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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 208

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Wo ist Abel, dein Bruder? [Illustration]
Date
1925-10-01
Page
Seite 208 (sequence 1)
Language
German
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208 IY1 E N O HERBERT URFAHR. Der Kreis der Hart de Wie aber soll ich da noch weiterfinden. — Ich sehe mich in einem Kreis von Münden; Sie schleudern Sonnen, daß sie mich verblenden, Und breiten Netze, daß sie mich umwinden. — Neig ich mein Haupt hin zu den Himmelswänden, Will sich der Mond entgeistert um mich runden Und alles ist nur da, um mich zu binden Und rings um mich den Kreislauf zu vollenden . . . So seh' ich lächelnd mich im Räume hängen Und kann mich dieses Schicksals nicht erwehren Und kann nicht hindern, daß sie nach mir greifen, Um mich in ihrer Schwingung zu verzehren; Indes sie mich die steilsten Wege schleifen, — Kreisende Arme mit gestählten Fängen . . . Elegie Tau der Schwermut befiel mich, als der Tag verblich Und dann die Nacht hinabstieg die kühlste Sprosse der Berge, Schleichend um Hof und Haus, zoindend ums Haupt mir Welkende Kränze. Wort zerbrach mir im Mund, der Seele trotzig Gefäß — Es fiel mit zuirrem Geklirr ermattet zu Boden. Einsam bückte ich mich, sammelnd mit zittrigen Fingern Glitzernde Scherben . . . Und nun das Dunkel hervorquoll, seufzend der eigenen Last — Es zvogte durch Kammer und Tür und zoühlte im kahlen Gemäuer, — Da ward ich der Fessel bezvußt mir, fühlte die bleierne Spange Hart mich umkrallen. Bis dann der Schlaf kam, seliger Samen der Gnade, Er säte Beschwichtigung mir, träufelte kühlenden Regen, Und ich hinabfuhr der Träume stillstes Gezvässer Winkender Bucht zu . . . R A H Psalm der Erfüllung Einen Psalm nun dem Der heute mich aufzvachen ließ, Zu schauen reineres Bild Mitten in der Städte Verführung: Der mir die Hände zousch. Die armen Hände des Leids, Im reinsten Quell seiner Gnade, Zu fühlen sanftesten Druck Jeglicher Bruderhand. -— Kinder spielen in Gärten. Ein Pferdchen trabt auf der Straße, Es trägt seines Tages Last Mitten in Gottes Herz. — Und also jubelt es auf ----- Eine urmächtige Orgel der Liehe. Es gnadet den Lippen Gesang, Den Augen geläuterte Flamme. Heil euch, ihr Glieder, Auferstanden zum Licht! Heil euch, ihr zoiedergebornen Sinne. Singet das selige Amen reinster Erfüllung. — Ansehen der Lehrer der Religion Als die Wissenschaft den Kalender noch nicht lest geordnet hatte, wurden in Jerusalem von Zeit zu Zeil die vorzüglichen Epochen der Feste durch die Untersuchung der Mondphasen bestimmt. Einmal erschienen einige Zeugen vor dem Präsidenten G a m a 1 i c 1, die behaupteten, den Neumond am Himmel gesehen zu haben. Gamalicl nahm sie auf, und auf jene Behauptung setzte er den Anfang der heiligen Festlage fest. Dem Rabbi Jehoschua schienen jene Zeugnisse falsch und er drückte seine offene Mißbilligung darüber aus. Der Vorsitzende geriet in Zorn und schickte ihm diesen Befehl: ,.Ich befehle dir, mit Stock und Geld gerade an dem Tage, auf welchen nach deiner Berechnung das große Versöhnungsfest fallen würde, vor mir zu erscheinen." Der arme Rabbi betrübte sich sehr darüber, daß er genötigt wurde, einen Tag zu entweihen, der, nach seiner Berechnung, als heilig betrachtet werden sollte, als er den Weisen Akiba traf und dieser also zu ihm sagte: „Dein Gewissen hat dir nichts vorzuwerfen. Das göttliche Gesetz hat dem religiösen Tribunale die Bestimmung der Feste anvertraut; die von ihm nach seiner Wissenschaft festgesetzten Epochen sind dem Herrn angenehm. Jedes Zeitalter hat sein religiöses Tribunal; jedes ist in seinen Entscheidungen eben so angesehen wie die angesehensten Richter der vorhergegangenen Zeitalter. Der Gläubige muß sich den Entscheidungen des religiösen Tribunales, das nach Gewissen urteilt und das in seiner Zeit ist, unterwerfen und um nichts anderes sich bekümmern. Wenn wir die Ausspruche unseres Präsidenten verwerfen wollten, so müßten wir nochmals auf die Aussprüche aller Richter von Mose bis hieher zurückkommen." Der Gelehrte durch diese Worte beruhigt, erschien vor dem Präsidenten mit seinem Stocke und mit seinem Gelcle, wie an einen» Werktage und es war doch der Tag, an welchem das Versöhnungsfest nach seiner Berechnung war. Gamalicl lief ihm entgegen und küßte ihn auf die Stirn und sagte: „Komm an meinen Busen, o mein Meister und Schüler, Meister in Wissenschaft und Schüler im Gehorsam." Talmud R o s c h h a s c h a n a, S. 25 a. Aus GiuscMe Ltvi: Buch Jtr jüdisch™ Weiset. R. Löwh Verlag. Wim,

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