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Menorah · 1925-01-01 · Heft 8-9 (August 1925) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 8-9 (August 1925)
Article
[Nachricht]
Date
1925-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 M E N O R A H Kraftstation in Anwesenheit von mehreren tausend Menschen eröffnet. — In den letzten Juniwochen sind bei den Gemeindebehörden von Tel Awiw 208 Gesuche um Bauerlaubnis eingereicht 'worden. In der ersten Hälfte des Monates Juni wurden allein 80 Bauten bewilligt. GALUTH Der Minister des Auswärtigen der polnischen Regierung hat am 1. Juli an den in Warschau weilenden Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, ein Schreiben gerichtet, das der Kolonisation Palästinas durch das jüdische Volk die volle Unterstützung der polnischen Regierung zusichert. — In Wien begannen Beratungen zwischen einer zionistischen und einer agudistischen Kommission über die Möglichkeiten einer Verständigung bei der Fassung des palästinensischen Gemeindegesetzes. — In Köln fand eine Tagung der westdeutschen Gruppen der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion statt, an der etwa 50 Delegierte und Vertrauensmänner teilgenommen haben. — In Warschau wurde die erste Landeskonferenz des „Hechaluz hamisrachi" abgehalten. Es waren I 30 Delegierte, die 90 Städte vertraten, erschienen. — Der erste Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden trat am 21. Juni zur Konstituierung zusammen. Es wurde eine Leitung gewählt und ein Budget sowie mehrere Resolutionen und Statutenänderungen angenommen. — In Luzern tagte die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Fast alle jüdischen Gemeinden der Schweiz waren vertreten. — Der Unabhängige Orden 'Brith Abraham hielt in Atlantic City seine 39. Jahreskonferenz ab, an welcher 915 Delegierte, die 497 Logen mit 1 35.000 Mitgliedern vertraten, teilgenommen haben. — Die wirtschaftliche Notlage unter den Juden Wilnas hat sich vergrößert. Allein in der letzten Juniwoche haben acht Personen aus Verzweiflung über ihre schlechte Wirtschaftslage sich das Leben genommen. — Die Zeirei und Poale Agudas Jisroel errichteten in Polen Lehrgüter zur Ausbildung ihrer Mitglieder für Erez Jisrael. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE Auf Grund von Verhandlungen zwischen der Jewish Colonisation Association (Ica) mit der brasilianischen Regierung hat der Einwanderungskommissär den brasilianischen Konsuln in Europa Instruktionen erteilt, daß die Pässe der von der Ica empfohlenen Emigranten vidiert werden sollen. — Mehr als 600 Vertreter verschiedener Vereinigungen und Institutionen nahmen in New York an der 16. Jahresversammlung der Immigranten-Hilfs- und Schutzgesellschaft „Hias" teil. — In Weißrußland hat die Regierung Maßnahmen zugunsten der Heimarbeiter erlassen. In Zusammenhang damit haben in den letzten Tagen Konferenzen jüdischer Heimarbeiter stattgefunden. Von den in Weißrußland lebenden 447.797 Juden sind mindestens 150.000 ohne jede wirtschaftliche Existenzmöglichkeit. — 500 jüdische Emigranten, die sich bereits auf dem Wege nach Amerika befanden, mußten, als das amerikanische j FREIBURG I. B. j Tel. 1881 Goethestraße Tel. 2881 f I TOCHTERPENSIONAT j : : I COHN-BERNSTEIN I ■ ■ Höhere Töchter- und Fortbildungsschule. Vor- ■ l bereitung für Gymnasium und Abiturienten. \ J Eigene Villa mit Garten. Beste Verpflegung. ■ S Erste Referenzen l Einwanderungseinschränkungsgesetz in Geltung trat, in Lettland zurückbleiben und befinden sich in verzweifelter Notlage. