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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Drei Bücher über Indien [Rezension]
Date
1925-10-01
Page
Seite 220 (sequence 1)
Language
German
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220 M E N O R A H LITERARISCHE RUNDSCHAU DREI BÜCHER ÜBER INDIEN Von all den Büchern clor letzten Jahre, die sich mit dem Geist Indiens, vorzüglich mit seinem primären und wichtigsten Niederschlag, den Religionen Indiens, sonderlich dem Hinduismus, befassen, scheint mir, soweit deutsche Sprache in Betracht kommt, als Wichtigstes das letzthin bei Kurt Wolff-Vcrlag. Leipzig erschienene Werk H c 1 m u I h v. Glasen a p s ,.H i n d u i s m u s" zu nennen. Glasenap ist als Indologc bekannt: seine früheren Arbeiten schufen ihm die Legitimat-on zu diesem Kompendium des Hinduismus. Glücklicherweise beherrscht er neben seinem Stoff auch die deutsche Sprache in einer das Durchschnittsmaß deutscher Fachgelehrter weit übersteigender Weise, so daß die Lektüre seiner Arbeit auch dem philosophisch minder geschulten Leser außerorden'lich fesseln muß. — Das Werk beschäftigt sich in ausführlichster und übersichtlicher Weise mit dem religiösen Denken des nichtmuslimischen Teiles Indiens, mit seiner religiösen Literatur, mit der daraus entfließenden Welt- und Lebensanschauung und stellt das — wie bei allen orientalischen Völkern — dadurch eindeutig bedingte und bestimmte soziale Leben der Hindugesellschaft dar, wobei auch der Einfluß des Westens nicht übersehen wird. Es kann nicht Aufgabe einer kurzen Anzeige in einem nichtwissenschaftlichcn Organ sein, im einzelnen auf das Werk e-nzugchen. Es sei daher nur betont, daß es — ein genaues Wort- und Sachregister ist ihm beigegeben — ein Handbuch des Hinduismus par excellence darstellt; um so mehr als ein etwa zwanzig Seiten umfassender Literaturnachweis die eingehende Beschäftigung mit den einzelnen Teilen der Materie ermöglicht. Indien als Problem, als politisches Problem, jenseits seiner geistigen Grundlagen ist der Anlaß zu einem im Kurt V o hw i n k e 1 - V e r 1 a g, Berlin, unter dem Namen AI. C a r t h i 1 1 erschienenen Buch ,,D ie verlorene Herrschaf t". Hier gibt ein Mann in dem blendenden, faszinierenden Stil des kultivierten Engländers, der mit Paradoxen zu han'.iercn weiß, mitten aus dem Ablauf der Geschehnisse einen sehr skeptisch betrachteten Abriß der Geschichte Indiens als englischen Besitztum. Von einer hohen Warte aus, aber durchaus nicht als vornehmer Fremder, zählt der Autor dieses Buches, kühl und leidenschaftslos die Sünden Englands in der Verwaltung dieses einst reichsten Erdteiles auf und wenn er auch nicht, wie sein jüngst verslorbcner Landsmann Hyndman Details bringt, weitet er der dennoch des Uneingeweihten Blick zu Erfassung des Gesamtproblems. Indien-Polemiken gegen einzelne englische Parteien, gegen den Bolschewismus (eine Polemik gegen die Erfinder der Weisen von Zion und eine Lanze für das Judentum sei besonders notiert!) würzen die außerordentlich spannende Lektüre und wenn auch dann und wann aus einer schiefen europäischen Einstellung gegen Windmühlen gerannt wird, ist diese überzeugende Begründung des Verlustes Indiens dxirch England von großem sittlichen Ernst getragen. Das Buch, in dem Sätze vorkommen wie ,,Es ist eine altgewohnte Politik Englands, seine Freunde seinen Feinden aufzuopfern", klingt aus in die Feststellung: „Mit dem künftigen Geschehen Indiens wird England nichts mehr zu schaffen haben.