Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1925-05-01 · Heft 5 (Mai 1925) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 5 (Mai 1925)
Article
Eine neue Ausgabe von Mischna, Midrasch usw [Rezension]
Date
1925-05-01
Page
Seite 116 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912840-2912846-2915597--01848-2915685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

116 M E N O R A H ^^^^^^^^S^^^^f EINE NEUE AUSGABE VON MISCH- NA, MIDRASCH usw. Der künstlerische Niedergang, der in den Erzeugnissen des europäischen Druckgewerbes in der unmittelbaren Vergangenheit zutage tritt, äußert sich auch beim jüdischen Buch. Er wird hier nur dadurch ein wenig gemildert, daß das Seitenbild der „rabbinischen" Werke mehr oder weniger festgelegt ist. Aber im Schnitt der Buchstaben, in den Verhältnissen usw., sind vielerlei Möglichkeiten zu unbefriedigenden Leistungen. Die Welle der modernen europäischen Buchkunst ist ins eigentliche jüdische Gebiet (ich spreche hier nicht von der modernen jiddischen und hebräischen Literatur) noch nicht vorgedrungen, obzwar gerade hier die Anknüpfung an die Tradition die fruchtbarste Arbeit zeitigen muß. Einen vorbereitenden Schritt sehen wir in den Ausgaben des Verlages „Choreb". Sein erstes Werk, die gesamte M i s c h n a, in einem kleinen, handlichen Bande, eine im Format verkleinerte Neuausgabe eines älteren Druckes, zeigt uns die gereifte typographische Kunst der Vergangenheit; auch der neue Anteil — gute Lösung des Einbandes, klarer Druck, gutes Dünndruckpapier usw. — ist durchaus befriedigend. Dieser Band soll der erste einer alle Hauptwerke der jüdischen Literatur umfassenden Reihe sein, von der vorläufig zwei weitere Werke, der M idrasch Rabba und der M i d r a s c h Tauchuma erschienen sind. — Hoffentlich gelingt es, das jüdische Buchgewerbe wieder auf die frühere künstlerische Höhe zu bringen. Allerdings sind dazu Vorbedingungen von nöten, die außerhalb der rein ästhetischen Sphäre fallen. S. B. DAS HELDENEPOS DES ALTEN BUNDES aufgespürt und in deutschen Worten von Friedrich Wolf. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Berlin und Leipzig, 1925. „Aufgespürt. . ." Und „Die Spur, Nachweis und Deutung" heißt der erste Teil des Buches, das mit den Worten beginnt: „Ein mächtiger Urwald ist die Bibel." In einem Urwald sich zurecht zu finden, ist ja auch wirklich nicht leicht. Dem Verfasser hat's die Bibelkritik angetan. Sein Glaube an sie ist kindlich, rührend. Oder richtiger, der Glaube an ihr Prinzip. Denn er hat seine eigenen Wege, hat selbst was „gefunden". „Die Bibel birgt ein großes, zertrümmertes und verschüttetes Heldenepos", „die Saga, die Edda des alten Bundes", verkündet er, zeigt die Fundstellen auf und läßt sie dann in seiner Übersetzung folgen. Wir lesen von den Göttersöhnen, die sich mit den Töchtern der Menschen vereinigen und mit ihnen die Riesen und Recken erzeugen; von der Sintflut als dem Kampf Gottes gegen das Riesengeschlecht; von dem Zeichen des Bundes, das Gott in die Wolke setzt; von den Enaksöhnen des Kundschafterberichtes; von den Taten der Recken und Helden, als da sind: Simson — dem übrigens, seiner Mutter zur Unehre, freigebig ein Engel als Vater verliehen wird — Josua, Debora, Jephta und Gideon, an den der erste „Ruf nach dem König" gerichtet war; von Abimelech, dem Tyrannen, von Jothams Hohn auf das Königtum; von Samuel, dem Königssalber wider Willen; von dem entscheidenden „Ruf nach dem König"; von den Erlebnissen, Heldentaten und dem