Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1925)
- Article
- Von der Waisenfürsorge des altjüdischen Staates
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 1)
- Language
- German
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128 M E N O R A H OSKAR NEUMANN: Z I O N Das aber ist des neuen Baues Sendung, die aufglüht in den Sternen sang des All. Das deines neuen Ragens Wegvollendung und Turm und Mauer und der heiige Wall: Daß du der Künder bist für neue Zeiten, die nicht mehr in dem Leid der Grenzen schrein. Die lächelnd ihre Segensarme breiten und neu den Weg durch Menschenheimat zveihn. Daß ein Geschlecht aufrankt an deinen Quadern mit neuer Träume ticJüdurchzvogtem Spiel. Und einem Jungen Liede in den Adern, vom Menschensein als letztem Wegeziel . . . Und eine Welt sollst du zusammenbinden, die Bruder segnend spricht in heil gern Chor. So werden alle zuieder in dir Heimat finden, die sich im Rausch zuahnzuilder Zeit verlor . . . MANE KATZ PORTRÄT M. BELOUSOFF Gotte, du, und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und der Levite, der in deinen Toren weilt, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte wohnen, an dem Ort, den der Ewige erwählen wird, seinem Namen dort eine Stätte zu geben." Zur Festfeier sollen sie, die Hilflosen und Bedürftigen, mit den zur Gottesstadt wandernden Familien nach Jerusalem hinaufgenommen werden. Auch sonst wurde bei Anlässen, die irgendwie in der Öffentlichkeit sich abspielten, der Witwen und Waisen besonders gedacht. An der Kriegsbeute scheint ihnen entsprechend ihrer sonstigen privilegierten Stellung gewohnheitsrechtlich ein vorzugsweiser Anteil gewährt worden zu sein. Wenigstens wurde in der Makkabäerzeit ein Teil der Kriegsbeute ihnen zugewiesen. Die reine Einzelfreude soll eben nur „auf dem Boden des nationalen Gesamtgefühls" gefunden werden. Nicht demütigende Almosen sollen den Witwen und Waisen gereicht werden; zu festlichen freudigen Veranstaltungen sind sie hinzuzuziehen, als Gäste, welche die Festesfreude erhöhen, deren Anwesenheit erst die wahre Festesfreude bedingt. Dieser Vorschrift fügt Maimonides die Worte hinzu: ,,Wer aber Haus und Hof vor ihnen verschließt und allein mit seinen Hausgenossen ißt und trinkt, und nicht Speise und Trank reicht den Armen und Sorgen - beladenen, der begeht kein Freudenfest, sondern ein Magenfes t." Diese Gesetzgebung erwähnt Theodorius Dassovius, der gelehrte Kenner der hebräischen Altertümer, in seiner ,,vidua hebraea" als besonders nachahmenswert. Diese Regelung der Waisenrechte und Fürsorge passen sich, wie aus den angeführten Bestimmungen erhellt, den landwirtschaftlichen Verhältnissen an, die das jüdische Gesetz im Auge hat und beziehen sich vornehmlich auf die Zeit, da die Juden als freies Volk auf eigenem Grund und Boden standen. Doch der Geist, der aus dieser ältesten jüdischen Waisenfürsorge spricht, überdauerte den jüdischen Staat und schwebte nicht nur den späteren jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen vor, sondern ist den meisten Völkern zum idealen Vorbild geworden. DER MALER MANE KATZ Der Maler Mane Katz stammt aus dem ärmlichsten Milieu des russischen Ghetto. Früh trieb ihn sein Hang zur Kunst aus der Jeschivah seines Heimatsorts, Krementschug, an die Malschule in Wilna, später an die Akademie der schönen Künste in Kiew. Seine Studien vollendete er in den Jahren knapp vor dem Kriege an der Akademie in Paris, wo er mit seinen Werken anläßlich einer russisch-französischen Ausstellung (1914) zum erstenmal vor die Öffentlichkeit trat. Während des Krieges kehrte Katz nach Rußland zurück, wo er es bald zu Ansehen brachte. Er zählte zu den ersten national-jüdischen Malern, deren Werke von den staatlichen Museen angekauft wurden. Auch ihn, wie so viele andere Intellektuelle, trieb die Sowjetherrschaft trotz einer Professur an der Akademie in Charkow in die Fremde. Seit 1923 lebt Katz in Paris. Sein Talent erscheint gefestigt und gereift. — Mit tiefer — beinahe spezifisch-jüdischer — Sensibilität, sucht er im Ausdruck die Emotion, den Seelenzustand seiner Gestalten visionär zu erfassen. Mane Katz hätte der Maler seines Volkes werden können, das wie seine Kunst das Zeichen des Schickrais trägt. Aber er wollte nicht bei der anekdotenhaften Darstellung bleiben, sondern auf den Spuren der westlichen Kultur seine Kunst der Vervollkommnung zuführen: „Persönlich haben mich die jüdischen Sujets immer angezogen," sagt er dem Besucher, „ich habe ihnen in meinem Werk einen breiten Raum eingeräumt. Ich habe diese Dinge mit allen Faeern meines Herzens miterlebt und vielleicht sind diese Werke Zeugnis für die Gefühle, die ich für mein Volk und seine Geschichte hege. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß es für den frei schaffenden Künstler ein verhängnisvoller Irrtum wäre, sich in dieser Richtung festzulegen und an den weltumfassenden Charakter der Kunst zu vergessen." Der Romantiker Mane Katz verdankt dem Kontakt mit der französischen Malerei ein gut Teil seiner Entwicklung. Dort in Paris erwarb er sich sein Können, einen wohlkultivierten Geschmack, ohne daß er dabei, wie so viele vor ihm, seiner Persönlichkeit sich entäußerte oder seines Judentumes vergaß. N. H.