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Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Enzian
Date
1925-07-01
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 153 RUDOLF FUCHS E n z i a n (Aus dem „Frühlingsreiter". Manuskript) Ich pflückt' mit meiner Liebsten Enzian, Glockenkerzen abgestürzten Blaus. Es loderte den steilen Hang hinan; In der Hand wankt mir ein dunkler Strauß. Wankt und steigt und blüht wie Nachtgesang, Strenger Schaft, der aus Gestein gedeiht, Langes Adernblatt, im Glockengang Säumt die Biene der Beschaulichkeit. Ich pflückt' mit meiner Liebsten Enzian, Wir stellten ihn in einen tiefen Krug. Lang war es schwarz; ein neuer Tag begann. Der einen Eimer Licht ans Fenster trug. Nun aber zuar er nicht mehr tief gestillt, Der edle Strauß, nur matt und wiesengrün. Der Spiegel selbst hält bloß ein blasses Bild Dem grauen Glanz zum Morgenkusse hin. Ich pflückt' mit meiner Liebsten Enzian. Früh, wenn das Felshorn aus dem Dunstgebiet Ins Goldne stößt, wie leicht kommts einen an, Der einen Strauß im Krug verblassen sieht, Daß er bald scheiden muß; er liegt wie tot. Allein zvie in des Menschen Wange Rot, Steigt Blau empor den dichten Glockenschaft, Als galt es neues Leben, neue Kraft. J. J. ISAÄCSON JOHANNES DER TÄUFER in Öl 1919 RUDOLF FUCHS König AJtasver Der König schweigt, sein Goldthron ruht im Gras, die Sommerresidenz ist luftig kühl. Er starrt vor sich, der Quell klingt wie aus Glas, die Wolke schwimmt nach unbekanntem Ziel. Er pflegt mit seinem Himmel hohen Rat, denn alles müßte sein, wie 's alles braucht, und ein Gesetz muß zuachsen wie ein Blatt, im Sturm bewegt, im Frieden hingehaucht. Wer ungerufen vor den König kam, des Leben ist verzuirkt. Es sei, der Chan senkt' seinen Szepter, neigt' das Diadem. Wer s übel trägt, sann nie an Gottes Brust. Da geht das Tor. Und Esther naht heran — Sein Herz wallt auf, sein Szepter gleißt vor Lust. Autobiographische Skizze VON RUDOLF FUCHS. Wenn ich mich tief, tief in meine Erinnerung zurückversenke, sehe ich mich in der kleinen Stadt an der Elbe, ein Kind, von meinen Eltern wie ein Augapfel behütet. Aber was immer ich sage, und wenn ich es auch ihnen zuliebe erzählen würde, es wäre, selbst wenn sie noch lebten, nicht ihre Wahrheit. In der kleinen Stadt galt mein Vater als wohlhabend. Er war, als ich zur Welt kam, bereits bejahrt. Mich nannte er seinen Benjamin. Sein Wesen ward mir erst später klar, lange nach seinem Tode. Ich fühle, wie ich immer mehr sein Sohn werde. Damals hing ich weit mehr an meiner Mutter. Sie hatte außer mir kein Kind. In Podebrad, so hieß die kleine Stadt, lebte damals eine verhältnismäßig große Judengemeinde. Die Juden schickten ihre Kinder in die jüdische Schule. Es gab zwei Klassenräume; Mädchen und Buben saßen beisammen. In dem einen Raum unterrichtete der Vorbeter, der zugleich auch Schächter war, in den Fächern der ersten zwei Volksschulklassen, in dem anderen gab der Rabbiner den weiteren Unterricht. Die Kinder kamen auch aus den umliegenden Dörfern zur Schule. Ihre Muttersprache war ohne Ausnahme tschechisch. In früheren Zeiten mag die Schule, die öffentlichkeitsrecht besaß, eine günstige Gelegenheit zur Erlernung der deutschen Sprache geboten haben, zu meiner Zeit war sie bereits in Verfall begriffen. Die Vorbeter wechselten häufig die Stelle, die Schüler blieben mit ihren Kenntnissen auf demselben Fleck. An diese Schule erinnere ich

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