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Menorah · 1925-08-01 · Heft 8-9 (August 1925) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 8-9 (August 1925)
Article
Jerusalem vom Skopusberg (Har Zofim) aus gesehen [Illustration]
Date
1925-08-01
Page
Seite 175 (sequence 1)
Language
German
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M £ N O R A H 175 ^•*£|%s£f,.. TESJWfr*- JERUSALEM VOM SKOPUSBERG (HAR ZOF1M) AUS GESEHEN Jerusalems Altstadt in Bildern (Jeruschalajim, Mar'oth mihair haatikah m'ejt J a a k o w Benor Kalter Hocaath Chewrath „L'maan Jeruschalajim" 1924.) Jerusalems Altstadt, ein Adlernest an die ewigen Felsen geheftet, ein Labyrinth verworrener Gänge, die Gäßchen heißen — voll von bevölkerten Schlupfwinkeln, die man kaum Wohnung nennen kann. Da, in dieser romantischen Wirrnis, inmitten von rauchgeschwärzten, jahrhundertealten Mauern, neben den Läden und Bazaren gefüllt mit Orients buntester Farbenpracht, mit schreiender und drängender Menge — hier muß man diese ergreifend nackte, einsame Wand suchen, an der ewig die Tränen der um Zion Weinenden fließen. Nebenan die herrlichen Kuppeln des Haram al Sherif, Morias heutige Bewohner. Nicht allzuweit, in demselben engen Kreise der alten Mauern die Kirche des hlg. Grabes, des Christentums schmerzende Wunde. Die Altstadt Jerusalems ist in ihrem disharmonischen und unruhigen Bilde eine starke Geschmacksprobe für den Besucher. Da gibt es nichts von den fertigen ästhetischen Eindrücken, die dem Touristen gewissermaßen auf dem Präsentierteller vorgelegt werden — da stehe und bewundere. Hier muß man selber schauen, sehen und finden, man muß es verstehen, lästige und entstellende Details auszuschalten, Stil und Charakter selbst zu bestimmen. In den schmalen Wegstreifen, die als Durchgänge dienen, eine immer fließende bunte Menschenmenge, herrlichste Beduinengestalten mit langen, geflochtenen Haarsträhnen, Ägypter in würdevoll faltigen Gewändern, Neger und jemenitische Juden, in Bronze gemeißelte südliche Charakterköpfe. Naive, ihrer selbst unbewußte Schönheit der Linien und Farben, ein Reichtum an zielsicherer Rhythmik der Bewegung, an sinnvoller, der umgebenden Natur angepaßter Kleidung. Für ein künstlerisches Auge eine unerschöpfliche Quelle malerischer Werte, packender Licht- und Farbenprobleme. Die Verehrung der anglosächsischen Rasse für die Bibel und das Land ihrer Entstehung, wie auch der Wunsch, die Altstadt Jerusalems im Rahmen ihres ureigenen Stils zu erhalten, wurde zum Anlaf3 der Gründung der „Pro Jerusalem Society". Die Gesellschaft, deren Protektor der englische König ist, zählt zu ihren Mitgliederen hochgestellte Persönlichkeiten der verschiedenen Nationen und Religionen. In der Mitgliederliste figurieren nebeneinander der Papst und Rabbi Kuk aus Jerusalem, der König von Ägypten, Dr. Weizmann und der anglikanische Bischof. Die Aufgabe der „Pro-Jerusalem" ist die Erhaltung von Jerusalems Altstadt in der unverfälschten Form. Die Gesellschaft will es verhindern, daß die natürliche Entwicklung der Stadt in der Richtung der modernen Kulturanforderungen gleichzeitig die charakteristische Schönheit der ehrwürdigen Stadt vernichte. Die Tatsache, daß Alt-Jerusalem mit einer imponierenden gut erhaltenen Mauer, geschmückt mit einigen schönen Toren und der Zitadelle, gänzlich umschlossen ist, erleichtert wesentlich die Aufgabe der Konservierung und Absonderung von den modernen Stadtteilen. Den Bemühungen der ,,Pro-Jerusalem" gelang es unlängst, den häßlichen, stillosen Uhrturm, den Kaiser Wilhelm II. anläßlich seiner Palästinareise gespendet hat, von dem Jaffator abzutragen. Die nächste große Arbeit, welche die Gesellschaft projektiert, ist das Demolieren einer ganzen Häuserreihe, die den Anblick der alten Stadt verstellt, so daß man bald die ganze Altstadt als einheitliches Bild wird genießen können. Die Bedeutung dieser Konservierungsarbeiten kann man ermessen, wenn man die Wirkung, die Jerusalems Altstadt ausübt, mit dem Anblick der in Rom erhaltenen Wunderwerke des Altertums vergleicht, wo das neue Rom mit seinem Lärm, Tramwagen und Kaffeehäusern das Forum Romanum aus einem Kulturdenkmal zu einem toten Trümmerfeld inmitten des gleichgültigen Lebens macht. ,,Pro-Jerusalem" hat auch die Förderung der jungen, in Erez Israel knospenden jüdischen Kunst in seinen Wirkungskreis gezogen. Die meisten Ausstellungen der hiesigen Künstler werden unter dem

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