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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
Erich Toeplitz: Die Menorah des Chanukkafestes [Rezension]
Date
1925-02-01
Page
Seite 43 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 43 ERICH TOEPLITZ: DIE MENO- RAH DES CHANUKKAFESTES. Herausgegeben von der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstclenkmäler in Frankfurt am Main. Das vorliegende Büchlein eröffnet eine Reihe von Publikationen, die von der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstclenkmäler in Frankfurt am Main in nächster Zeit unter dem Titel „Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte" herausgegeben werden. Die Arbeit Erich Toeplitz ist im Laufe des vergangenen Jahres in diesen Blättern veröffentlicht worden. Toeplitz hat in hohem Maße die Fähigkeit, gut und leicht zu schreiben und dabei doch die schwierige Materie gründlich und höchst anregend zu gestalten, so daß dies Heftchen dem Laien und dem Forschenden großen Genuß bieten kann. Der geringe Preis dieses Büchleins erfüllt einen langgehegten Wunsch, die billigen Kunstbücher allgemeinen Inhaltes durch Schriften, die sich den jüdischen Kunstwerken widmen, zu ergänzen. Die künstlerische Ausstattung des Heftchens schließt mit dem Streben wissenschaftliche Arbeit zu leisten, hier einen engen und fruchtbaren Bund. N. H. MARTIN BUBER: ICH UND DU. Es wäre wohl schwer, ein so durchaus persönliches Buch in knappem Rahmen anders als in der Form eines kurzen Hinweises zu besprechen. Es ist persönlich nicht nur als Ausdruck einer bestimmten seelischen Einstellung im Religiösen, der von den überlieferten Formen des Judentums, der orientalischen oder europäischen Mystik unabhängig sich darstellt, sondern auch, insoferne im Leser Persönlichstes angesprochen sein Avill: die Verbindung des Gotteserlebnisses mit jenem Urerlebnis, das man in philosophischer Terminologie als ,,Du-Problem" zu schabionisieren pflegt. Dennoch wendet sich Buber gerade in diesem Buche gegen jenen Subjektivismus, der Gott ganz „innen haben" will, bis in der subjektiven Gefühlswelt die Realität Gottes selber verschwindet — und zugleich gegen alles gewollte „Gottsuchen", cla „das Gottfinden nicht ein Ende, sondern eine Mitte bilde". Im Zentrum der Darstellung steht der Gegensatz einer Beziehung, die auch den Gegenstand des religiösen Erlebnisses eben zum Gegenstände, zum „Es" herabsetzt und damit eigentlich von sich fernhält, und jener unmittelbaren, die „in jedem Du das Ewige anredet". Aus einer anscheinend übertriebenen Scheu vor der Gegenständlichkeit lehnt Buber in gewissem Sinne jede Bestimmtheit des religiösen Erlebnisses ab, die sich rational auch nur beschreiben läßt, obwohl es doch auch denkbar wäre, auch sozusagen die Kräfte der Vernunft in den Dienst des Übervernünftigen zu stellen. Diese Scheu vor der Bestimmtheit bewirkt es wohl auch, daß. wenn auch die ganze Tendenz des Buches prinzipiell auf das Konkrete gerichtet ist, dieses selber doch in einer gewissen Abstraktheit verbleibt. Als jenes konkrete Ziel wird die Bildung wahrer Menschengemeinschaft betont, deren zwei große Widersacher deutlich genug in folgenden Worten bezeichnet werden: „Das abgetrennte Es der Einrichtungen ist ein Golem, das abgetrennte Ich der Gefühle ein umherflatternder Seelenvogel. Beide kennen den Menschen nicht . . . Daß Einrichtungen kein öffentliches Leben ergeben, verspüren Menschen in wachsender Zahl. Daß Gefühle kein persönliches Leben ergeben, haben erst wenige verstanden." Ernst Mülle r. FELIX A. THEILHABER: JÜDI¬ SCHE FLIEGER IM WELTKRIEG. Verlag „Der Schild", Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Berlin W 15. Ringsum an allen politischen Horizonten wetterleuchtet das Drohen des Judenhasses. Die helle Flamme des Pogroms kündet die Not der Brüder im Osten, der giftige Dunst der Verleumdung breitet sich über die Herzen der Brüder auf deutschem Boden. Gegen die Ehre und Ansehen raubende Lüge von der Feigheit und Drückebergerei