Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1925)
- Article
- [Nachricht] / R. Wss.
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 M E N 0 R A H jüdischen Geistesleben erlangen, daß seine kulturellen Auswirkungen die innere Entwicklung des Volkes in den nächsten Jahrzehnten ausschlaggebend bestimmen könnten. Sollte der gute Gedanke Dr. Torczyners in absehbarer Zeit in irgendeiner Form seine Verwirklichung finden, so wird die jüdische Öffentlichkeit das Zustandekommen und die Zusammensetzung der Sendegesellschaft rechtzeitig mit besondlerer Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Denn es steht allzu viel am Spiele . . . R. W—ss. EREZ JISRAEL Der englische General Lord Herbert Charles Plumer ist zum Oberkommissar von Palästina an Stelle Sir Herbert Samuels ernannt worden. — Im Monate Mai sind 2900 Personen in Palästina eingewandert. Die Immigrationsziffer betrug im April 2500, im März 3300 Personen. — 9099 Fremde (Durchreisende, Touristen und Pilger) sind im Laufe des Monates April nach Palästina gekommen. — Die Zionistische Exekutive in Palästina verteilte neuerdings 4500 Einreisezertifikate. Die größte Anzahl entfiel auf Polen, Rumänien und Litauen; eine beträchtliche Zahl erhielten auch die sefardischen Juden in Yemen (Südarabien), Bulgarien und Saloniki. — Baron Edmund Rothschild hat nach meluwöchentlichem Aufenthalte Palästina wieder ■verlassen. — Die zwei jüdischen Mitglieder der Stadtverwaltung von Jerusalem haben ihren Rücktritt erklärt. — Die Regierungsabteilung für Landwirtschaft hat sich im Interesse der Forderung der Gemüsekultur in Palästina veranlaßt gesehen, das Einfuhrverbot für einige Gemüsearten Ägyptens aufrechtzuerhalten. — Um die Baumwollkultur zu fördern, hat die palästinensische Regierung die in Palästina geerntete Baumwolle für die Dauer von zwei Jahren von jeder Besteuerung befreit. — Der Keren Hajessod konnte in den vier Jahren seines Bestehens insgesamt 1,729.350 Pfund für Palästinaaufbauzwecke verausgaben. — Die agudistische Kolonie „Nachlath Lublin" hat in der Nähe von Sichron-Jakow 5 700 Dunam Boden gekauft, außerdem hat eine agudistische Kolonisationsgesellschaft „Nachlath Krakau" 2000 Dunam Boden bei Haifa käuflich erworben. — Die palästinensische Poale Agudas Jisroel hat auf genossenschaftlicher Grundlage eine Ziegelei gegründet. Die Fabrik ist für längere Zeit mit Aufträgen versehen. Auch die Misrachi-Organisation hat unter dem Namen „Olim Bonim" eine kooperative Baugesellschaft geschaffen, die öffentliche und private Arbeiten übernehmen wird. — Mehr als 2000 Männer und Frauen aus allen jüdischen Siedlungen des Tales Jezreel versammelten sich in den Schewuothtagen in der Siedlung En Charod und feierten das Erntefest. — In Akka wurde eine Fabrik für die Verarbeitung von Weichleder erbaut. — In Tel Awiw sind in letzter Zeit zwei Unternehmungen für Möbelherstellung, hauptsächlich von Metallbettcn, sowie ein kleineres Unternehmen für elektrotechnische Zubehöre in Betrieb gesetzt worden. — Im Laufe des März und Anfang April hat die 'Baugesellschaft ,,Solei Boneh" Bau- und Straßenarbeilen in der Höhe von 53.000 ägyptischen Pfund übernommen, darunter 10 Häuser in Tel Awiw für 15.000 ägyptischen Pfund und Wegebauten in Afulch für 20.000 ägyptische Pfund. — In Haifa hat eine Gruppe von Warschauer Juden mit der Errichtung