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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 44

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Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
Drei Bücher vom ostjüdischen Leben [Rezension]
Date
1925-02-01
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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44 MENORAH (I. SAMMY GRONEMANN, HAWDOLOH UND ZAPFENSTREICH. Erinnerungen an die ostjüdische Etappe 1916 -1918. Mit Zeichnungen von Magnus Zell er. 1924. Jüdischer Verlag, Berlin. Hawdoloh, das ist die Dämmerstunde /.wischen dem Schabbos und der Woche, zwischen dem Tag des ausschließlichen Judeseins und den Tagen des Goluskompromisses. Auch der Zapfenstreich ist — l'hawdil — so eine Dämmerstunde: zwischen dem in die Montur und Knechtsgesinnung gepreßten Soldatenleben und der alles versöhnenden Menschlichkeit des Schlafes, des In-sich-VeTsinkens. der innigsten, weil bewußtlosen Vereinigung mit den Geschehnissen im Kosmos. Gronemann, der mehr als ein glänzender Satiriker ist, der vielleicht als ein Philosoph mit humoristischen Ausdrucksmitteln angesehen werden kann, läßt in Oberost, jener Kriegsprovinz unseligen Andenkens, die Welt der Hawdoloh mit den Trompetern des Zapfenstreiches zusammenstoßen. Er zeigt das Schabbosantlitz des Juden, aber auch seine in ewiger Defensive lauernde Wochentagmaske; er schildert die rücksichtslose Brutalität des Militarismus, aber auch die feinen, leisen Zuckungen im eisigkalten Hochmutsgesicht des deutschen Offiziers. Was das Wertvollste dieses Buches ausmacht, ist die völlige Unbefangenheit, mit der Gronemann Geschehnisse aus dieser und jener Welt erzählt, aus dem Reich der Kaftane und Monturen. Sein köstlicher Humor, in dem sich oft trauriglächelnde Nachdenklichkeit verbirgt, reduziert alles Geschehen auf einen Generalnenner, der im Ausklang des Buches: l'hawdil ben kaudesch l'chaul zutage tritt. Es gibt nur wenige Bücher, die unbefangene Anschauung über das jüdische Leben unserer Tage vermitteln. Sammy Gronemanns „Hawdoloh und Zapfenstreich" gehört daher nicht nur zu den Büchern, die man lesen muß, sondern die „man" lesen wird. III. MENDALE MOICHER SFURIM, GE¬ SAMMELTE WERKE. Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen von Salomon Birnbaum. Jüdischer Verlag, Berlin. Bisher erschienen Bd. I. Schloimele und Bd. V. Die Mähre. Über Mendale noch Rezensionen zu schreiben, erübrigt sich. Man weiß heute bereits, daß es keinen Schriftsteller gibt, der es besser verstünde, auf jüdische Art über jüdische Menschen zu sprechen, wie Mendale. Seine Geschichten sind nichts anderes als großangelegte, gütige Moschelchen. Nicht ein Literat, sondern ein Volkserzähler plaudert in ironisch-wissender Art von seinesgleichen. Mendale bleibt immer das, was sein Pseudonym einrahmen will, der Moicher Sfurim, der kleine, kluge Buchhändler, der von Ort zu Ort zieht, den jüdischen Menschen mit fröhlichen, verstehenden Augen auch bei seinen Wunderlichkeiten betrachtet. Es verbleibt die angenehme Aufgabe, das ruhige, klare Deutsch der Übersetzung hervorzuheben. Es gelang ihr, den behaglichen Erzählton Mendales auch in den deutschen Sprachrhythmus zu übertragen. Wo das Übersetzungsproblem nicht befriedigend gelöst wurde, wie in manchen Partien der „Mähre", ist es nicht Schuld des Übersetzers, sondern des sprachlichen Überschwanges, der sich im Werke selbst vorfindet. „Die Mähre" muß ja mehr oder minder noch als literarischer Versuch Mendales angesehen werden. „Schloimele" dagegen zeigt bereits den herangereiften, gewandten Erzähler und daher konnte auch die Übersetzung Ebenbürtiges, Vollendetes erreichen. BOCHEREINLAUF KLEIN IRMCHEN. EIN KINDER¬ LIEDERBUCH VON CHRISTIAN MOR¬ GENSTERN. Zeichnungen von Josua Leander Gampp. Verlag Bruno Cassirer-Berlin. ARTHUR SCHNITZLER: FRÄULEIN ELSE. Paul Zsolnay Verlag, Wien 1924. S C. H A C H Geleitet von Richard Rcti Vor kurzem hat in Berlin ein kleines Viermeislerturnier stattgefunden, an dem sich Rubinstein, Teichmann, Johner und Mieses beteiligten. Rubinstein ging als Favorit in den Kampf, hatte aber das Mißgeschick, gleich in der ersten Runde, als er gegen seinen gefährlichsten Konkurrenten Teichmann bereits die überlegene Stellung hatte, die Zeit zu überschreiten. In der irrigen Annahme, er habe bereits den 30. Zug gemacht, ging er ruhig spazieren und inzwischen lief seine Uhr ab. Trotzdem er dann noch die größten Anstrengungen machte, gelang es ihm nicht, diesen Verlust wettzumachen, da das Turnier, obwohl es doppelrundig gespielt wurde, viel zu kurz war. Teichmann, der nach seinem Erfolg in cler ersten Runde die besten Chancen hatte, war durch Unpäßlichkeit an der Entfaltung seiner vollen Kraft verhindert und er verlor später sowohl gegen Mieses als auch gegen Johner. Letzterer befand sich in brillanter Verfassung und gewann, durch die vorhin geschilderten Verhältnisse begünstigt, den ersten Preis. Der Schlußstand war folgender: Johner 4, Rubinstein 3/X Teichmann 2 JX Mieses 2. Nachfolgend eine interessante Partie des Siegers. UNREGELMÄSSIGE ERÖFFNUNG. Weiß: Johner. S c h w a r z: Mieses. 