tragischen Ende König Sauls und endlich von David, dem Erheiterer Sauls, dem Freunde Jonathans, dem Überwinder Goliaths, dem von Saul Verfolgten und vor ihm Flüchtigen, dem Edelmütigen, der Sauls schont, da er in seine Hände gegeben ist, dem Sänger des Klageliedes um Saul und Jonathan. Und dann lesen wir wieder im ersten Teil: „Mit Sauls und Jonathans Tod auf dem Berge Gilboa ist für uns das Heldenepos des alten Bundes beschlossen. Wie ein fester Schlußakkord, wie ein letzter Griff über alle Saiten, so steht das >Bogenlied<, diese Totenklage Davids, an seinem Ende ... die Sage ist aus, die Geschichte beginnt." Aber warum gerade Sage und Geschichte? Als ob die Unterscheidung in eine Zeit urwüchsigen und ursprünglichen, rauhen und leidenschaftlichen Volkstums und eine Zeit befestigterer Staatlichkeit und beruhigterer Gesittung nicht denselben Dienst täte? Und als ob man erst „aufspüren" müßte, was seit jeher ganz greifbar ist: Der heroische Charakter der Richterzeit? Denn um diese geht es doch hauptsächlich: Saul und der vorkönigliche David stellen ja nichts anderes als ihren Abschluß dar, und der Regenbogen, die gefallenen Engel und die Enaksöhnc zu bemühen, lohnt sich gegenüber dem durchaus einheitlichen und geschlossenen Bilde dieser Zeit wirklich nicht. Im übrigen fällt, wenn man sich das Buch ordentlich zu Gemüte führt, das Bibeldurchspüren ganz von ihm ab. Wesentlich bleibt, daß sich da ein Dichter an einen Stoff gewagt hat, den ihm sein heißes Bekennerlum empfahl, und daß man ihm ob der Art, wie er seine Aufgabe löst, seine bibelkritisch-unkritischen Belehrungen gerne verzeiht. So wie er die kennzeichnendsten Episoden und Geschehnisse, insbesondere der Richterzeit auserwählte und aneinanderreihte, ist wirklich ein Epos für sich daraus geworden, das sich sehen lassen kann. Die Sprache unterstreicht den epischen Charakter und wahrt den Bibelton — doch nicht ohne ihn durch eine Stimmung aus der Fremde merkwürdig zu modulieren. Diese Stimmung aus der Fremde aber? Ergebnis einer Bewunderung altiüdischer Helden, die mit an altgermanische Helden gewohnten Augen gesehen sind. Woran nichts Bedenkliches ist. Denn zunächst ist eine gewisse Ähnlichkeit alles früh zeitlichen Heldentums wirklich nicht bestreitbar. Und dann: Wie erquickend, einmal jemandem zu begegnen, den die „Edda" nicht verpflichtet, die jüdische Bibel zu lästern! Und schließlich: Die Gedanken des Dichters scheinen auch bei dem „geschichtlichen" Israel besinnlich und wohlwollend zu verweilen. Darauf deuten die Worte, die er gegen Schluß des ..Nachweis- und Deutungs"-Teiles ausspricht: ..Die großen Propheten übernehmen jetzt die Führung der Herzen und des Volkes. Die Tage des Schwertes und des äußern Glanzes sind dahin, aber während der babylonischen Gefangenschaft blüht aus den Herzen ein neues Schicksal. Aus dem Recken- und Kriegsvolk ist ein Gottes- und Wandervolk geworden." N. Bm. SICH RON JACOB. Chelek rischon. Erster Teil. Umfaßt zwei Epochen des jüdischen Lebens: 5520 bis 5600 (1760 bis 1840) und 5600 bis 5620 (1840 bis 1860). Von Rabbi Jakob L i p s c h i l z. Herausgegeben von seinem Sohne Notel L i p s c h i t z*). Es gibt nichts Einseitigeres als die landläufige jüdische Geschichtsschreibung. Ganz in den Händen von Männern, die sich von der Überlieferung mehr oder weniger weit entfernten, hat sie für alles, was das überlieferte Judentum, namentlich in den letzten zwei Jahrhunderten, betrifft, eine ebenso karge als unzutreffende Darstellung. Während sie sonst