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Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Schach [Nachricht] / Reti, Richard
Date
1925-07-01
Page
Seite 164 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H Geleitet von Richard Re'ti, Knapp nach dem Turnier in Baden-Baden, in -welchem Alekhine den ersten Preis erstritten hatte, (and ein internationales Turnier in Marienbad statt. Es beteiligten sich 16 Meister, den ersten und zweiten Preis erhielten gemeinsam Akiba Rubinstein und Aron Nienizowitsch. Beide Spieler haben damit überrascht. Rubinstein war bekanntlich vor dem Kriege neben Dr. Lasker der hervorragendste unter den Schachmeistern, Er hat -wiederholt erste Preise erstritten und mehr noch als diese äußeren Erfolge war sein klarer von seltener Tiefe und Weitsicht getragener Stil, seine souveräne Positionsbeherrschung maßgebend, wenn Rubinstein allgemein als der berufenste Anwärter auf die Weltmeisterschaft galt. Ein Wettkampf mit Dr. Lasker war tatsächlich iür den Herbst 1914 vereinbart als der Kriegsausbruch die Veranstaltung zum Scheitern brachte. In der Nachkriegszeit konnte nun Rubinstein nichl mehr jene erste Rolle spielen wie vorher. Dies war zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß Rubinstein in gesundheitlich schlechter Verfassung war. Nur einmal, in Wien 1922, konnte er sich zu einem ganz großen Erfolg aufraffen, aber nur um bald darauf noch mehr abzufallen. Deshalb war es schon im Turnier von Baden- Baden, noch mehr aber in Marienbad geradezu eine Sensation, als Rubinstein ein gediegenes sicheres Spiel vollführte, welches an seine besten Zeilen erinnerte. Er hat in ersterem Turnier den zweiten Preis gewonnen und wäre in letzterem sicherlich Erster geworden, wenn er nicht plötzlich einen kleinen Rückschlag gehabt hätte, wodurch er zwei Parlien hintereinander, darunter eine gegen einen Outsider, verlor. Dann aber spielte er wieder mit voller Kraft und wenn er in den heuer noch zu erwartenden Turnieren (hauptsächlich Breslau und Moskau) diese Form weiter bewahrt und vielleicht noch verbessert, dann kann man erwarten, daß er bald wieder jenen Rang einnehmen wird, den er sich vpr dem Kriege erkämpft hat. Niemzowitsch ist ein glänzender Kombinationsspieler und gleichzeitig einer der bedeutendsten Verfechter der modernen Schachideen. Seine zum Bizarren neigende Spielweise konnte ihm jedoch noch nie zu einem Erfolg wie diesen verhelfen. Diesmal zeigte sich aber sein Stil auffallend geläutert und es ist möglich, daß er erst jetzt den Höhepunkt seines Könnens erreichen wird. Nachstehend eine Partie aus dem Marienbader Turnier. Engl sehe Partie Weiß: Rubinstein Schwarz: 1. c2 — c4 e 7 — e 6 2. d2d4 Sg8-f6 3. Sgl - f3 b 7 - b 6 4. g2g3 Lc8 -b7 5. Lf 1 - g2 Sf8-e7 6. Sb 1 - c3 Sf6 —e4 Ein guter Zug. denn der damit erreichte Abtausch erleichtert die Verteidigung. 7. Sc3Xe4 .......... Notwendig, denn Schwarz drohte einfach auf c 3 die Springer zu tauschen, worauf der Doppelbauer auf der c-Linie eine Schwäche des weißen Spiels geworden wäre. Auch Züge mit dem Königsspringer, um aus der danach entstehenden Fesselung Vorteil zu ziehen, wären schlecht, denn Schwarz nimmt auf c 3 mit Angriff auf die weiße Dame. 7........... Lb7Xe4 8. 0-0 0 — 0 9. Lei —f4 .......... Ein feiner und keineswegs naheliegender Zug. Der Läufer steht hier besser als nach der scheinbar starken Fianchettierung auf b 2, denn er verhindert oder er chwert hier die Erreichung eines strategischen Zieles von Schwarz, nämlich d 7 — d 6 nebst e 6 — e 5. 