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Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 162

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Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Der Anteil der Juden an den Naturwissenschaften
Date
1925-07-01
Page
Seite 162 (sequence 1)
Language
German
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162 M E N O R A H Wilhelm Löwinger / Der Anteil der Juden an den Naturwissenschaften PROLEGOMENA ZU EINEM THESAURUS BERÜHMTER JUDEN 7. MATHEMATIKER, ASTRONO¬ MEN UND METEOROLOGEN Unter den Astronomen ist als einer der ersten in der neueren Zeit zu nennen W i 1helm Beer (1797—1850), einer illustren Familie angehörig, denn seine Bruder waren niemand geringerer als Meyerbeer und Michael Beer, der Dichter des „Paria". Wilhelm machte die Freiheitskriege 1813 bis 1815 als wirklicher, nicht als unfreiwilliger Freiwilliger mit, brachte es bis zum Dragonerleutnant und beschäftigte sich dann mit der Astronomie. Er erbaute sich eine eigene kleine Sternwarte in Berlin und arbeitete mit Mädler zusammen. Auf Grund seiner Beobachtungen veröffentlichte er im Jahre 1834 die erste genaue Mondkarte, wofür er von der französischen Akademie den Lalland-Preis erhielt. Die preußische Regierung ernannte ihn — es war die Zeit des Romantikers auf dem Thron — für seine selenographischen Verdienste zum Kommerzienrat! Wahrscheinlich hatte er mit dem Mond Geschäfte gemacht. Gleichfalls ein Freund und Mitarbeiter Mädlers war Herrn. G o 1 d s c h m i d t (1802—1866), ein Frankfurter, der sich ebenso wie Beer aus Liebhaberei mit der Astronomie abgab und dabei zahlreiche kleine Planeten und 14 Planetoiden entdeckte. Auch er erhielt für seine Beobachtungen den Lalland-Preis und ein Ehrendiplom der British Astronomical Society. Aus Preßburg stammte der Direktor der Pariser Sternwarte Maurice Loewv (1833—1907), der, um den Grafen Thun nicht zu genieren, Österreich verließ und sich nach Frankreich wandte, wo man ihn ohne Taufschein die Sterne begucken ließ. Auch er war Mondforscher (,,Atlas photographique de la lune", Paris 1896), außerdem arbeitete er über Planeten und Kometen, Refraktion, Aberrationskonstante u. a. — Auch der unter dem Namen „Urania-Mever" bekannte Astronom M. Wilhelm Meyer (1853—1910). dessen Verdienste um die Popularisierung seiner Wissenschaft ich hier nicht besonders aufzuzählen brauche, da sie allgemein anerkannt sind, war Jude. Ein schwedischer Metcorolog endlich, der Professor der Universität zu Upsala, war Robert Rubensson (1829—1919); er hat die moderne Meteorologie in Schweden eingeführt und zahlreiche fachliche Schriften verfaßt. Daß mit diesen angeführten Männern nicht alle Namen erschöpft sind, braucht wohl nicht erst gesagt zu sein. Nur die Rücksicht auf den Raum veranlaßt mich, mich auf die oben besprochenen Gelehrten zu beschränken. Als letzte Rubrik bleiben noch übrig: (Fortsetzung und Schluß.1) 8. FORSCHUNGSREISENDE UND GEOGRAPHEN Der jüdische Marco Polo des Mittelalters war der spanische Jude Benjamin b e n Jona, nach seiner Vaterstadt Tudela auch Benjamin von Tudela genannt, der im 12. Jahrhundert lebte und in den Jahren 1166—1175 eine Reise unternahm, die ihn über Italien, Griechenland, Kleinasien, Syrien bis tief nach Persien hineinführte, Die Rückreise nahm er über Arabien und Ägypten. Seine Beobachtungen legte er in dem hochinteressanten Werke ,,Massaoth schel Rabbi Benjomin" nieder, das den ersten Bericht eines Abendlanders über das mittelalterliche Morgenland darstellt. Es erschien zu Konstantinopel im Jahre 1543 und ist für uns besonders wichtig wegen der zahlreichen darin enthaltenen Notizen über die Juden in Syrien und Palästina. Dieser Reisebericht wurde frühzeitig ins Lateinische, Holländische, Französische, Englische, Jüdisch-Deutsche und Deutsche übertragen. Eine moderne Übersetzung ins Deutsche gab Martinet, Bamberg 1858. Ein berühmter Pionier der europäischen Zivilisation in Afrika ist aber Emin Pascha, mit seinem wirklichen Namen Eduard Schnitzer (1 840— 1 892). Er stammte aus Neisse und war zuerst praktischer Arzt. Als junger Mann ging er eines Tages nach der Türkei, schloß sich einer Expedition nach Syrien und Arabien an, begleitete dann den türkischen Staatsmann Ismail Pascha nach Klcinasien und Armenien und landete 1875 in Ägypten. 