cler jüdischen Kämpfer im deutschen Heere richtet sich das Buch Theilhabers, das er ein wenig irreführend „Jüdische Flieger im Weltkrieg" nennt, obzwar er nur die Kameraden im deutschen Heer, nicht aber die jüdischen Flieger des Heeres der alten Österreichisch-Ungarischen Monarchie, noch weniger aber die Flieger in den ehemals feindlichen Heeren berücksichtigt. Das Heldenepos jüdischen Mutes, Kühnheit und Ausdauer das aus schlichten Briefen und Tagebuchblättern, dürren Tagesbefehlen und einfachen Todesanzeigen an unsere schon wieder halbverschlossenen Ohren dröhnt, will mehr als eine Abwehr antisemitischer Angriffe sein. Wir leben mit diesen jungen Juden, die in der Begeisterung, für ein Heimatland zu kämpfen, ihr Höchstes einsetzten. Das Schöne an Theilhabers Buch ist sein Bestreben von den Einzelschicksalen zu berichten, ein Lebens- und Charakterbild zu entwerfen, so daß er durch die Persönlichkeit der jüdischen Flieger, nicht bloß durch ihre Zahl ein Bild jüdischer Waffentaten vermittelt. So lange das jüdische Volk im Zustande steter allseitiger Belagerung lebt, bleibt es unerläßlich, den Widerstand durch kompakte Organisationen zu ermöglichen und mit seiner Technik vertraut zu machen. Deshalb hat der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten durch die Neuherausgabe dieses Büchleins eine dankenswerte Aufgabe erfüllt. N. H. SAMUEL MEISELS: DANTE UND MANOELLO. Eine Aufsatzreihe. Verlag „Die Neuzeit", Wien 1923. Ein Versuch, Dantes' „Göttliche Komödie" mit Immanuel Ronis, des hebräischen Dichters, eines Zeitgenossen Dantes, „Hölle und Paradies" zu vergleichen, könnte sehr wertvolle kulturhistorische Ergebnisse zeitigen. Insbesondere die Anführung des kabbalistischen Wtrkes über „Ge-Hinnonn" — „Hölle" wei»t auf die Möglichkeit der Quellenverglcichun:T, ja, man müßte sogar die Quellen, von denen Dante schöpfte, aufweisen können. Der Verfasser begnügt sich mit der Darstellung des Stofflichen; gelegentlich wird auf einen Fehler der bisherigen üblichen Vergleichung hingewiesen. Die Hypothese, der Hilner Immanuel Ronis durch „Hölle und Paradies" Daniel sei Dante, ist wohl als gelungen zu bezeichnen. Dr. H G. MAX NORD AU: MÄRCHEN, SEINER MAXA ERZÄHLT. Illustrationen von Hans Neumann. Otto Hendel Verlag. Beilin. Das jüdische Publikum kennt Nordau als Führer der zionistischen Bewegung, als unbeugsamen Kämpfer um die Renaissance und Zukunft des jüdischen Volkes. Es mag interessant sein zu hören, dato derselbe Nordau als Vater seinem Töchterchen viele, viele Märchen erzählte, in denen er die Kindesseele mit reinen opfervollen Gedanken erfüllte. Der Verlag Otto Hendel-Berlin hat eine Reihe dieser Märchen in einem Buch gesammelt, das, reich illustriert, dem weiteren Publikum zugänglich gemacht wurde. Wir veröffentlichen mit Erlaubnis des Verlages eines dieser Märchen, um unseren ganzen. F. DREI BÜCHER VOM OSTJÜDISCHEN LEBEN Besprochen von ROBERT WEISS I. ZWEIE UND DER LIEBE. GOTT. Roman von Julius L c vi n, S. Fischer-Verlag, Berlin 1919. Den warmen Hauch des ostjüdischen Lebens hat Julius Lcvin in diesem Buche eingefangen. Und was das Wertvollste ist: dieser Roman ist mehr als eine bloße Milieuschilderung. Die Probleme, die Lcvin behandelt, sind nicht nur jüdischer Art. Dieser Reb Salme, dem hintereinander zwei Söhne im Felde fallen und cler sich an der Braut seines Ältesten verschuldet, ist zwar ein jüdischer Vater. Aber sein allmählich keimendes Hadern mit Gott, seine in falscher Richtung spürende Klugheit, seine zunehmende Menschenscheu rückt seine Gestalt aus dem engen Bereiche der jüdischen Gasse in das Allgemeiiirnenschliche. Levin legt, ohne ins literarische Zergrübeln zu verfallen, mit großer Behutsamkeit die zartesten Regungen des Empfindens bloß und deshalb ist dieser Roman mehr als ein gutes Buch. Er läßt die Seele cler Ostjuden in solchen Stunden schauen, in denen sie sich aus dem engen Heim ihrer Not erhebt und ins Gigantische wächst.

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