Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 167

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Frau Blume Weber s. A [Illustration]
Date
1925-07-01
Page
Seite 167 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2912821-2912840-2912848-2915917--02083-2915999
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M E N O R A H 167 tesdienst, daher muß ich erst die Inventur abwarten, dann nach Wien fahren, um die Ware auszusuchen. Daß du ein so schönes Geschenk vom lieben Gyula bekommen hast, mein liebes Sidderle, hat mich sehr gefreut, weil es mir doch beweist, daß er dir schon wieder gut ist (ich denke daran, daß er brummig war). Bitte, schickt mir Briele aus Wien, ich schicke euch dafür gleiche Lektüre. Bitte, liebe Siddy, schreibe sofort an Frau G. Es schickt sich. Da du keine Gelegenheit hattest, dich mündlich zu bedanken, mußt du es schriftlich tun. Mir sind die Finger schon starr vor Kälte, denn ich schreibe im Geschäft, ich muß also schließen. Mit tausend Grüßen eure treue Mutter Klara." „Liebe Siddy! Heute ist die Inventur, die glatt verlief, erst vorüber, ich kann euch, liebe Kinder, also erst heute meine Freude über die schöne Remuneration aussprechen, die der hebe Gyula erhalten hat. Nur weiter so, und ich mache noch eine Anleihe bei meinem reichen Schwiegersohn. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, dir, liebes Sidderle, einige Ratschläge zu geben, in erster Reihe, damit du nicht etwa auf den Gedanken kommst, die Ersparnisse in einer zweiten Amme anzulegen. Dazu wäre es noch zu früh, ist der Bub noch zu jung. 1 . Nimm dir für einige Zeit eine Friscurin. Ich darf dir sehr wohl den Rat geben, weil ich nie im Leben eine hatte, nicht einmal bei einer Hochzeit. Aber du hast schütteres Haar, das ehr noch dazu ausgegangen ist, und du wirst Avecler Geduld noch Zeit haben, es zu pflegen. Das kostet dich fünf Gulden monatlich, du kannst es dir also einige Zeit hindurch, bis es sich wieder erholt hat, leisten. Du hast es wirklich nötig, tu' es mir zuliebe. 2. Lasse dir vom lieben Gyula ein Sparkassabuch mit einer hübschen Einlage schenken — der Wohltätigkeit werden keine Schranken gesetzt — und trage fleißig dein Erspartes hin. Wie ich Gyula kenne, wird er auch dein Wirtschaftsgeld erhöht haben. Deine Freundin Berta hat sich in den zwei Jahren bereits tausend Gulden erspart, die sie großmütig für ein zw eites Kind bestimmt hat. Ich wünsche, du mochtest dir dein Erspartes als Grundlage für andere Zwecke anlegen — jedenfalls wird es dir einmal zugute kommen. Herzlichst eure treue Mutler Klara." (Fortsetzung folgt.) FREIBURG I. B. Tel. iSSi Goetliestrofic Tel. 1881 TÖCHTF.RPF.NSIONAT «lllll!» COHN-B ERNSTFJN Höhere TöJucr- und PonbiUlmjuss.hule. Vorbereitung jiir C jyinnttpium und Abiturienten, liige.u Vill.1 mit G.irtm. 1W Verpenn«. Irrste Re|e,en,e„ FRAU BLUME WEBER ZUM ABLEBEN DER PHILANTHROPIN FRAU BLUME WEBER Vor einigen Wochen verstarb in Wien Frau Blume Weber, Witwe des Großkaufmannes David Weber, im Alter von 86 Jahren. Die Verblichene war in den weitesten Kreisen und über die Grenzen der früheren Doppelmonarchie hinaus als Philanthropin und Friedensapostel bekannt. Geboren am 6. Juni 1839, entstammte sie einer alten Patrizierfamilic sowie dem Hause des weltbekannten Gelehrten Lewusch, dessen Werke noch heute für alle Weltteile