9........... d7d6 10. Dd I -d2 Sb8-d7 11. Tfl -dl a7-a5 Um den Gegner an der Aufstellung a2 — a 3 nebst b 2 — b 4 zu hindern, wodurch der schwarze Damenflügel einem nachhaltigen Positionsdruck ausgesetzt wäre. 12. Tal— cl! Dd8 — c8 Zieht die Dame aus der feindlichen Turmlinie, um nicht plötzlich einmal mit dem Durchbruch c4 — c5 überrascht zu werden und spielt außerdem mit dem Gedanken, gelegentlich mit f 7 — f 3 nebst De8 h5 einen Königsangriff zu inszenieren. 13. Sf3 —el! .......... Mit ganz einfachen Mitteln bringt Rubinstein sein Spiel schrittweise vorwärts, Jetzt erzwingt er den Abtausch des Läufers e4, womit die bestpostierte Figur des Gegners vom Brett verschwindet. 13.......... Le4Xg2 14. Sei Xg2 17- 15 15. Ddl —c2 .......... Wieder ein Zug voll tiefer Strategie. Die feindliche Bauernstellung wird nur dann zu erschüttern sein, wenn Weiß in einem Augenblick zu d 4 — d 5 gelangt, in welchem Schwarz wegen der Bedrohtheit des Bauern f 5 nicht mit e6 — e5 antworten kann, Um dies ernstlich drohen zu können, muß Weiß zunächst eine Umgruppierung vornehmen, nämlich den Läufer von f 4 zurückziehen, damit er dann nicht mit e6---e5 angegriffen wird, und den Springer nach e 3 zu bringen zum nochmaligen Angriff auf f5. 15.......... g7-g5 Schwarz setzt seine Angriffspläne fort. 16. L(4d2 De8 — e5 17. f2 f3! ......... Ein Fehler wäre dagegen 17. e2 — e4? wegen Sd7 — f6! nebst Sf6 — g4 mit Gewinnstellung. 17.......... Le7~f6 18. Ld2 — ei.......... Viel besser als das natürlicher aussehende Ld2 —c3. 18.......... Ta8-e8 19. Lei — f 2 ......... Hier steht der Läufer vorzüglich, da Weiß nach Durchsetzung von b2 —b4 auch den Durchbruch c4 —c5 drohen kann. Ungünstig wäre dagegen an dieser Stelle 19. d4 — d5, denn Schwarz antwortet trotzdem e6 - e5 und setzt nach 20. D c 2 X f 5 mit e 5 — e 4, drohend Lf6-d4 + fort. 19.......... Dh5-f.7 Aber hier und im nächsten Zuge mußte Schwarz zur Deckung von f 5 unbedingt L 1 6 — g 7 ziehen. 20. a 2 - a 3 D f 7 - g 7 Der entscheidende Fehler. In feiner Weise erzwingt nun Rubinstein den Durchbruch d 4 — d5 unter den in der Anmerkung zum 15. Zuge von Weiß auseinandergesetzten günstigen Umständen. Er erzwingt nämlich die Öffnung der a-Linie, welche von Schwarz, um von dieser Seite direkten Nachteil zu vermeiden, sofort besetzt werden muß, worauf d 4 — d 5 folgt, ohne daß Weiß die in der Anmerkung zum 19. Zuge von Weiß angegebene kombinative Parade befürchten muß. 21. b2 —b4 a5Xb4 22. a3Xb4 Te8-a8 23. d4 d5! Dg7-e7 24. d5Xe6 ......... Damit hat Weiß seinen Figuren den Einbruchspunkt d 5 verschafft, wodurch er bald Gewinnstellung erreicht. 24.......... De7Xe6 25. Sg2--c3! Lf 6-d5 um f5 und auch rechtzeitig c7 zu decken. Damit ist aber die Verbindung der schwarzen Türme unterbrochen und Weiß hat einen weiteren Vorteil erlangt. 26. b 4 - - b 5! ......... fixiert die schwarze Bauernstellung auf dem Damen Hügel. 26.......... Sd7 e5 Das scheinbar bessere 26.........Sd7 — c5 scheitert an 27. Tdl — d5! 27. Se3 d5 h7 h6 28. Tel al.......... Erobert die a-Linie, wonach Schwarz in wenigen Zügen vollständig wehrlos wird. 28.......... Ta8Xa1 29. Tdl Kai g5-g4 Beschleunigt den Verlust, aber ein guter Zug war nicht mehr zu sehen. 30. f3 — f4! Se5 - g6 31. Tal -a7 T(8 -Kl 32. Lf2--d4! ......... Nun fällt plötzlich auf dieser Diagonale die letzte Entscheidung. 32. ......... Kg8-h7 33. Ta7-a8 Tf7 - d7 34. Ld4-b2 h6-h5 35. Dc2-c3 Droht Ta8 X d8 usw. 35.......... De6-f7 36. Sd5--e3! ......... Droht Se3 X f5 nebst Ta8 X d8 usw. Dagegen gibt es keine Parade mehr. 36.......... Df7f3 37. Se3 X f5! d6 d5 38. c4Xd5 Df8X 15 39. Ta8Xd8 Td7-c7 40. Td8—e8! Schwarz gibt auf, denn zieht der Turm nach d 7 oder f 7, so folgt einfach 41. e2 — e 4. Eine Partie in Rubinsteins bestem Stile.

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