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Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Also schildert Benjamin die Stadt Glupsk
Date
1925-07-01
Page
Seite 161 (sequence 2)
Language
German
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MENORAH traurige Lieder singt, halb jiddisch, halb polnisch und als Kopfbedeckung ein zerknülltes Hütlein trägt. Hier steht irgend ein junger Mann mit einem Kästelchen, Juden schauen in die Öffnung hinein und er läßt sein Mundv/erk spielen in seiner gewohnten Art: ,,da seht ihr London, hier reitet der Papst in roten Hosen und alle stehen vor ihm entblößten Hauptes!" .Jetzt seht ihr, wie Napoleon und seine Franzoslein mit den Preußen kämpfen, und die Preußen machen lange Beine wie die Schaben!" „Da spielt sich folgende Szene ab. wie eine mit dem Sultan in einer Karosse fährt, der Großvezier hält die Peitsche und treibt die Pferde an. Die Pferde werden scheu, die Karosse kippt um, der arme Sultan fällt hinaus, richtet sich arg zu und sie macht sich auf und davon!" „Nun Schluß gemacht, genug geschaut für einen elenden Groschen!" Auf diesem Platze sitzen Jüdinnen der Reihe nach an Mulden, vollgcpackt mit Knoblauch, Gurken, Kirschen, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Zwergäpfeln, kleinen saueren Birnen, ,,Kol-Nidrebirnen" genannt, und arideren Dingen. Etwas abseits, auf Hühnerfüßchen, steht eine alte, eingefallene Bude, ohne Türen und Fenster, die, wie die greisen Leute erzählen, dereinst ein Schilderhaus gewesen sein soll und die ganze Stadt sei damals herbeigekommen, das große Wunder, die Schildwache, zu sehen. Neben der alten Bude, mit der sich Glupsk, wie mit einer alten Festung berühmt, unter einer Art von Dächlcin, aus faulen Brettern, welkem Stroh und Matten, auf vier krummen, gebogenen Stützen ruhend, sitzt, von allen Seiten mit Trögen umringt, D w o s s j e, die Händlerin. An ihrer Seite steht immer der große Feuertopf, auf dem sie im Winter, wie eine Glucke auf ihren Eiern, den ganzen Tag über hockt, von dem sie sich nur erhebt, um die Kohlen anzufachen und aus der Asche gebratene Kartoffel herauszuziehen. Deutsch von: J. Schleyer. Links : Am Fuhe des Smaiberges an der Stelle Fhndersschen Ausgrabungen ,nlt clem von den clinnen als Stein des Nebi Musa (Moses) heilig ehrten Felsstück Rechts : Die Inschrift auf der Felsplatte EINE MOSES-INSCHRIFT AUF DEM SINAIBERGE? Der Altertumsforscher Petrie Flinders entdeckte bei seinen jüngsten Ausgrabungen am Fuße des Sinaiberges eine große Felsplatte mit einer uralten eingegrabenen runenhaften Inschrift, die er sorgsam freilegte, aber trotz aller Bemühungen nicht entziffern konnte. Er teilte seinen Fund dem Professor Hubert Grimm aus Münster mit, der einer der hervorragendsten Kenner der hebräischen Sprache ist. Dieser Gelehrte fand nach eingehender Prüfung, daß die Inschrift beim Sinaiberge der Inschrift des im Jahre 1868 gefundenen Moabit-Steines ähnlich sei. Nach Professor Grimm soll die Inschrift in deutscher Übersetzung folgendermaßen lauten: „Ich bin der Sohn der Prinzessin Hatshcput, Hüter des am Sinai befindlichen Jehu- Heiligtumcs. — Hatsheput! Du hast dich meiner erbarmt und mich aus den Wellen des Nilus gerettet . . ." (Weiter unleserlich.) Nach diesen wenigen entzifferten Worten glaubt nun Flinders behaupten zu dürfen, daß er eine von Moses stammende Inschrift gefunden habe, die sich im Laufe der Jahrtausende wunderbarerweise gut konserviert hat. Seine Annahme stützt er darauf, daß die Inschrift von einem aus clem Nil gezogenen Mann spricht und der Schreiber sich als Hüter des Heiligtumes Jehus bezeichnet. Aber schon veröffentlicht der Archäolog Ludwig Simonides einen Artikel, in welchem er die Annahme Flinders sehr bezweifelt. Er weist darauf hin, daß Moses in der Aufschrift nicht genannt ist, daß Moses nicht der Sohn der ägyptischen Pharaotochter war, sondern bloß von ihr erzogen wurde. Drittens ist weder von einem Heiligtumc Jehus am Fuße des Sinaiberges, noch davon etwas bekannt, daß Moses der Hüter eines solchen Heiligtumes gewesen wäre. Petrie Flinders ist wohl ein ernst zu nehmender Gelehrter, der schon seit 1899 im Auftrage des Palestinc Exploration Fund Ausgrabungen leitet. Er hat auch bei Tel el Heshi in Palästina unter Trümmern das berühmte Lachis entdeckt und freigelegt. Auch seine jüngste Ausgrabung beim Sinai dürfte überraschende Erfolge bringen. Hubert Grimm ist schon weniger bekannt, doch muß man voraussetzen, daß er sich in der Entzifferung der kurzen Inschrift nicht zu sehr geirrt habe. Das Resultat der weiteren Forschung ist noch abzuwarten und bis dahin die Behauptung Flinders mit gewisser Reserviertheit aufzunehmen. Die Aufschrift, die in die Felsplatte eingegraben ist, ist unstreitig uralt, muß jedoch nicht unbedingt von Moses herrühren, sondern kann auch "von einem Manne stammen, der ebenfalls von einer Prinzessin aus dem Nil gerettet wurde, oder dies wenigstens behauptet. MOSE UND DER BERG SINAI „Und er kam zum Berge Gottes nach Chorcb" (II. Buch Mos., cap. 3, V. 1) — Mose kam allein, ohne Schafe. Sprach Rabbi Jehuda: Wenn den Magneten ein Nagel erblickt, springt er auf ihn. So auch Mose und der Berg Sinai. Als sie einander ansichtig wurden, sprang Mose auf ihn. Dies ist gemeint mit den Worten: „Und er kam zum Berge Gottes nach Choreb." Sprach Rabbi Abba: Bereitet waren beide zu einander, noch von den Tagen der Schöpfung her, und es hatte jenen Tag der Berg clem Mose entgegengezittert. Als er aber sah, wie dieser zu ihm zutrat und auf ihn sprang, blieb der Berg stehen. Das lehrt, wie sie sich aneinander freuten. Sprach Rabbi Jannai: Es wußte Mose, daß jener Berg der Gottesberg sei, denn es heißt: „Und er kam zum Berge Gottes", und so wurde uns gelehrt: Was sah Mose auf jenem Berg? Vögel, welche immerzu flogen und die Flügel ausgebreitet hatten, den Berg aber nicht betraten. Rabbi Isak sagte: Er sah die Vögel fliegen und flattern und dann zu seinen Füßen niedersinken. Da verstand er sogleich die Sache, brachte die Schafe außerhalb der Wüste und betrat allein den Borg. Ernst Müller. Sohar /um II. Buche, Bl. 2!. S. 1

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