1876 ging er mit dem berühmten Gordon Pascha nach dem Sudan, wo er sich bald solche Kenntnis von Land und Leuten erwarb, daß ihn die englische Regierung schon 1878 zum Gouverneur der Äquatorialprovinzen ernannte. Seine 1 ätigkeit dort wurde durch den Aufstand des Mahdi unterbrochen. Emin Pascha von jeder Verbindung mit Ägypten abgeschnitten und von den Mahdisten belagert. Dem Reisenden Stanley gelang es, ihn zu befreien und beide gingen 1887 nach Deutschostafrika. Emin Pascha trat 1891 in deutsche Dienste über. Schon ein Jahr später fand er ein tragisches Ende. Er wurde von einigen Arabern gefangen genommen und hingerichtet. — Emin Pascha hat wertvolle naturwissenschaftliche, ethnographische und linguistische Sammlungen hinterlassen, die von seiner geistigen Größe und Eigenart beredtes Zeugnis geben. Georg Schweitzer hat seine Erlebnisse und sein Wirken in einem großen Buche (,,Emin Pascha", Berlin 1898) ausführlich geschildert. Ein als Ethnolog und Sprachforscher hervorragender Gelehrter war Hermann Vambery, eigentlich Bamberger (1832 bis 1913). Vambery war ein Ungar, seit 1865 Professor der orientalischen Sprachen an der Budapester Universität und bereiste Armenien, Persicn und Turkistan. Die Zahl seiner Werke, deren viele grundlegend sind, ist fast unübersehbar. Hauptsächlich schrieb er über Sprache, Kultur, Sitten und Ethnographie der Turkvölker. Sein großes Reisewerk hat den Titel „Reise in Mittelasien" (Leipzig 1865 u. öfter). Er schrieb in deutscher, englischer und ungarischer Sprache mit gleicher Meisterschaft. Zum Schluß sei noch kurz hingewiesen auf den Reisenden Benjamin Salomon Spitzer (1774—1820), gleichfalls ein Deutschungar, der zweimal die Welt umsegelte, auf den Afrikareisenden Louis Gustav Binger (1856 geb.), der in französischen Diensten Senegambien erforschte, den Geographen Eduard Glaser (geb. 1855) aus Böhmen, der Arabien bereist hat, den russischen Ethnographen Iwan Semjono witsch P o 1jakow (1846—1887), der bis Sachalin kam und den Ungarn EduardSchwarz (1831 —1862), der als Korvettenarzt die Novarafahrt mitmachte und besonders die Botanik und Zoologie durch wertvolle Funde bereichert hat. Die in dieser Abhandlung angeführten Namen und Tatsachen zeigen zur Genüge, daß es kein Gebiet der Naturwissenschaften gibt, auf welchem die Juden nicht redliche und tüchtige Mitarbeiter gestellt hätten. Und dabei muß man bedenken, daß diese Wissenschaften den Juden eigentlich erst seit kaum einem Jahrhundert zugänglich sind. Das Märchen von der Unfähigkeit der Juden zu naturwissenschaftlicher Tätigkeit wird sich demnach kaum mehr aufrechterhalten lassen. BIBLIOGRAPHIE THEODOR HERZLS LEHR¬ JAHRE. Nach den handschriftlichen Quellen. Von Leon Kellner. Verlag R. Löwit. Wien und Berlin. 1920. Selten wohl haben Biographien in der Darstellung eines Lebenslaufes den Weg der Dichtung ganz vermieden. Auch P 1 ut a r c h, der griechische Klassiker der Lebensbechreibungen, ist ihn gegangen. Dabei ist er freilich ehrlich genug, selbst offen zu bekennen, daß er nicht „eine eigentliche Geschichte" habe schreiben wollen. Und doch kommt seinen Darstellungen — man darf es ruhig sagen — Ewigkeitswert zu, eine Auszeichnung, die eigentlich nur der reinen Wahrheit gebühren sollte. Monumentale Persönlichkeiten der Geschichte haben in Plutarchs Biographien den Spiegel gesucht, um darin das Maß ihrer eigenen inneren Kräfte abzuschätzen; aus ihnen haben sie vielleicht hauptsächlich den ge-

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