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Menorah · 1925-05-01 · Heft 5 (Mai 1925) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 5 (Mai 1925)
Article
Georg Brandes und Ferdinand Lassalle
Date
1925-05-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 MENORAH GEORG BRANDES Einfühlung schöpferisch geworden, das Bild des gewaltigen Feuergeistes Lassalle neu erschafft. Schaffender Künstler, Schöpfer, das ist Brandes als literarischer Gestalter so durchaus, wie sonst vielleicht nur noch Carlyle. Das Fludium von Lassalles genialer, glühender Persönlichkeit scheint ganz in seinen wahlverwandten Bildner übergeströmt zu sein, der wie er ein Denker und zugleich ein Kämpfer ist auf dem ,,Schlachtfelde des Geistes". Und so ist es von höchstem Reize, zu beobachten, wie auch die Diktion des geistreichen und scharfen Kritikers Brandes sich an dem heißen Atem des Darzustellenden entzündet. Ein atemberaubendes, feuriges Tempo liegt in der Biographie Lassalles, ein dunkelglüheildes Pathos in der Charakteristik des Helden", wie man Lassalle zu nennen versucht ist, dessen Lebensbahn kometengleich über den blassen, blitzdurchzuckten Himmel des 19. Jahrhunderts emporschoß, diesen und sich selbst grell beleuchtend, um dann jah in die Tiefe zu stürzen. Aber, gleich dem Kometen, hinterläßt er einen glühenden Widerschein, eine feurige Spur, lange noch sichtbar, wenn er selbst verschwunden. Romantisch, abenteuerlich war das Leben Lassalles; aber von klarer, klassischer Übersicht und Durchdringung ist das literarische Werk, das er hinterließ. An der größten Schule knapper Klarheit und prägnantester Schärfe — dem römischen Rechte — herangebildet, schmiedet, hämmert und feilt er vollendete Formen für durchsichtig klare Gedanken und Konklusionen. Und dennoch fühlt Brandes zwischen den Zeilen dieser „durchaus modernen, streng sachlichen und streng logischen Beredsamkeit" eine verborgene Feuerschrift, die dann und wann auflodert. Fühlt sie mit um so sichererem Instinkte, als er es selbst versteht, das Feuer einer heißen südlichen Seele zwischen den kalten Quadern nordischer Prosa einzumauern. Nur dann und wann bricht auch bei ihm das Feuer hervor, entzündet es sich an seinem Gegenstande. Vom Bilde des Glühenden, Feurigen sind denn auch die Namen entlehnt, die er seinem Helden verleiht: Lichtbringer, Flammenbringer, nennt er ihn, den fackeltragenden, trotzigen Luzifer, oder den Lichtgott Phoebus Apoll, der Bogen und Leier in sich vereinigt. Nicht willkürlich gewählt sind diese Epitheta: sie entstammen der Symbolik des ephesischen weisen Herakleitos, der das Feuer als großes Weltprinzip verehrte. Der Enträtselung dieses uralten, geheimnisvollen und glühenden Denkers hatte Lassalle zwischen Kämpfen für Recht und Freiheit Jahre strengen Forschens gewidmet: Über Jahrtausende hinweg fühlte er sich dem hymnischen Denker Kleinasiens wahlverwandt, ergoß sein morgenländisch-heißes Fühlen in die Form streng sachlicher, philologischer Gelehrsamkeit, wie die Zucht einer preußischen Hochschule es verlangte. Und doch, ein eigenes Pathos vibriert darin, eine verhaltene Dynamik und Spannung liegt in den blendenden Antithesen, die manchmal den ganzen logischen Bau zu zersprengen droht. Explosivstoff ist in seinen Worten. Noch ist er gebändigt, noch tragt der geduldige Quaderbau den geordneten Zug der Gedanken. Doch man fühlt: einmal kommt ein Ausbruch. In revoltierender Entladung lodert dann das gebändigte Feuer empor, das mühsam verhaltene Promethidenerbteil des Ostens bricht sich Bahn. Schrecklich und schön wird die Entladung sein. Denn es ist das Wesen des Feuers, sagt Heraklit, lodernd sich selbst zu verzehren. Und doch strebt es danach, denn es ist seine Bestimmung. Es flammt auf, leuchtet weithin — und erlischt. Aber Licht und Wärme strömen rings von ihm aus. HERMANN BLUMENTHAL / GILGUL Ein Roman aus dieser und jener Welt Nachdruck verboten Copyright by Interterritorialer Verlag „Renaissance*1, Wien (II. Fortsetzung und Schluß) "Wir liefern allen Abonnenten die soeben erschienene Buchausgabe des Romanes „Gilgul" broschiert sunt Vorzugspreise von Mark V— gegen Voreinsendung des Betrages. „Die Kupferlampe", rief Elieser und zeigte mit der Hand zur Decke, wo eine kleine Kupferampel hing. Langsam stiegen die Männer die Treppe zum ersten Stock hinauf und Elieser deutete auf die erste Tür, die der Gemeindediener aufschloß. „Der schwarze Saal", murmelte Elieser. Die Tür ging auf und sie betraten einen Saal, dessen Wände mit schwarzem Ebenholz bekleidet waren. Schwarz waren auch die Möbel und Vorhänge. Schrittweise bewegte sich Elieser vorwärts und streichelnd berührte er die Gegenstände. Er trat ans Fenster, schob den schwarzen Seidenvorhang beiseite und warf einen Blick auf die Gasse, dann nahm er wieder seinen Rundgang durch das Zimmer auf. Schweigend blieben die drei Männer bei der Tür stehen. Elieser schien sie nicht zu bemerken, er ließ sich in einen Fauteuil fallen und saß lange still und in sich versunken. Ihm schien, als sei er nach langer Zeit heimgekehrt, und er suchte sich an die Erlebnisse der großen Reise zu erinnern. Kein Bild blieb aber in seiner Erinnerung haften und wie in einem Guckkasten huschten Erlebnisse an seinem Geist vorüber, ohne zu verweilen. Er fühlte sich müde und wollte ruhen, doch zuerst wollte er sehen, ob im Haus alles in Ordnung war. Er erhob sich und schritt langsam dem Ausgang zu und der Gemeindediener beeilte sich, die zweite Tür aufzusperren. Sie betraten ein prächtig eingerichtetes Zimmer. Die Wände waren mit vergoldeten Tapeten verziert. Alte Ölgemälde, Waffen und Rüstungen hingen da, und Marmorbüsten standen auf den Schränken. Die künstlich geschnitzten Möbel waren von weinroter Farbe, und alles sah hier so aus, wie Elieser es sich ausgemalt hatte. Langsam ging er von einem Gegenstand zum anderen, und streichelte die Möbel, als wären sie lebende Wesen. Dann drückte er auf einen Knopf, den die Männer nicht bemerkt hatten, und ein Wandschrank tat sich auf. Elieser zog einen Beutel mit alten

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