1. d2 d 4 c7 c5 Diese Verteidigung ist wohl nicht günstig für Schwarz, sie vermeidet aber die üblichen Varianten des Damengambits und Damenbauerspiels und gibt Gelegenheit zu Verwicklungen und Kombinationen — ein Fahrwasser, in dem sich Mieses immer wohl fühlt. 2. d4d5 Sg8 - 16 3. c2 - c4 d7 - d6 4. Sb 1 — c3 g7 - g6 5. e2 - e4 L(8 s7 6. Lfl -■■ d3 Sf6 - g4 )ieser und der folgende Zug i >ind und schwer verständlich. Schwarz sollte statt dessen um seine Entwicklung bemüht sein. 7. Ld3-c2 Die einfachste Antwort. 7........... Lg7Xc3 f Dieser Läufer soll in vorliegender Variante die Stärke des schwarzen Spiels bilden. Die Schaffung des gegnerischen Doppelbauern rechtfertigt den Abtausch nicht. 8. b2X c3 Sg4 -- f6 9. Le2 — d3 Sb8 ~d7 10. f2- (4 Dd8 - a5 11. Lcl - d2 Sd7 -b6 12. Sgl -- f3 Lc8 _g4 13. 0 — 0 Sf 6 .....d 7 14. h2h3 Lg4 X 13 15. Dd 1 f 3 Weiß hat nun mit seinem Läuferpaar und dem starken Zentrum das weit überlegene Spiel erlangt, der Gegner verteidigt sich aber mit anerkennenswertem Geschick. 15. 16. f 7 — f G - a4 Damit droht Weiß mit Tf—bl nebst Tb5 und a5 seine Stellung entscheidend zu verstärken. 16........... Sb6 c8 SXa4 hätte selbstredend eine Figur gekostet. 17. Tal -ei .......... Wieder droht eine Entscheidung, nämlich der Durchbruch auf e5 mit Qualitätsopfer. 17. Da5 - c7 18. h3 -h4 a7 a5 19. h 4 — h5 Sc 8 - b6 20. h5 Xs6 h 7 \ Cg6 21. e4 - c5 0 0 -0 71 c5 e6 S d 7 - - 18 23. Tel — b 1 f6 - - f5 24. Tbl - b5 Sb6 ntt 25. T f 1 - - b 1 b 7 b6 Dem Nachziehenden s gelungen. die Stellung im Zentrum und auf dem Damcnflügel abzuriegeln und es ist für Weiß kein leichtes, sein Spiel wirksam fortzusetzen. 26. Tb 1 b2 Sf8 h 7 27. D(3 dl .......... Damit droht Weiß Dbl, wonach das entscheidende Qualilälsopfer auf bü nicht mehr verhindert werden kann. 27........... De 7 d7 28. Ld 3 — e2 Sh 7 — f6 29. Le2 (3 Kc8 c 7 30. Ld2 e3 Td8 b8 31. Ddl --d3 Da7-a6 32. Dd 3 e2! .......... Weiß hat die Absicht des Gegners, die Dame über c8 nach dem anderen Flügel zu spielen, durchschaut und verhindert dies durch eine feine Falle — 32........... Da6 c8> in die cler Gegner ahnungslos hineinfällt. Die Dame durfte höchstens wieder nach a7 zurück. 33. Lc3 ■ c3ü.......... Dadurch wird die scheinbar so feste Stellung des Schwarzen mit einem Schlage vollständig zertrümmert. 33........... DcÖ--a6 Schwarz ist rettungslos verloren; nimmt er den Läufer, so folgt auf jeden Fall TXc5 i nebst De5 + und Weiß gewinnt. 34. Lc5 d4 Th8 f8 35. c4 c5! Schwarz gibt auf. Denn nimmt cler d-Baucr, so folgt Le5 + , nimmt der b-Bauer, dann TXb8 oder auch TXc5+, immer mit sofortigem Gewinn. SCHACH NACHRICHT EN Die Anhänger des reinen Amateurismus im Schach haben in Wien ein kleines 5-Meisterlurnier abgehalten, an dem sich außer den Wienern Prof. Becker, S. R. Wolf, Dr. Gruber und Sara auch der Berliner Meister Post als Gast beteiligte und Zweiter wurde. Erster wurde Prof. Becker, in den dritten und vierten Platz teilten sich S. R. Wolf und Dr. Gruber. Zur Erinnerung an Kautski, den verstorbenen Sekretär des tschechischen Schachverbandes, hat in Prag ein nationales Meisterturnier stattgefunden. Erster wurde Schulz, zweiter Dr. Karl Treybal, dritter Ing. Größl, vierter bis sechster Franz Treybal, Ing. Krofta und Dr. Skalicka, siebenter und achter Flromadka und Zidlicky. Vor einiger Zeit tauchten Gerüchte auf, daß im Jahre 1925 ein internationales Schachturnier in Jugoslawien stattfinden soll. Nunmehr verlautet genauer, daß es der südslawische Schachbund in Bad Bled bei Laibach abzuhalten beabsichtigt. Auch über das internationale Turnier in Rußland wird näheres bekannt. Es soll bereits Ende Februar in Petersburg beginnen. David Janowski, der seinerzeit so gefürchtete Turnierkämpe, is! nach 8jährigem Aufenthalt in Amerika wieder nach Paris übersiedelt.

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