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Menorah · 1925-07-01 · Heft 7 (Juli 1925) · p. Seite 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 7 (Juli 1925)
Article
Das Kraftwerk am Toten Meer
Date
1925-07-01
Page
Seite 151 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 151 Das Kraftwerk am Toten Meer Aus „Altneuland" Roman von THEODOR HERZL Aber Kingscourt wollte vor dem Hotel nicht absteigen. Er wünschte gleich nach dem Toten Meer-Kanal weiterzufahren. Zum Glück war Fritzchen schon eingeschlummert, sonst hätte „Otto" wohl keine solchen Sonderideen haben dürfen. Die Damen blieben also mit dem Kinde im Hotel zurück, und nur die Herren fuhren die kurze Strecke talwärts. Vor ihnen dehnte sich der tiefblaue Spiegel des Toten Meeres. Ein donnerndes Brausen wurde vernehmbar, die Wasser des Kanals, die durch Tunnels vom Mittelländischen Meere hiehergeführt, in die Tiefe stürzten. David erklärte mit kurzen Worten die Anlage des Werkes. Das Tote Meer war bekanntlich der tiefste Punkt der Erdoberfläche, sein Spiegel lag 394 Meter unter dem Niveau des Mittelmeeres. Es war der einfachste Gedanke von der Welt, diesen gewaltigen Niveauunterschied zu einer Kraftquelle zu machen. Der Gefällverlust im Laufe des Kanals von der Küste bis ans Tote Meer betrug nur einige achtzig Meter. Es blieben also noch über dreihundert Meter Fallhöhe. Bei einer Breite von zehn und einer Tiefe von drei Metern lieferte der Kanal etwa fünfzigtausend Pferdekräfte. Kingscourt wollte sich um keinen Preis verblüffen lassen. Er sagte: „Die Kraftstation der Niagara Falls Hydraulic Power Company erzeugte schon zu meiner Zeit vierzigtausend Pferdekräfte." David entgegnete: „Mit dem Niagarafalle und den Millionen Pferdekräften die ei liefert, dürfen wir natürlich die Anlage des Toten Meer-Kanals nicht vergleichen, obwohl der Niagarafall nur fünfzig Meter hoch ist. Dort gibt es eben ungeheure Wassermengen. Aber ich denke, es ist ganz hübsch, daß wir in den verschiedenen Kraftstationen im Jordangebiet und am Toten Meer insgesamt eine halbe Million Pferdekräfte erzeugen." „Sie haben eigentlich reclit, hochgeschätzter Wasserkünstler," gestand der Alte; „es ist wirklich ganz hübsch. Aber eins verstehe ich nicht. Jetzt strömt um so viel mehr Wasser in das tote Becken, das keinen Abfluß hat. Ist denn eine andere Verdunstung da als früher?" „Die Frage ist nicht unintelligent," bemerkte hierauf Steineck. „Sie müssen aber wissen, meine Herren, daß wir dem Toten Meer auch ebensoviel Wasser entziehen, als wir ihm zuführen. Das Süßwasser nämlich entwenden wir ihm in entsprechendem Maße. Wir pumpen es in Reservoirs hinauf und benutzen es dann zur Bewässerung des Bodens dort, wo es ebenso nötig, wie hier überflüssig ist. Sie verstehen?" „Freilich versteh' ich", schrie Kingscourt, und diesmal war sein Poltern nicht so ungerechtfertigt wie sonst, denn der Donner des Wassersturzes war schon in der Nähe. „Verdammt schlaue Jungens seid ihr, das muß euch der Neid lassen." Und da waren sie vor der Kraftstation angelangt. Sie hatten auf dem Fahrwege von Jericho her keinen vollen Ausblick auf das Becken des Toten Meeres gehabt. Jetzt lag es weit und blau vor ihnen, wie der Genfer See. An dem nördlichen Ufer, an dem sie standen, hatten sie zur Rechten ein schmal zulaufendes Stück Land vor sich. Dieses zog sich unter dem Felsen hin, von dem das Wasser des Kanals herunterdonnerte. Unten befanden sich die Turbinenhäuser und oben langgestreckte Fabrikgebäude. So weit der Blick um den See und seine Uferberge reichte, sah man großartige Fabrikanlagen. Die Kraftquelle hatte all die verschiedenartigen Industrien angezogen. Der Kanal hatte das Tote Meer zum Leben erweckt. Beim Anblicke der eisernen Röhren, in denen das Kanalwasser auf die Turbinenräder niederschlug, erinnerte sich Kingscourt der Anlagen am Niagara. Hier am Toten Meere gab es etwa zwanzig solcher mächtiger Eisenröhren, die aus dem Felsen in gleichmäßigen Abständen hervorragten. Senkrecht standen die Röhren auf den Turbinenhäusern und sahen wie Abb. 9: JUNGE SCHIRMAKAZIEN Aus Schroetter: „Das Tote Meer", Verlag Moritr. Perles, Wien phantastische Rauchfänge aus. Aber der Donner aus ihnen und der weiße Gischt des Abflusses verkündeten, was da Gewaltiges vorging. Die Reisenden traten in eines der Turbinenhäuser ein. Friedrich war von dem Ungeheuerlichen dieser Kraftentwicklung betäubt, indessen Kingscourt sich im Lärm der Industrieschlacht ordentlich wohl zu fühlen schien. Er schrie aus Leibeskräften Bemerkungen, die allerdings im Gebrause niemand verstehen konnte. Dennoch ahnte man aus seinen Mienen, daß er endlich einmal vollkommen befriedigt war. Das war aber auch etwas prachtvoll Zyklopisches, wie das Wasser auf die riesigen Bronzeschaufeln der Turbinenräder herunterkrachte und sie zu rasenden Umdrehungen trieb. Und von da an ging die wilde, die gebändigte Naturkraft in die Generatoren des elektrischen Stromes über, und sie lief in die Drähte und durcheilte das Land, das altneue Land, und machte es aufblühen, daß es ein Garten und eine Heimat wurde für Menschen, die ehemals arm, schwach, hoffnungslos, heimatlos gewesen . . . Friedrich fand endlich Worte: „Ich fühle mich wie zermalmt von dieser Größe." „Uns", entgegnete David ernst, „hat die große Kraft keineswegs zermalmt — sie hat uns erhoben." DAVID EINHORN Uralter Ahnen Schwermut.. . Uralter Ahnen Schzuermut nagt an mir, Das Leid schnitt in die Stirn mir blutige Zeichen. O Teuere, zuer zoeiß, ob mich denn Je Der Hornruf der Erlösung wird erreichen. Ich zueiß nicht, Teuere, zvas härter ist, Ob Abels Tod, ob Kains unendlich Leben; Mich aber straffe zzuiefach hart mein Gott: Er hat die Qualen beider mir gegeben. Vereinsamt stehe ich und bin verdammt. Die Sünden aller Kreatur zu tragen. — Wo ist denn, sag', zuo ist die Kraft von einst: Für Gott zu glüh'n, auch reo Schaffote ragen? (Nachdichtung aus dem Jiddischen von fsaac Schreyer)

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