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Menorah · 1925-04-01 · Heft 4 (April 1925) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 4 (April 1925)
Article
Die Mearath Hamachpelah in Hebron
Date
1925-04-01
Page
Seite 91 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 91 Die JVlearath Harn achtel alt in Hebron Hebron, eine der ältesten Städte Palästinas, deren Alter schon der judisch-römische Historiker Josephus Flavius auf 2300 berechnete, die Stadt, in der unsere Erzväter Abraham und Isaak ihr ständiges Heim hatten, wo König David bis zur Eroberung Jerusalems residierte, die Stadt, die in den letzten Jahrhunderten vergessen und vernachlässigt erschien, ist nun heuer wieder in den Mittelpunkt des palästinensischen Interesses gerückt worden und dürfte in der nächsten .Zeit mehr als sonst von sich reden machen. Zunächst wurde Hebron zum Sitze der berühmten Slobodkaer Jekaer Jeschivah ausersehen, welche diese Stadt zum Mittelpunkt des talmudischen wissenschaftlichen Lebens in Erez Jisrael machen wird; anderseits wird Hebron in diesem Jahre der Schauplatz einer seltenen, pomphaften arabischen Feierlichkeit sein: die feierliche Niederlegung der renovierten alten Decken auf die Gräber der Erzväter in der Doppelhöhle (Mearath Hamachpelah). Dieser letztere Anlaß ist geeignet das Interesse der Judenheit wieder einmal intensiver auf die uralte festungsartige Grabesmoschee zu lenken, die sich über jene Doppelhöhle wölbt, welche Abraham von dem Hettiter Ephron „zum ewigen Besitztum" käuflich erworben hat. Der Haram ist jener von der hohen herodianischen Mauer umgebene Raum, in welchem sich die Machpelah, die Moschee darüber und die Wohnungen der Derwische, Ulemas und der bewaffneten Wächter befinden. Auf der östlichen, zum Haram-Hof führenden Treppe dürfen die Juden sieben Stufen emporsteigen, um hier zu beten. In ein tiefes Loch der Mauer, das bis in die Grabeshöhle reichen soll, werfen GRABSTÄTTE ABRAHAMS UND SARAS viele gläubige Leute ihre schriftlichen Bitten an die Erzväter und Erzmütter. Die Moschee war ursprünglich eine Kreuzfahrer-Kirche und wurde von den Arabern unter Salah el Din restauriert. Auf dem Boden der Moschee gibt es zwei Eingänge in die Machpelah-Höhle. Durch einen Schacht wird täglich eine brennende Lampe in die Höhle hinabgelassen. Im Allerheiligsten der Moschee gibt es zwei Kenotaphe (arabisch: Türbc) nach der Art der riesigen Grabüberbauten moslemitischer Heiliger, die genau über den Gräbern Isaaks und Rebekkas stehen sollen. Die Kenotaphe über den Gräbern Abrahams und Saras befinden sich in einer besonderen Abteilung der Hauptmoschee, während die Kenotaphe der Gräber Jakobs und Leas in einer besonderen, kleineren Moschee stehen. Diese Kenotaphe sind mit kostbaren grünseidenen, mit roten und blauen Streifen und Zacken geschmückten Decken bedeckt, die in einem Felde die Namen des unter diesem Türbe ruhenden Paares, Koransprüche und Arabesken in kunstvoller Gold- und Silberstickerei tragen. Es sind dies Meisterwerke altarabischen Kunstgewerbes. Im Laufe der Zeiten sind die Omar- Moschee und andere sehenswerte alten Moscheen Palästinas und Ägyptens auch den Nichtmohammcdanern unter gewissen Bedingungen zugänglich geworden, die Grabesmoschee in Hebron darf noch heute von einem „Ungläubigen" nicht betreten werden. Dr. August Frankl erzählt in seiner Reisebeschreibung die im Volke verbreitete Geschichte, daß der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm im Jahre 1869 nach Flebron kam und einen Ferman des Sultans aus Konstantinopel brachte, der ihm den Eintritt in die Moschee gestattete. Der Pascha von Jerusalem übergab dem Scheik der Machpelah-Moschee den Ferman des Kalifen. Der Scheik las das Handschreiben seines obersten Vorgesetzten durch und sagte: „Sage dem Prinzen aus dem Abendlande, in dem Ferman steht, daß ich ihn in die Moschee und in die Grabeshöhle hineinlassen möge. Ich muß gehorchen. Es steht aber nicht im Ferman, daß ich ihn auch wieder hinauslassen muß." Der Kronprinz ging nicht in die Moschee . . . Ein reicher Sagenkranz hat sich im Laufe der Jahrlausende um die Doppelhöhle und die darin befindlichen Gräber gewoben. Im Mittelpunkt der neueren Legenden steht der grausame Scheik von Hebion Abd-er-Rahman, ein geldgieriger und blutdürstiger Bedrücker der Juden und Altchristen. Die Decken, welche die Kenotaphe schmücken, werden, wenn sie im Laufe vieler Jahrzehnte schadhaft werden, von besonderen Kunslstickern in Damaskus ausgebessert und unter großen Feierlichkeiten wieder auf die Gräber gebreitet. Diesmal wird schon in besonderen Räumen des Haram seit zwei Jahren an der Ausbesserung der Decken gearbeitet. Die Kunststicker aus Damaskus und Indien, die dabei beschäftigt sind, dürfen während dieser Zeit den Hof des Haram nicht verlassen und sind strengen Andachtsübungen unterworfen. Diesmal soll sich die Feier der Wiecler- ÄUSSERES UND OSTTOR DER GRABMOSCHEE IN HEBRON bedeckung der Gräber zu einer großen moslemitisch-arabischen Kundgebung gestalten. Wem es gelungen ist, die Kenotaphe im Innern der Grabesmoschec zu photographieren, ist nicht bekannt. Wenn man bedenkt, daß selbst an minderheiligen Orten der Mohammedaner das Photographicren verboten ist, muß die Aufnahme an diesem Orte als ein großes Wagnis und ein überaus glücklicher Zufall betrachtet werden. Die kleinen Negative dieser Photos, die wir reproduzieren, stammen von Dschemal Pascha, der bekanntlich während des Weltkrieges Militärkommandant Palästinas und selbst von den Arabern gefürchtet war. GRABSTÄTTE ISAAKS UND RIWKAHS

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