Interesse haben und zum Vorbild dienen. Ihr Großvater war der bekannte Rabbi Jehuda von Biala, welcher ein Alter von über 100 Jahre erreichte. Die Verstorbene war Mutter von sieben Kindern und sah eine reiche Schar von Enkeln und Urenkeln um sich. Ihr Wirken und ihre Lebensführung erinnert an die Glükel von Hameln. Sie widmete nach dem frühen Tode ihres Mannes ihre ganze Kraft den Armen und Bedürftigen und unterstützte mit ganzer Seele das Aufbauwerk von Palästina. Streng konservativ erzogen, hing sie mit Liebe und Treue an ihrem Glauben, übte aber dennoch ihre Wohltätigkeit ohne Unterschied aus. Sie verschied schmerzlos in voller geistiger Frische. ±1 $ I * ~*^-<S^*-*^^a^s^.^x,——-^xS_a_^^_ Joseph und seine Brüder*) Personen : Joseph, Premierminister in Ägypten. J u d a, sein Bruder. Benjamin, sein jüngster Bruder. T i, sein Haushofmeister. 1. AKT. T i allein. Ti : O weh! Ich weiß mich kaum zu fassen, Die Völker strömen her in Massen, Allüberall ist Hungersnot, Nur in Ägypten gibt es Brot. Die Völker alle kaum ich zähl': Kommt Israel, kommt Ismael, Es kommen Mohren, die Kuschiter, Die Edomiter, Midianiter. Oh, was ist alles hergelaufen, Und will bei uns das Brot sich kaufen! Ich find' es fast schon unerträglich. Jedoch, — die Preise steigen täglich! Da kann ich, guter Ti, mich freun, Streich' Gold und Silber wacker ein. Ja, was ich in der Hand hier trage Ist meine Geldwägwiegeschale, Ich wäg' das Geld, ich wäg' das Geld, Dazu bin ich ja angestellt. Und bei dem Wägen irrt sich nie Des Josephs Haushofmeister Ti. Wie kommt's, daß alles sich so drängt, Z.u uns grad seine Schritte lenkt? Daß voll die Straßen, die Bazare, Daß Menschen wimmeln, Dromedare? Weil — sicher Ihr das alle wißt — Der Joseph hier Minister ist! Der Pharao, — wenn heut so reich er, Wenn vollgefüllt jetzt seine Speicher, Wenn alles Geld der Welt wird sein, — Dem Joseph dankt er dies allein. Und seinen lieben Joseph preist er Wie ich, der Ti, sein Haushofmeister. Ja, was ich in der Hand hier trage Ist meine Geldwägwiegeschale. Ich wäg' das Geld, ich wäg* das Geld, Dazu bin ich ja angestellt. Und bei dem Wägen irrt sich nie Des Josephs Haushofmeister Ti. Wie kam der Joseph so zu Ehren'? Das, liebe Kinder, sollt ihr hören. Einst träumt dem Pharao mal viel: Er stand am Uferstrand des Nil, Da kamen Kühe, sieben fette, So schöne bunte, feine, nette. Und jede muht vergnügt und aß Das frische grüne Ufergras. Jedoch danach hat er — erschreckt — Auch sieben mag're Küh' entdeckt. Die muhten furchtbar, waren häßlich. Und haben, hört nur an, wie gräßlich, Die sieben fetten aufgezehrt; — Der Pharao erwacht verstört. Jedoch von seinen klugen Leuten Könnt keiner diesen Traum ihm deuten. Da schickte man nach Joseph aus, Der damals im Gefangnenhaus. Der kam und stand vor Pharao, Und deutete den Traum ihm so: Die sieben fetten Kühe muß Man deuten: Sieb'n Jahr Überfluß. Die sieben magren Küh' bedeuten Wohl sieben Jahre Hungerszeiten. Drum heißt es in den fetten Jahren Das Brotgetreide klüglich sparen. Man sammelt's ein und legt's bereit Für sieben Jahre Hungerszeit. I IIIIKiüliclH'MIIOliliill »*>[)(' de ehine in vielen Modefarben mir .iio(t K, ferner tnuseinle lieste moderner iih-n- und WasehstolTe allerbillig-st bei Kami & Fried WIEN, VI., Linke Wienzelle 40 (Im Hofe).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.