Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 4 (April 1925)
- Article
- Zur Eröffnung der Universität in Jerusalem
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH Illvxtrierte Monatjxct FVrDie Jvdis-che Familie _WTJEM^ FRANKFVRT A M._ III. JAHRGANG_APRIL 1925_NR. 4 Zur Eröffnung der Universität in Jerusalem Von Hofrat Professor Dr. S. FRANKFURTER, Direktor a. D. der Wiener Universitäts-Bibliothek Der 1. Apiil 1925, clcr lag, an dem die hebräische Universität auf dem Skopusbcrge in Jerusalem feierlich eröffnet wird, ist ein Merktag von eindringlicher Bedeutung. Schon die äußeren Formen, unter denen sie sich vollzieht, lassen erkennen, daß es sich um ein Ereignis handelt, das in clcr ganzen Kulturwelt in seinem vollen Werte gewürdigt wird. Bereits vor dem Kriege, dessen Ausgang von so einschneidender Bedeutung für Palästina geworden ist, haben vorurteilslose Beurteiler feststellen können, daß die Kultur- und Bildungsfortschrittc der jüdischen Kolonien daselbst, das Schulwesen und Volksbildungswcscn, die Zeit nicht mehr allzu ferne erscheinen lassen, cla die Judenheit wieder ein wirkliches Volks- und Kulturelement im Lande der Verheißung werden wird. Diese Zukunftshoffnung hat sich erfüllt, heule kaiin es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die durch das Mandat des Völkerbundes gesicherte Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk Kräfte freigemacht hat, durch deren Zusammenwirken die materielle und geistige Kultur des so lange vernachlässigten Landes zur vollen Entfaltung gebracht werden wird. Immer mehr dringt die Erkenntnis durch, daß das Schulwesen so eingerichtet sein muß, 'daß die einzelnen Stufen von der niedrigsten bis zur höchsten, miteinander im engen Zusammenhange stehen und daß für die höchste geistige Ausbildung nur die bcstausgcbildeten jungen Leute in Betracht kommen, daß sie im eigenen Lande diese Möglichkeit besitzen und daß möglichst alle Kinder, die dafür geeignet sind, einer höheren Bildung zugeführt werden. Auch die Universität darf heute nicht mehr auf einsamer Höhe thronen, sondern muß in inniger Beziehung mit den unteren und mittleren Schulen stehen und mit ihnen vereint der Ausbildung der Jugend dienen. So findet denn die neue Ära, die mit dem Aulbauwerk, das eine gemeinsame Aufgabe des ganzen jüdischen Volkes ist und das nur gelingen kann, wenn alle seine Schichten daran regen Anteil nehmen, begonnen hat, ihren sinnfälligen und einprägsamen Ausdruck in der Eröffnung clcr neuen Hochschule, die, wie ihr aller Name besagt, eine universitas litterarum sein soll, deren Ideal es ist, der reinen Wisscn- Dcr Leiter der biochemischen Abteilung der Universität, Prof. Dr. lodor. gewesener Dozent an der Universität in Halle a'S., im Laboratorium. schaft um ihrer selbst willen zu dienen und eine Stätte freier Forschung zu sein, aber auch der Lehre. Der Forscher und Gelehrte muß zugleich Lehrer sein, der die sittliche Pflicht hat, das, was er selbst erarbeite! hat, lehrend weiterzugeben, einen Nachwuchs heranzubilden und so unmittelbar in den Dienst der Gesamtheit zu treten, Hihlung mit dem frisch pulsierenden Leben zu haben und auch für seine praktischen Bedürfnisse zu sorgen. Diese ideale und zugleich praktische Aufgabe wird die neue Universität zu erfüllen und dadurch an ihrem Teil mitzuwirken haben an dem großen Werke des Aufbaues. Aber darüber hinaus wird sie in edlem Wettbewerb und in reger Mitarbeit mit ihren älteren Schwestern den Hochzielen der Wissenschaft und der Erkenntnis zustreben. Dafür bürgt der nicht unerhebliche Anteil, den die Juden als Forscher und Lehrer auf allen Gebieten an der wissenschaftlichen Arbeit und an den Aufgaben der Universitäten haben. Wird auch die hebräische Universität in Jerusalem - mit gutem Bedacht wurde dieser Name gewählt — wie jede Universität eine zum Volke gehörige nationale sein, so soll sie dennoch, der Idee der Universität entsprechend und sie stets wahrend, darüber hinaus Übernationales zu erfassen und zu verwirklichen streben. ,,Alle Anfänge sind schwer", tautet ein alter Spruch, aber „wer gut beginnt, hat die Hälfte der Tat", besagt ein anderer. Die Eröffnung der Universität, clcr che Bibliothek und einige h orschungsinstitule vorangegangen sind, stellen ein glückliches Beginnen dar, dem man die besten Fortschritte nicht nur wünschen, sondern von dem man sie auch erhoffen darf. Aber ohne Überschwang kann gesagt werden: die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem ist eine kulturelle Tat, die dem ernsten Streben, mit dem das jüdische Volk an den Aufbau seiner nationalen Heimstätte im Lande der Väter, aus dem sie einst vertrieben worden waren, schreitet, che Achtung clcr Welt zu sichern vermag und die in den eigenen Reihen die Zweifler und die am Wege Irrenden gemahnen kann, an ihrem Teil redlich mitzuwirken, damit das große Werk gelinge. Möge che hebräische Universilät in Jerusalem diese Hoffnungen erfüllen und stets wachsen, blühen und gedeihen zum Wohle des Landes und zur Ehre des Volkes! 1 löisaal des_ biochemischen Institutes. «Dort ist jet/t provisorisch das judaistische Institut untergebracht.1