*' Würde ein Inder oder einer von uns dies aussprechen, dann könnte höchstens der Wunsch Vater des Gedankens sein. Der dies aussprach, dieser A. Carthill. war aber kein anderer als der jüngst gestorbene Lord C u r z o n, der 1 899 bis 1905 Govcrnor-Gciicral, das heißt Vizckönig von Indien war. Politische Freimütigkeit scheint demnach nur bei von England abhängigen Parteien, nicht aber in England selbst, eine unpalriotischc Angelegenheit zu sein. Als drittes Buch sei in diesem Zusammenhang zu nennen: ,,M a h a t m a G a n d h i: Ein Weg zur Gesundheit." Rota p f e 1-V c r l a g, M ü n clien-Z ü r i c h. Der Inhalt dieser Sammlung von Aufsätzen ist für Indien berechnet; es sind einfache Regeln zur Erhaltung der Gesundheit, wie wir sie seit jeher kennen. Die überragende, erschütternde Gestalt des Mahatma wird zum Objekt einer Konjunktur: die Edition dieses Buches für ein abendländisches Publikum, war absolut keine unbedingte Notwendigkeit. Würde nicht Gandhi als Autor genannt sein, ich wette, daß es keinem Verlag eingefallen wäre, dieses Buch zusammenzustellen. Gandhi kann sich nicht wehren, aber er läuft Gefahr für den Abendländler allmählich das zu werden, was der an Bedeutung weit geringere Tagore durch wahllose Ausnützung der Konjunktur auf dem deutschen Büchermarkt geworden ist: zum Gange? hofer. Eugen Hoeflich. LEHNERT UND LANDROCK: „NORDAFRIKA." Tripolis, Tunis, Algier, Marokko. — Baukunst, Landschaft, Volksleben. — Zirka 240 Seiten Abbildungen in Kupfertiefdruck mit einleitendem Text. Aus dem Sammelwerk ,,Orbis Trrrarum" im Verlag Elrnst Wasmuth A. G., Berlin W. 8. Menschen, die viel reisen, wissen den Wert des optischen Gedächtnisses zu schätzen. Das Schauen erlaubt stets einen viel tieferen, unmittelbarerer. Eindruck, als Hören und Lesen zu vermitteln vermögen. Man kann daher den kosmographischen Wert der Bücherfolge ,.Orbis 1 errarum", die es unternimmt, die Länder der Erde im Bilde zu vereinen, nicht hoch genug einschätzen. Neben der Schönheit der Landschaft zeigen uns die Bilder, von dem nüchternen Objektiv des photographischen Apparates festgehalten, ohne die Schminke künstlerischer Auffassung das Leben der Völker, vergangene und werdende Kulturen. Die Reproduktionen haben d?n Vorzug, das Gegenständliche in einer Form wiederzugeben, die auch dem fcinstempfindendcn küns lerischen Geschmack vollkommen Genüge leistet. Einer der lclzlerschienenen Bände „Norclafrika" reiht sich würdig in diese Folge ein. Die Fülle der Eindrücke, die uns das mit erlesener Sorgfalt gewählte Bilclcrmalcrial vermitteil, verdichtet sich zu einem geschlossenen Bild orientalischen Lebens. Alte und neue Stadtbilder wechseln mit Szenen aus dem Volksleben, ausgesuchte Typen zeigen clic Eigenart der Bevölkerung und harmonisch gestimmte Aufnahmen lassen uns clic Schönheit der Landschaft von den Orangengärten der Küste bis zu den Palmcnhainen und wüsten Sandflächen am Rande der Sahara ahnen. So wandelt dies Werk einen farblosen geographischen Begriff ,,Norclafrika" in eine in sich geschlossene eigenartig harmonisch abgestimmte Welt. N. ZWEI PALÄSTINABÜCHER FELIX SALTEN: „NEUE MEN¬ SCHEN AUF ALTER ERDE." Paul Zsolnav-Verlag, Wien 1925. —H. HERR¬ MANN .-„EINE WERDENDE WELT", Verlag Dr. Flesch, Prag 1925. Ein feinsinniger Wiener Scluifts'cller, dessen Herz schon seit früher Jugend für das jüdische Volk fühlte, reiste nach Palästina. Er sah das alte Land mit den unbefangenen Augen des Juden, der mittätig an der Kultur des Westens schafft, und clic neuen Menschen erfüllten ihn mit der sehnsüchtigen Bewunderung, dafs hier eine jahrlausendealte Verheißung in Erfüllung gehen werde. Was Felix Saiten gesehen und erlebt hat, schildert er mit gewohnter Meisterschaft in seinem Reisebuche, das die Palästinaliteratur um ein von pulsierendem Leben erfülltes Werk bereichert hat. Für den Zionisten bietet das Buch Herrmanns interessante Details. Hier ist die Fülle des Gesehenen durch die sachliche Betrachtung der Gegenstände zusammengedrängt und erweckt ein harmonisches Gesamtbild. Viel Wissenswertes ist in diesem Buche zu lesen, das durch die fesselnde Art des Erzählens nicht den Reiz der Reiscschilderung verliert. N. CHAIM NACHMAN B1ALIK, ES¬ SAYS, Jüdischer Verlag, Berlin. Vor kurzem erschien clic crs'e ins Deutsche übertragene Ausgabe der gesammelten Aufsätze des Dichters im I. bis 5. lausend. Die Übertragung stammt von Dr. Viktor Kellner. Das Buch enthält außer den m der hebräischen Jubiläumsausgabe von Bialiks Werken erschienenen Aufsätzen auch noch verschiedene andere, die verstreut erschienen sind. Es ist somit eine vollständige Sammlung aller Essays Bialiks.

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