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER In Warschau wurde eine Konferenz von Rabbinern aus ganz Polen abgehalten, bei der über Mittel zur Vorbeugung der Sabbat - Entweihungen aus wirtschaftlichen Gründen beraten wurde, da diese in letzter Zeit überhandnehmen. — Auf Anregung des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Verband) traten vor kurzem die Vertreter der verschiedenen gesetzestreuen Institute und Organisationen Deutschlands zusammen, um über die künftige Ausbildung jüdischer Lehrer und Religionslehrer zu beraten. — Der Kassabericht des Keren Hatorah meldet für das erste Halbjahr 1925 Ein- und Ausgänge in der Höhe von 40.000 Dollar. — Der Distriktrabbiner von Titzingen, Dr. Joseph Wohlgemuth, hat einen Ruf nach Berlin angenommen. — Der Chassidim- Rabbi von Kossow in Ostgalizien ist in Berlin gestorben. — In Ujhely starb der dortige Rabbiner Joel Fellner. Er war eine Koryphäe auf talmudischem Gebiete und hat in der ungarischen Orthodoxie eine führende Rolle innegehabt. WISSENSCHAFT UND KUNST In London wurde die zweite Jahreskonferenz des Kuratoriums des Instituts für jüdische Wissenschaften der Jerusalemer hebräischen Universität abgehalten. — Das Preußische Unterrichtsministerium hat beschlossen, der hebräischen Universität in Jerusalem eine große Bücherschenkung zu übermitteln. — In New York starb der jüdische Schriftsteller Chaim Maliz. — Der jüdische Senator David Supino, Professor für Handelsrecht an der Universität Pisa, ist in den Ruhestand getreten. — Dr. Joseph Breuer, einer der angesehensten Wiener Ärzte, der sich auch als wissenschaftlicher Forscher einen Namen gemacht hat, starb in Wien. — In Mailand verschied Professor Eliah Latles, der eine Geschichte der alten Etrusker geschrieben hat. — Professor Dr. Abraham Sulzbach ist in Frankfurt gestorben. Der bekannte Gelehrte ist Verfasser mehrerer bedeutender Schriften. — Die Berliner Akademie der Künste hat ihren Präsidenten Professor Max Liebermann wiedergewählt. — Der Maler und Radierer E. M. Lilien ist plötzlich gestorben. Er war einmal insbesondere durch seine Genre- und Palästinabilder in Schwarz- Weiß-Manier sehr populär gewesen. — Professor Robert Kahn, ein angesehener Berliner Tonkünstler, wurde 60 Jahre alt. Kahn, ein Schüler von Brahms, ist Lehrer an der Berliner Musikhochschule. — In Berlin starb Moritz Jaffe, der als Komponist und Kunstsammler hervorgetreten ist. Verlobung im Hause Goldberg- Weber, München. Der Sohn des Kaufmannes B. Goldberg, Herr Dipl.-Ing. David G o 1 d b e r g, verlobte sich mit Fräulein Helene Gidalewitsch. Der Bräutigam ist der Enkel der kürzlich in Wien verstorbenen Philanthropin Frau Blume Weber. WAS MAN SICH IN E ROTHSCHILD OHNE GELD Baron Edmond von Rothschild — der Gründer der ersten jüdischen Kolonien in Palästina, der im Laufe von 45 Jahren für das jüdische Siedlungswerk dort fast drei Millionen Pfund ausgegeben hat — hielt seinen festlichen Einzug in Tel Awiw; Spalier, Fahnen, geputzte Schulkinder . . . kurz, wie es sich für einen solchen Wohltäter gehört. Der jüdische Nationalfonds veranstaltet natürlich bei dieser Gelegenheit Straßensammlungen; Papierschleifen mit dem Bild des Barons werden verkauft; Kinder überfallen jeden Passanten, der nicht die blauweiße Schleife trägt und verlangen den Obolus. Als der „Empfang" in der riesigen Synagoge Tel Awiws zu Ende ist und der alte Baron die Treppe zu seinem Wagen niedersteigt, stürzt ein