Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1925)
- Article
- Lieder im Volkston
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 105 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH 105 AUS UNSERER HEBRÄISCHEN ANTHOLOGIE CK N. BIALIK: Lieder im 1 k s t o n Rauscht ein Quell im Garten sacht. Über ihm ein Eimer wacht; Sabbath kommt mein Buhl gegangen, Tat nach meinem Kruge langen. Liegt die ganze Welt im Traum, Schlafen Bim- und Apfelbaum: Mutter liegt schon längst im Schlummer: Ich nur wache und mein Kummer. — Auch der Eimer wacht mit mir, Träufelt Gold nur für und für; — Und die Tropfen fallen, fallen: Hör, des Liebsten Schritte hallen . . . Still, es rauscht ein Baum im Hag. — Kommt er? Ist's nur Flügelschlag? . . . Komm, Geliebter, tritt nur näher, Da im Hof sind keine Späher . . . Setzen uns am Brunnenrand, Kopf an Schulter, Hand in Hand; Und nun deute mir zur Stelle: Warum eilt der Krug zur Quelle? . . . Und warum denn, sag\ o sag\ Weint der Eimer, schluchzt so zag? Sickernd, rinnend raunt die Klage, Ohne Auf hör Tag' um Tage. — Und woher denn kam*der Schmerz, Wie ein Würmchen mir ins Herz? — Weh, will Mutter denn nur spassen, Daß du treulos mich verlassen? . . . Spricht mein Liebster hell und lacht: Feinde haben s ausgedacht/ Wird ein kurzcs I°hr vergehen Und ein Baldachin wird stehen . . . Streuen wird ein Sommer hold Uns zu Häupten Glitzergold, Grüßen wird auf allen Wegen Uns der Bäume Früchtesegen. Bruder, Freund: je zwei und zwei, Jeder bringt ein Licht herbei, — Und Musik von allen Seiten Wird zur Trauung uns geleiten. Hier beim Brunnen mitten drin Stehen wird der Baldachin, Hier wirst du als Liebeszeichen Mir den kleinen Finger reichen. — Und voll Freude spreche ich: „Bleib mir heilig ewiglich/" — Alle Feinde Werdens sehen Und vor lauter Neid vergehen. Nicht bei Tag und nicht zur Nacht Schleich ich mich von dannen sacht; Nicht am Berg und nicht im Tal — Steht eine Tanne allzumal. Und die Tanne kann uns deuten, So das Morgen wie das Heule. — Und die Tanne frage ich: Tanne, wer freit einst um mich? Wird aus Litaun oder Polen Kommen er? Sag\ unverhohlen. — Kommt er mit dem Wanderslabe Oder gar mit Roßgelrabe? Was wird er als Mitgift bringen, Perlenschnüre, goldne Ringe? Ist er schön und Wohlgestalt, Jung oder ein Witwer alt? Wenn er alt, o Tanne mein. Dann —- dann will ich ihn nicht frei'n. — Eher, Vater, mocht ich sterben, — Als daß ein Aller um mich Werbe! Will flehend meine Hände fallen. Nur keinen Alien, keinen Alten! (Nachdichtung aus dem Hebräischen von Isaac Schrever.) FRITZ GROSS Besitz. Frau Dr. Neumaiui VOR DEM STURM