ihr willkommene Zwerge und Lappalien zu Riesen und Wichtigkeiten aufbauscht, unterschlägt sie Heroen und Taten echt jüdischen Geistes oder Herzens oder bleicht sie wenigstens nach Möglichkeit. Mit *) Zu beziehen durch diesen, Kowno-Sloboda'(Litauen), Jurburgo jj-ve 83. um so größerer Genugtuung muß ein Werk begrüßt weiden, das diesen bewußten und unbewußten Entstellungen der Wahrheit eine Geschichte der Tatsachen gegenüberstellt, wie sie wirklich waren, und namentlich die ungeheuerlichen Angriffe, Verfolgungen und Verleumdungen aufzeigt, denen die der Überlieferung treu gebliebenen Juden überall, ganz besonders aber in Rußland und Polen, seitens der mit dem ..aufgeklärten Absolutismus" der seinerzeitigen Zaren — es waren ja Brüder im Geiste — verbündeten „Haskala" ausgesetzt waren. Besonders verdienstlich ist der Hinweis auf den Unterschied zwischen diesem unfruchtbaren und daher für das Judentum verhängnisvollen Krieg, mit dem die „Haskala" die altgläubigen Juden überzog, und dem fruchtbaren Kampf zwischen dem Chassidismus und seinen rabbinischen Gegnern. Lehrreich sind die Berichte über diesen letzterwähnten Kampf und fein die Charakteristiken der beiden Lager. Man darf dem noch nicht erschienenen zweiten und dritten Teil des Werkes mit um so größerer Spannung entgegensehen, als sie den Zeitraum behandeln, in dem der Verfasser selbst in hervorragendem Maße mittätig auf der Bühne des Geschehens stand. Das Buch ist in einem klaren, einfachen und schönen Hebräisch geschrieben. N. Bm. CHAIM BLOCH: KABBALISTISCHE SAGEN. Im Verlag der Asia Major, Leipzig 1925. Bloch hat uns ein neues Büchlein beschert, welches sich mit der Sagenwelt der rabbinischen Zeit beschäftigt. Den modernen Juden muten allerdings diese Sagen etwas märchenhaft an und es gehört schon die Gläubigkeit des Chassid dazu, um jeden Buchstaben für wahr zu nehmen. Wenn wir aber Ch. Bloch richtig verstehen, £o will er dieses Buch ja garnicht für Fromme geschrieben haben, für deren Glaubensinhalt es viel zu dürftig gewesen wäre, sondern für „Ungläubige". In kurzen, beinahe skizzenhaft angelegten Abschnitten rollt das Leben Rabbi Jizchak Lurja ha Levi Aschkenasi, im Volke auch A R J genannt, vor unseren Augen ab. Die einfache, an die Bibel erinnernde Sprache mit ihren Gleichnissen und Bildern macht das Buch auch für an der Kabbala Uninteressierte lesenswert und schafft jene Atmosphäre, wie sie der Weise und sein Land braucht, um würdig vor dem Leser des 20. Jahrhunderts erstehen zu können. St. HEINRICH TEWELES: GOETHE UND DIE JUDEN. Verlag W. Gente, Hamburg 1925. Vor uns liegt ein hübsch ausgestattetes schmales Buch von Heinrich Teweles und nennt sich: „Goethe und die Juden". In 14 nur lose zusammenhängenden Kapiteln führt uns der Verfasser in die Gedankenwelt Goethes, Abteilung Judaica, ein. Aus den Werken und Briefen des deutschen Altmeisters zaubert Teweles das 18. Jahrhundert herauf. Vor unseren Augen ersteht das alte Frankfurt mit seinem schmalen Judengäßchen und in Goethes Umgebung entdecken wir viele bekannte jüdische Namen. Der Verfasser hat das Material, das ihm zur Verfügung stand, vorzüglich gesichtet und uns in knapper, aber ausführlicher Weise Goethes Verhältnis zur Judenfrage seiner Zeit gezeigt. Teweles betont in der Vorrede, daß seine Schrift keine Streitschrift sei, sondern eine Huldigung für Goethe bedeute. Als solche wollen wir sie auch betrachten und ihr keinerlei polemische Bedeutung zuerkennen. St.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.