einer Schachtelfabrik begonnen. Die modernsten Maschinen aus Deutschland wurden für diesen Betrieb eingeführt. — In Jerusalem hat man mit dem Bau des großen Hotels begonnen, das im Auftrage der Vereinigung der Hoteliers in Erez Jisroel erbaut wird. — Das neu geschaffene jüdische Nationalmuseum in Jerusalem wurde eröffnet. — In Tel Awiw fand die Grundsteinlegung des Hebräischen Theaters statt. — Am Lag b'omer wurde eine neue hebräische Knabenschule in Tel Awiw eröffnet, die von der Palästinazentrale, der Agudas Jisroel gegründet worden ist. GALUTH Die Jewish Territorial Organisation (JTO), die im Jahre 1 905 nach der Ablehnung des Ugandaprojektes durch den 7. Zionistenkongreß von Israel Zangwill gegründet wurde, hat sich nunmehr aufgelöst. — Im Mai fand in London die Jahresversammlung der Liga der britischen Juden statt. — Dem rumänischen Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Romanisierung der; jüdischen Privatschulen vorsieht. — An der 5. Jahreskonferenz der jüdischen Kooperativen in Litauen, die drei Tage in Anspruch nahm, beteiligten sich 124 Delegierte aus 94 Kreditgenossenschaften. — Das jüdische Viertel in der Stadt Mlava, in der Nähe Pommerns, brannte ab. — Das meist von Juden bewohnte Städtchen Nowobischoff, Distrikt Mohilew in Weißrußland, fiel einem Brande fast vollständig zum Opfer. Etwa 350 Familien sind obdachlos. — In den jüdischen Siedlungen des Odessaer Bezirkes herrscht eine akute Lebensmittelnot. Besonders kritisch gestaltet sich die Lage in den während der letzten drei Jahre entstandenen jüdischen Kolonien. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE Der europäische Direktor des Joint Distribution Komitees, Herr Dr. Bernhard Kahn, ist in Moskau eingetroffen. — In Czernowitz wurde eine Säuglingsfürsorge- und Mutterberatungsstelle der Gesellschaft für den Gesundheitsschutz der Juden „Ose" eröffnet. — Während des ersten Vierteljahres 1925 wiesen die „Ose"-Anstalten in Rußland 175.000 Krankenbesuche auf, etwa 25.000 Besuche mehr als in der gleichen Periode des Jahres 1924. — Anfang Mai hat unter dem Vorsitze des Herrn Ing. Alapin die Jahresversammlung der Gesellschaft „Ort" in Warschau stattgefunden. — Durch die „Ort" wurde in Lodz eine neue Lehrwerkstätte für Wäschenäherei eröffnet, ferner Lehrwerkstätten für Schlosserei und Stickerei. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Eine von 28 polnischen Jeschiwoth beschickte Konferenz beschloß unter dem Titel Waad Hajeschiwoth ein gemeinsames Komilee zur Förderung und Erhaltung dieser Anstalten zu gründen. — Ende Mai fand in New York ein Bankett der Jizchak-Elchanan-Jeschiwah statt. 1200 Personen waren anwesend und über eine Million Dollar wurden gezeichnet. — In Kowno fand eine Zusammenkunft der Rabbiner Litauens statt, bei der 30 Rabbinate vertreten waren. Gegenstand der Beratungen bildete die Organisierung der Rabbinate, Erziehungsfragen. Jeschiwoth usw. — In Köln hat eine Tagung des Allgemeinen jüdischen Lehrerverbandes von Deutschland stattgefunden. — In Lakewood wurde eine Konferenz der orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten abgehalten. Die Konvention nahm mehrere Resolutionen an, die eine Kontrolle der Sabbatruhe, die Arbeit für den Jüdischen Nationalfonds, die aktive Teilnahme an dem Wiederaufbauwerk in Palästina und d'e Stärkung des jüdischen Familienlebens betreffen. — In Atlantic City wurde die 1 3. Versammlung der Vereinigten Synagogen Amerikas abgehalten. Erschienen waren etwa 400 Delegierte, die 184 konservative Kongregationen vertraten. — In Straßburg verschied der frühere Rabbiner von Mühlhausen, Rabbi Felix Blum. — Der rl^^^^^^^ „,..,„.,:.