Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1925-06-01 · Heft 6 (Juni 1925) · p. Seite 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 6 (Juni 1925)
Article
Die Stadt am Berge
Date
1925-06-01
Page
Seite 139 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2912821-2912840-2912847-2915758--01947-2915832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

M E N O R A H 139; nV A3- ZFATH. SÜDWEST-VIERTEL MIT REGIERUNGS GEBÄUDE GRAB R. JOCHANANS HASSAN DL AR Die frischgetünchten Gräber Aris und dreier seiner Schüler, wies er: „Sie sind hundert Jahre alt." Die verfallenen, daneben dagegen schätzte er auf 1000 Jahre. Er wies das Grab des Propheten Hosea mit einem Kuppelbau. Die Höhle, wo unter Steinplatten die Märtyrerin Esther und ihre sieben Kinder Hegen. Die Tabilah (Tauchbad) des Ari in einem Häuschen. Auch über dem Grabe R. Pinchas ben Jair, des Schwiegersohnes von R. Schimeon bar Jochaj, baute man einige Male ein Kuppelmausoleum. Es stürzte immer ein, denn im Angesichte seines Schwiegervaters, der von Meron herüberschaut, will er nicht ausgezeichnet sein. Das Z'fath der Heiligen, der Asketen, das Z'fath der Kabbalah der montäglichen und donnerstäglichen Fasten. Das auch der Sitz einer hochentwickelten Textilindustrie war, die die Grundlage des Studiums bildete („Ohne Brot, keine Thora"). Dies Z'fath ruht auf dem heiligen Ort. Das Z'fath von gestern lebt noch, nicht minder fasten — und gebetgewohnt. Wohl sind etwa 30 Bathe-Midraschim und Schulen geschlossen, denn groß war das Sterben zur Zeit des Krieges; doch ebensoviele öffnen sich tagtäglich. Sie leben in niedrigen Stuben ohne Stuhl und Tisch und Bett unter flachen Bretterdächern, die im Winter mit Kalksand gewalzt werden, damit der Regen nicht durchfließe. Nehmen den Jux (Chalukahschein) und feilschen mit Arabern, die Gerste und Häcksel, öl und Holzkohlen, Eier und Rettige auf Eseln und Kameelen bringen und europäische Gewebe einhandeln. Das Z'fath von gestern schaut verwundert, entrüstet oder auch zufrieden auf das Z'fath von heute, das Z'fath der Kranken, Erholungsbedürftigen, die hier zusammenströmen, wenn in Tel-Aviv und Haifa auch die Meerbrise keine Kühlung mehr bringt, in den Kesseln und Tälern, wo der Wein und die Orangen reifen, heiße Winde glühen und das Jordantal in gleißender, flimmernder Hitze stickt. Dann rasen die Mietautos die Serpentinen herauf und ihre Passagiere füllen alle Zimmer, die sich den Fremden öffnen. Denn im kühlen Z'fath grünen an rieselnden Wassern in Schluchten, auf Hängen die Fruchtgärten. Uralter Oliven silbergrünes Laub sproßt von knorrig-verwachsenen Stämmen. Breitschrötige Greise, umringt von einer Schar junger Enkel — schwanker Reiser auf saftvollen Wurzeln. STUHL DES MOSCHIACH Tausendkörnige Granatäpfel, gelb und rot, am Strauche zwischen welkenden Blattern. Quiekende Samen in harter, bitterer Schale bietet der „Baum des Lebens". Aprikosen und blaue Zwetschken bergen sich im hohen Weingeranke, das an den Zweigen sich emporschwingt. Fruchttäuschende Blüte hangt in breiten, tief sich wiegenden Kronen der Feigenbäume. Zwiefach geschnitzte Blätter bilden runde Wipfel der Maulbeerbäume. Dunkle Zypressensäulen und weiße Pappeln weisen himmelwärts. Luftige Minarette zwischen schützenden Kuppeln. Am Boden kriecht geschnittener Weinstock, füllt kecke Terrassen. Wildes Sumachgesträuch breitet sich dazwischen. Rauhe Kürbislianen mit gelben Kelchen bilden niedrige Lauben im Gehölze. Und stachlige Zweige lilablühender Brombeeren dichten vollends die grüne Wand. Da grüßt auf der Erde ein alter Bekannter. Herr Spitzwegerich neigt sein Köpfchen: „Kühl wie in Europa, bitte sehr!"--- Der Weih' kreist über dem Geschlüfte, stoßt mit den Fittichen fast an die hohen Felsen. Wird er ein schwarzes Zicklein greifen, das bei Ain Dschose, der Quelle unter dem Nußbaum nach der Herde blökt, nach der Herde schwarzer und brauner Ziegen mit langen Hängeohren, die klebrige Stauden und verdorrte Disteln rupfen oben auf dem Gipfelplateau. Auf einer der 1 7 Spitzen des Gebirges Kanaan, von der der Blick weit über die Tiefe und über die Höhen schweift. Gegenüber weiße Häuschen übereinander zwischen grünen Blätterdächern aufklimmend. Liebliches Z'fath sei gegrüßt! Seufzt manch einer: „Ach, krank sein, doch in Z'fath weilen." Und, wie schön ist's, im Schatten der Oliven den Fellachenfrauen nachzusehen, die mit schweren Amphoren auf dem Kopfe die Steile vom Brunnen emporsteigen. Wie unterhaltend, am arabischen Markte zwischen Kupferbecken und Satteltroddeln im Rauch der Garküchen stehen zu bleiben, dem Bäcker zuzusehen, der flache Brote in den Ofen schiebt, dem Färber, der mit blauen Händen ein Stück Webe auf dem flachen Dache spreitet. In dem Hofe weiter schreitet ein Seiler rückwärts und rollt zwischen den Fingern die Schnur. Bin schon wieder vorm Tore zwischen den Gräbern arabischer Vornehmer. Zwei Stelen über jedem, dazwischen das Rad. Also schwankt die Welt zwischen zwei Polen. Tag und Nacht, Leben und Tod. Doch heiter lacht der blaue Kinereth da unten. — — — A. E—r.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.