Mädchen auf ihn zu und heftet auch ihm die Schleife an die Brust, die sein eigenes Bild trägt. Rothschild ist sehr gerührt, greift in die Tasche, sucht, greift in die andere, tastet die Westentaschen und das Portefeuille ab — und wendet sich dann ein wenig verlegen an den Bürgermeister: „Ich habe leider kein Geld bei mir..." Der Bürgermeister ist nobel und leiht „dem Baron" einen Schilling . . . Und in Palästina sagte man: „Kein Wunder, wenn der Rothschild so reich ist. Wenn er kein Geld bei sich trägt, kann er keines ausgeben ... Natürlich muß er dann Ersparnisse machen." Seither hat kein einziger meiner Bekannten, der mit mir ausgeht, Geld bei sich. Ich muß immer für sie auslegen. Ich finde, Rothschild hat sehr recht. Ich werde von nun an auch nicht mehr Geld zu mir stecken. Es ist alles viel teurer, wenn man ein Portemonnaie hat. . . W. v. W. EINWANDERUNG UND EINWANDERER IN PALÄSTINA Bekanntlich sind die Einwanderungsvorschriften in Palästina sehr streng und werden noch strenger gehandhabt. Ein wahres Glück ist, daß auch die schärfsten Vorschriften immer umgangen werden können. Die Engländer zum Beispiel verlangen vom gewöhnlichen Immigranten den Nachweis von 500 Pfund Barvermögen. Wenn jemand aber als :EZ ISRAEL ERZÄHLT Tourist für drei Monate kommt, braucht er nur 20 oder 30 Pfund vorzuweisen. Natürlich kamen infolgedessen eine Zeitlang jeden Monat Hunderte von „Touristen" nach Palästina, die im Land Arbeit fanden, nachträglich die Aufenthaltsbewilligung bekamen und so die Vorschriften in sträflicher Weise umgingen. Die Engländer erließen nun eine neue Vorschrift, durch die die Erteilung von Touristenvisa nur an „bona fide"-Touristen zulässig sei, das heißt an solche, von denen der Konsul wisse, oder für welche die zionistischen Palästinaämter garantieren, daß sie nicht im Lande bleiben würden. Das erschwerte neuerlich die Einwanderung von hinten herum. Kam da ein Herr in — sagen wir Danzig — auf die glorreiche Idee und ließ sich ein Visum von Danzig nach Kamtschatka transit Syrien und Palästina ausstellen. Kam nach Palästina, wo sein Paß kontrolliert wurde, und verschwand . . . Das Immigration-Office ging der Sache nach und richtete an die zionistische Exekutive einen eisig ironischen Brief, ob dieser Herr etwa als bona fide-Tourist betrachtet werde und ob er schon nach Kamtschatka weitergereist sei. Der Beamte in der Exekutive verstand die Ironie nicht und antwortete höflich: „Wir bestätigen den Empfang Ihres Briefes. Ihre Anfrage können wir leider nicht beantworten, da die zionistische Exekutive kein Palästinaamt in Kamtschatka unterhält..." Das Immigrationsdepartement revanchierte sich für diese Antwort prompt. Die zionistische Exekutive verlangte eine Anzahl von Visen für Südarabien und im speziellen für Aden. (Sprich englisch: „Äden".) Die Typistin tippte pünktlich: „Bitte zehn Visa für Eden." (Eden sprich englisch: Iden, Eden heißt natürlich Paradies.) Das Imiriigrationsdeparternent telephonierte daraufhin: „We can't give visa for Eden. At Eden there is no British consul. Send your people perhaps to Hull. . ." Es war natürlich nur Schuld des Telephons, daß Hull ganz genau so klang wie „hell". Es war trotzdem sicher sehr unhöflich vom Immigrantenamt, Visa für die Hölle zu erteilen, wenn man solche für Aden verlangt hatte; auch dann, wenn wirklich im Paradies kein britischer Agent sein sollte — was ja möglich ist. W. v. W. PDENEUBEITEI KU & FRIED -S-

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