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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Heinrich Mann: Der Kopf [Rezension]
Date
1925-10-01
Page
Seite 221 (sequence 1)
Language
German
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M F. N O R A H 221 Ein hebräischer Atl a*s HEINRICH MANN: „DER KOPF", Paul Zsolnay-Verlag, Wien-Berlin 1925. In diesem Roman der Führer, wie ihn Mann im Untertitel benennt, setzt der Dichter die mit dem Roman ,,Der Untertan" begonnene Romanreihe „Das Kaiserreich" fort. Wie im Kaleidoskop wirbeln die Gestalten, jagen sich Gedanken, Pläne und Ereignisse. Die zwingende Logik geschichtlicher Tatsachen, durch die soziologische Entwicklung eines zu plötzlicher Macht und Blüte gekommenen Gemeinwesens bedingt, ist hier mit dichtungsertötender Wirklichkeit bloßgelegt. Ein Bild der Psyche unserer Zeit, trägt dies Werk zum Verständnis der Fortentwicklung des deutschen Staatsgedankens bei und wird deshalb bleibenden Kulturwert erhalten. N. J. LION FEUCHTWANGER: „JUD SÜSS", Roman, Drei-Maskenverlag, München 1925. Der Roman des Juden, der ob Recht, ob l Jnrecht dort büßen muß, wo andere gekündigt haben, ist hier geschrieben worden. Das Urteil der Geschichtsforschung hat ergeben, daß Josef Süß Oppenheimer, ungesetzlich zu Tode verurteilt wurde, daß er lür die Vergehen der „Christenschelme" hangen mußte. Die dramatische Behandlung, die Feuchtwanger in diesem Roman der trockenen geschichtlichen Episode angedeihen läßt, gestaltet Aufstieg, Einkehr und Besinnung, schließlich schmähliches Ende des Helden zu einer mit steter Spannung erfüllten, lebensvollen Handlung, in der lyrische Episoden nicht fehlen. Das prachtvoll geschilderte Leben am württembergischen Hofe und in den jüdischen Ghettis bildet ein der Wucht des Geschehens ebenbürtiges Szenenbild. Wir müssen dem Verfasser danken, der dies jüdische Schicksal mit der Kraft des dichterischen Talents aus der Vergessenheit gerissen hat und es der lebenden Generation wieder zum Erlebnisse gestaltete, wenngleich er sich über manche historischen Tatsachen und Daten, insbesondere was das jüdische Leben anlangt, hinweggesetzt hat. F. K. ARNOLD ZWEIG: FRÜHE FÄHR¬ TEN. J. M. Spaeth-Verlag, Berlin. „Frühe Fährten" — Gestalten junger Menschen und ihre Schicksale, in einfachen und geschmeidigen Sätzen, auf vielfältige und stets spannende Art erzählt. Wenn Zweig diesmal, gleichsam rückwärts blickend, dem Zauber früher Jugend sich ergibt, um bald ergreifend, bald leise lächelnd jene Erlebnisse darzustellen, die wir vergessen, nachdem sie uns formten, so bat er dafür seelische Gründe, die er dem Leser im letzten Stück des Buches, „Selbstbegegnung im Grünen", nicht verschweigt. Auf so persönlicher Basis entstand ein Buch, das mit still leuchtenden Umrissen junge Seelen verdeutlicht: in Aufschwung und Untergang, in reifende oder entlarvende Begegnungen stellt sie der Dichter; so läßt er sie, transparent unter seinen Blicken, vor uns leben, den Knaben im Kohlenbergwerk wie den jungen „Schieber", den Künstler und den werdenden Geistigen, den Kaufmann und den Studenten: und sie alle, zusamt den Alten um sie und einer versunkenen Zeit, geben uns als bestes: die Einsicht, ohne die das Leben blind gelebt wird, daß Nichtrichten uns allen angemessen ist, und nur die Dichter wahrhaft mit den Mensehen zu leben vermögen. Eigentlich: der erste hebräische Atlas. Denn bis heute sind m hebräischer Sprache lediglich Einzelkarlen zu erhalten gewesen und auch diese nur für die Erdteile und für gewisse größere Länder und Reiche. Im allgemeinen herrschte cm überaus empfindlicher Mangel an Kartenmaterial, von Atlanten gar nicht zu reden. Dieser Umstand machte sich im hebräischen Schulbetriebe sehr unangenehm bemerkbar, nicht nur in Palästina, wo der hebräische Atlas naturgemäß am stärksten vermißt wurde, sondern auch in den zahlreichen hebräischen Mittelschulen der Periphericländer, so vornehmlich in denen Polens und Bessarabiens. Palästina hat bis zur Stunde bedauerlicherweise noch keinen hebräischen Atlas hervorgebracht, nebenbei ein Vorwurf, der allerdings nicht die hebräische Lehrerschaft des Landes trifft, sondern jene Faktoren, die diese Lehrerschalt unter dem beklemmenden Drucke einer konstan'en wirtschaftlichen Not halten und so jede Disposition und Schaffensfreude vernichten. Aus diesem und keinem anderen Grunde sind bisher in Erez Israel überhaupt nur wenige hebräische Lehrbücher geschaffen worden. Zu einer so bedeutenden Leistung, wie sie die Bearbeitung hebräischer Atlanten darstellt, konnte sich der ökonomisch bedrängte hebräische Mittelschullehrer Palästinas schon gar nicht aufschwingen. Den Herren Jabotinsky und Perlmann, den Verfassern dieses ersten hebräischen Atlasses, gebührt der Dank der hebräischen Lehrer und Schüler, denen