt und wißt, wie sehr es bei euch liegt, viel zu weinen und zu flehen an diesem Tage. Auch wenn noch keine Sorge auf euch lastet und bisher kein Schmerz euer Herz bedrückt hat. Denn euere Eltern sorgen für das, was euch fehlt. Trotzdem gleichet denen, die des Ewigen, des Gottes gedenken. Es war einmal ein Knabe, der wurde gefährlich krank, und sein Vater schickte eiligst zu einem weisen Arzte. Er hatte dabei viel Ausgaben, aber nichts hatte Erfolg. Er schickte in ferne Gegenden, um einen noch weiseren und geübteren Arzt zu holen, und wiederum hatte er viele Ausgaben für Ärzte und Arzneien. Die Ärzte sagten ihm, daß sie nach Art der Heilkunst ihn nicht mehr heilen könnten, denn schon hatten sie viele verschiedene Gifte zusammengebraut, aber nichts half. Nur etwas blieb noch zu tun. Er sah es und beeilte sich, es auszuführen. Und dieses war, Psalmen zu sagen und das Erbarmen des Himmels zu erflehen mit Weinen und Flehen von dem höchsten Arzt (gelobt sei er!), denn er vermag alles. Und er ging schnell und versammelte seine Freunde, damit sie für seinen lieben Sohn Erbarmen erflehten. Danach bedachte er sich und sagte zu seinem Sohn: „Lieber Sohn, wahrlich, der Vater ist für alles verantwortlich, was dem Sohne fehlt, und für alles was den Kindern mangelt, müssen die Eltern sorgen. Sie tragen sie auf den Schultern, aber die Kinder wissen nichts von der Mühe, die die Eltern ihretwegen haben. Aber alles dieses bezieht sich nur auf Dinge, die man mit Geld erwerben kann. Und du, mein lieber Sohn, wahrlich du hast gesehen, als ich noch dachte, ich könnte dich davor schützen, in die Unterwelt hinabzusteigen, mit Hilfe meines Geldes und meines Vermögens, da verachtete ich Silber und Gold, Geld galt nichts in meinen Augen. Aber jetzt, da die Ärzte bereits ermüdet sind, alle Kräuter Gil'ads dir nichts mehr nützen, mit Ausnahme des einen, zu weinen und Erbarmen zu erflehen, wohlan, die Tränen des Kranken selbst sind kostbarer und lieber dort oben als die Tränen der anderen, die seinetwegen weinen. Deshalb schone nicht deine Augen und ergieße deine Seele vor dem Ewigen, und der Barmherzige möge sich erbarmen bei der Stimme deines Flehens, er wird hören dein Gebet und dein Bitten.'' Das Gleichnis ist schon verständlich, denn alle Zeit, cla es möglich war, euch mit Geld zu retten, da taten wir, was in unserer Kraft stand, aber jetzt können wir nichts anderes tun, als zu weinen und Erbarmen zu erflehen. Wahrlich, weinen könnt ihr auch, und euere Tränen sind kostbarer, denn sie kommen aus einem Mund, in dem keine Sünde ist. Betet das ganze Gebet! Zions wegen laßt uns nicht schweigen und um Jeruschalajim nicht verstummen, und es sei dieses Jahr ein Jahr des Lebens und des Friedens, ein Jahr, in dem Jehuda aufgerichtet wird für ewige Zeil und zurückkehren können die Kinder m ihr Land. Amen! UNSERE FRAGE ARNOLD SCFILEIEN. Köln am Rhein, 10 Jahre. Lieber Onkel Ben Nathan! Von allen jüdischen Fest- und Gedenktagen ziehe ich Tischo b'aw den anderen vor. Denn wenn auch der Tempel;m diesem Tage zerstört worden ist, so wird er sicher auch an diesem Tage wieder errichtet werden. Nachstehend sende ich dir ein Gedicht über Tischo b'aw ein, das ich seihst angefertigt habe. TISCHO B'AW. Kennt ihr den Tag. an dem trauern die Steine, Von denen ist worden der Tempel erbaut? Kennt ihr den Tag, an dem jeder weine, Auch der die Tempelzerstörung nicht geschaut r" Es ist der Tischo b'aw. Kennt ihr den Tag, an dem Tranen bedecken Die Tcmpclmauer wohl jedes Jahr? An dem kommen die Juden, gehüllet in Sacken Als Buugewand und Asch' auf dem Haar? Es ist der Tischo b'aw. Kennt ihr den Tag. an dem wird erstehen Der dritte Tempel durch C'ttes Hand. An welchem die jüdische Flagge wird wehen Und der Fromme wird schreiten im Festtagsgewand. Wir fordern unsere jungen Freunde auf, auch weiterhin ilirc Antworten auf unsere Frage: ..... „Welches jüdische Fest, welcher jüdische (.edenkt.v^ ist Dir besonders lieh?" uns einzusenden. Onkel Ben Nathan. RÄTSELECKE I. Es gehn an uns vorbei Meist zwölf in einer Reih', Erst wenn die Hälft' vorbei, Beginnt für uns die Reih'. II. Welcher jüdische König hat so geendet, wie er begonnen? III. Welches jüdische Fest enthält Wochen und währt doch nur zwei Tage. IV. Unschuldig wurde der erschlagen, Der diesen Namen hat gelragen. Dann hieß so eine feste Stadt, Die Joab einst belagert hat. V. 1 2 3 4 5 6 2 1 7 8 9 4 10 3 4 11 4 7 | 12 4 9 4 4 9 Suche für die vier wagrechten Reihen die passenden Wörter: 1 . Beiname eines seiner Söhne. 2. Name eines seiner Enkel. 3. Name seines Vaters. 4. Name seines Heimatlandes. Wer er ist, sagen dir die Anfangsbuchstaben dieser Wörter. Die Ziffern in den Kastchen helfen dir beim Erraten, da jeder Buchstabe immer mit der gleichen Ziffer bezeichnet wurde. S. A. Die Namen der Einsender von richtigen Lösungen werden in der nächsten Nummer hier veröffentlicht. Zur Komplettierung einiger Jahrgänge benötigen wir die Nr. I des I. Jahrganges sowie die Nummern 2 und 4 des II. Jahrganges. Wir bitten unsere Leser, welche diese Exemplare entbehren können, um freundliche Einsendung gegen Vergütung. Die Verwaltung der „MENORAH". Herausgeber Dr. NORBERT HOFFMANN, Eigentümer „„d Verleger HABRITH-VERLAGSGESELLSCHAFT m. b. H., sämtlich Wien. I.. Zelinkagas.se 13. Verantwortlicher Redakteur FRIEDRICH MATZNER, Wien, IV., Rainergasse 25; Druck der Waldheim-Ebcrle A. G. (verantworte KARL WIELAND), Wien, VII., Seidengassc 3—11.