Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1925)
- Article
- Jerusalems Altstadt in Bildern
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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176 MENORAH JERUSALEM: KLAGEMAUER Protektorate dieser Gesellschaft in der Zitadelle Jerusalems „Migdal David" abgehalten. Einer dieser Künstler, dessen Arbeiten die „Pro-Jerusalem" jetzt in vornehmer Ausstattung herausgegeben hat, ist der junge aus Lemberg stammende Kunstphotograph Jakob Benor Kalter. Seine Mappe, die aus 1 2, bei Bruckmann gedruckten Bildern besteht, gibt uns eine Reihe von Aufnahmen aus der Jerusalemer Altstadt, die als eine hervorragende künstlerische Leistung bezeichnet werden müssen. Über die Grenzen der schöpferischen Möglichkeiten bei der Kunst - Photographie wurde immer viel diskutiert. Die klügsten und künstlerisch veranwortlichsten unter den Photographen, wie z. B. Kühne geben es gerne zu, daß für sie die unbegrenzten Möglichkeiten der malerischen Wirkung unerreichbar sind. Eine Fähigkeit besitzen aber die Kunstphotographen unbestritten gemeinsam mit den Malern und Graphikern — die Fähigkeit künstlerisch zu sehen. So stellt sich auch Kalter zu seiner Aufgabe. Die Wahl des Gegenstandes oder des Gesichtspunktes, die helle plastische Linie, das Unterordnen von unwesentlichen Details, das Spiel des Helldunkels und die Belichtung des Gegenstandes — dies alles beschäftigt Kalter in demselben Maße wie den schaffenden Künsller. Sein Verhältnis zu dem Thema ist künstlerisch individuell wie beim Maler; er bevorzugt Landschaft und Architektur (Veduten), fühlt sich immer wieder zu Kompositionen hingezogen, die ihm die Möglichkeit geben seinem malerischen Sehen Ausdruck zu verleihen. Kalter ist ein ausgesprochener Landschafter ebenso wie Schenker nur Porträtist ist. Das Suchen nach eigener Ausdrucksform führt Kalter auch immer wieder zum Zeichnen, bringt ihn zum innigen Verhältnis zur Graphik. Dem Zufall und dem Objektiv seines Apparates läßt Kalter wenig Spielfreiheit. Ich kenne meist die Entstehungsart seiner Bilder und da konnte ich beobachten, daß die Wahl des Aufnahmspunktes den Künstler oft genau so lange beschäftigt, wie die nachherige technische Bearbeitung des Bildes. Die „Klagemauer" ein ewig banales und künstlerisch uninteressantes Sujet, nimmt Kalter von der Höhe eines benachbarten Daches fast aus der Vogelperspektive auf und erreicht dadurch eine lebende, plastische Wirkung. Vortreffliche künstlerische Resultate erzielt er auch in der Verwendung von intensivem Helldunkel in Wiedergabe von düsteren Steingewölben und Durchgängen der Altstadt. Ein jedes Bild, ist das Resultat langer, sorgfältiger Studien und Proben vom künstlerischen und technischen Gesichtspunkt genommen. Die Aufnahme gibt nur soviel vom Gegenstande, wie viel das Malerauge aufnimmt. Das weitere Schicksal des Bildes ist eine Reihe von technischen Arbeiten (besonders Gummidruck), deren Aufgabe es ist, dem Bilde die warmen, weichen Töne oder plastisch greifbare Skulptur der Linie zu geben. Kalter arbeitet jetzt an einer neuen Reihe von Bildern, welche das alle verschwindende Palästina wie Safed, Tiberias — in künstlerischer Auffassung geben sollen. Eine Serie von Ansichtskarten, die er unlängst bei Bruckmann erscheinen ließ, stellen die palästinensische Karte auf eine hier bisher unerreichte Höhe. Die „Pro-Jerusalem" Society hat durch die Herausgabe von Kalters Mappe die Anerkennung seiner vornehmen, ehrlich künstlerischen Arbeit ausgesprochen. Die jüdische Kunst ist um eine schöne Leistung bereichert worden. Tamar Buchstab Awi-jonah (Jerusalem).