„ Dr.ROSENTHALS SANATORIUM VILLA HELENE BADEN-BADEN fOn INNERE LEIDEN (MIT AUSNAHME ANSTECK. U.GEISTESKRANKMETT.) Rabbiner der Israelitischen Synagogengemeinde .Adass Jisroel" in Berlin, Dr. Esra Münk, beging dieser Tage das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit. — Rabbi Akiba Schreiber, ein Enkel des Chasam Sofer, ist zum Oberrabbiner der Insel Korfu gewählt worden. WISSENSCHAFT UND KUNST Prof. Nahum Slousch, der die Ausgrabungen der Jüdischen Archäologischen Gesellschaft leitet, entdeckte im Zentrum Jerusalems Reste einer alten Mauer, deren Riesenquadern denen der Klagemauer ähnlich sind. — Die Witwe des großen Physikers Heinrich Hertz hat der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem eine von Heinrich Hertz selbst geschriebene Abhandlung geschenkt. — In den amerikanischen Universitäten werden demnächst Kurse für jüdische Geschichte und Literatur beginnen. — Professor Dr. Albert Einstein ist von seiner Reise aus Brasilien nach Berlin zurückgekehrt. — Die palästinensischen wissenschaftlichen Kreise begingen die Feier des 70. Geburtstages des berühmten Palästinaforschers Professor Gustav Dalman. — Der Privatdozentin Fräulein Dr. med. Sophie Getzowa, einer Jüdin, ist von der Berner Universität ein Lehrauftrag für experimentelle pathologische Anatomie ertelt worden. — Ende Mai beging Dozent Dr. Ludwig A. Rosenthal in Berlin seinen 70. Geburtstag. Rabbiner Dr. Rosenthal ist der Verfasser des dreibändigen Werkes „Über den Zusammenhang, die Quellen und die Entstehung der Mischnah". — In London verschied Sir Isidore Spielmann, eine der anerkanntesten Autoritäten auf dem Gebiete der englischen Kunstforschung. — In Berlin ist der erfolgreiche amerikanisch-jüdische Dramatiker H. Leiwik eingetroffen. — Das Berliner Lessingtheater hat die dramatische Legende „Der Dybuk" von Sch. Ansky zur Aufführung erworben. — Im Mai wurde in den neuerworbenen Londoner Lokalitäten der Gesellschaft für jüdische Kunst „Ben Uri" eine ständige jüdische Kunstausstellung eröffnet. — Auf der Wilnaer Ausstellung für jüdisches Handwerk und Kunst Mraren sämtliche Arten des Handwerkes vertreten. J. J. ISAÄCSON Wir veröffentlichen in dieser Nummer mit Genehmigung des Verlages Klinkhardt & Biermann, Leipzig, zwei Reproduktionen aus einer Reihe von Erzväter- und Prophetenbildnissen, die den überaus kritisch arbeitenden Künstler im Vollbesitze seines Könnens zeigen. Was er gibt, sind Idealfiguren, in denen sich die Empfindungsrichtung eines ganzen Volks mit aller verzehrenden Glut des Bekennens ausspricht und wo die malerische Leistung aufsteigt in den Endzweck einer sittlich-philosophischen Läuterung. J. J. Isaäcson zählt zu den bedeutendsten Malern Hollands, ein Zeitgenosse V. van Goghs, stand er am Ausgang des 19. Jahrhunderls den symbolistischen Bestrebungen des libre esthetique nahe.*) *) Aus „Die neue Malerei in Holland" von Fricdr. Markus Hucbncr. Verlag Klinkhardt & Biermann, Leipzig. ETABLISSEMENT EDUARD SACHER WIEN.!..OPERNRING 11 - RENDEZVOUS DER VORNEHMEN WELT