der erwähnte Atlas von jetzt ab ihre Arbeit in einer Beziehung wesentlich erleichtern wird. Dieser Atlas ist aber auch eine anerkennenswerte Leistung an und für sich. Was das bedeutet, kann leicht der ermessen, der sich einmal über die erste größere Palästina-Wandkarte gefreut hat, als sie vor etwa 15 Jahren — natürlich noch in deutscher Sprache und ohne die Namen der Kolonien zu enthalten — erschienen war; der dann mit Entzücken kleinere Erez Israel-Karten bereits in hebräischer Sprache sehen konnte und der schließlich mit großem Stolz in den geographischen und historischen Kabinetten an den palästinensischen Mittelschulen — wenn auch nicht allzu große — Sammlungen von größeren, in hebräischer Sprache abgefaßten Landkarten bewundert hat. Und jetzt hat er einen Atlas vor sich, der aus 48 Haupt- und einer Anzahl von Nebenkarten besteht, alle in hebräischer Sprache bearbeitet. Dazu kommen noch im Anschlüsse an die einzelnen Karlen 48 Seiten hebräischer Text geographischen oder historischen Inhalts. Denn auch historische Karten enthält der Atlas. Vom Titelblatt bis zur Anmerkung auf der letzten Seite kein fremdsprachlicher Ausdruck. Fürwahr ein schöner Beitrag zur hebräischen Renaissancebewegung! Wie alle großen Atlanten in anderen Sprachen, wird auch dieser hebräische Atlas mit einer ,.Sternenkarte" eingeleitet. Es folgen dann die Planigloben und 38 von den übrigen Hauptkarten sind den fünf Erdteilen und verschiedenen bedeutenden Staaten und Ländern gewidmet. Besondere Hervorhebung unter den geographischen Karten verdienen die „Weltwirtschaftskarten" (Karte 36 bis 40). Eni Blick auf diese Karte belehrt uns, \vn in der ganzen Well der Weizen gedeiht und wo die Rebe blüht, wo Viehzucht betrieben wird und wo sich habnksschlote erheben, wo sich Wälder ausbreiten und wo Erze gewonnen werden und all dies wieder mit feinster Spezifikation. Zu den allgemeinen historischen Karten ge hört die Entdeckungskarte (Karte 7) und eine zweite (Karte 45), die das alte Griechenland, das Römische Reich, Karthago, Mazedonien und die Diadochenstaaten darstellt und sich in Nebenkarten mit den Kreuzzügen und dem Islam befaßt. Es folgt dann eine weitere Karte (Karte 46), die Europa in sechs Epochen — vom alten Rom bis zum Wiener Kongreß - veranschaulicht. Eine ganz originelle Neuerung ist de Wanderungs- und Kolonisationskarle (Karle 41:42)', die in gründlicher Bearbeitung die diesbezüglichen Wege und Stätten mit Angabe der historischen Daten zeigt. Diese wenigen Karlen sollen vorderhand einen historische n A t I a s er selzen, der noch seines Bearbeiters und Herausgebers harrt. Wie nicht anders zu erwarten war, ist ein 1 eil der Karten — zehn an der Zahl dem jüdischen Volke und hauptsächlich Erez Israel gewidmet. Karte 6 gibt uns den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Ländern an, während uns eine zweite große Doppelkarle (Karte24/25 ) die jüdischen Zentren in Euroiia vorführt und eine dritte (Karte 9) die absolute Bevölkerungszahl der Juden nach den einzelnen Ländern mitteilt. Die restlichen Karten haben Palästina zum Gegenstand. Unter diesen zeigt uns eine (Karte 14/15) in großem Maßstabe das heutige Palästina mit sämtlichen Kolonien und den letzten Siedlungspunkten im Emek. Jesreel. Eine Nebenkarte veranschaulicht den geologischen Stand des Landes. Es folgt eine Wirtschaftskarte Palästinas und Syriens. Wäre sie etwas größer, so könnte man ein genaueres Bild über den gegenwärtigen Stand des Ackerbaues, der Plantagenwirtschaft, der Viehzucht und der Industrie gewinnen. Eine historische Karte (Nr. 44) führt uns Palästina m sechs Epochen vor: in der Zeit der zwölf Stämme: unter den Richtern: unter David und Salomo; in der Zeit der Hasmonäer; unter Herodes; in der Zeil des Verfalles und der 1 empelzerstörung. Die vorletzte Karte stellt die Hauptstadl Jeruschalajim in vier Epochen dar: in den 1 agen Davids und Salomes; zur Zeit Hiskias: unter Nehemia und in den 1 agen der Belagerung durch Titus. Die letzte Karte ist die Stadtkarte des heutigen Jerusalem, in dei bereits die im April d. J. eröflneie hebräische Universität eingetragen erscheint. Nicht vergessen werden darf der bereits oben angedeutete Anschluß von I extblättern an die einzelnen geographischen und historischen Karten. In entsprechender Kürze findet man da alles Wissenswerte aus der mathematischen, physikalischen und politischen Geogiaphie und für die historischen Karten gedrängte .Auszüge aus der Geschichte. Wenn dieser I ext auch ein Lehrbuch der Geographie und schon gar eines der Geschichte nicht ersetzen kann, so ist er dennoch eine willkommene Beigabe und bietet eine recht wertvolle Übersicht zur Hand. Die Geographische .Anstalt Wagner und Lehes, Leip/iü, konnte dank der Eutuick

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