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Menorah · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Article
Modebetrachtung
Date
1925-01-01
Page
Seite 23 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 23 unsere Frauen meist in Sack, und Asche gehen müssen. — Nein, diese anscheinend so simplen Kleider sind weit eher einer raffinierten Laune entsprungen; die Einfachheit verfolgt nicht den Zweck, einfach zu sein, sondern nur den einen, die beste Folie abzugeben, die Frau jung scheinen zu lassen; Formen werden betont, einzelne kaschiert, andere enthüllt und alles geschieht nur um einem besonderen Reiz zu dienen. Wenn sich also diese Modeschöpfungen der besonderen Sympathie erfreuen, längere Zeit neu und lebendig bleiben, so ist dies eben dadurch zu erklären, daß diese Modelle zufällig gleichzeitig h ü b s c h und praktisch sind und wegen dieser Eigenschaften die Sympathie der arbeitenden Frau erworben haben. Aber die Mode hat nicht vorbedacht gearbeitet, denn sie schafft und entwickelt sich ohne auf wirtschaftliche Verhältnisse zu achten, frei und ungehemmt. Wäre es anders, wie könnten heute in Europa Pelz, Schmuck und kostbarste Gewebe auf dem Gebiet clor Mode eine so überragende Rolle spielen, wie kämen diese oft märchenhaft schönen Modelle zustande, bei denen sich die hragc unbewußt aufdrängt und wer kann sich dies heute noch leisten, wer sind die Käufer dieser Luxusschöpfungen? Doch scheint es immer so gewesen zu sein. Ein Rückblick in die Zeiten der französischen Revolution genügt, um diese Vermutung zu bestätigen, inmitten der furchtbarsten Ereignisse vergaßen diese brauen nie ihre Reize im günstigsten Licht zu zeigen und taten dies so gründlich, daß sie Gewänder aus durchsichtigsten Geweben auf dem bloßen Körper trugen. — Das Abendkleid von I 924/25 ist kostbar im Material und wird noch glanzvoller durch reiche Perlenstickerei in leuchtenden Farben, durch Schmuck und kostbare Federn. Und nun behält es nicht einmal mehr die strenge Linienführung, sondern wird ausladender in der Form; Glocken, unregelmäßige Zipfel, glockig fallende Besätze machen es malerischer, prunkvoller. Solche 1 oüellen aber brauchen auch die richtige Umgebung; das gradlinige, wenn auch kostbare Gesellschaftskleid war im bürgerlichen Salon, im Theater und Konzertsaal zu Hause; das große Abendkleid verlangt nach hollerleuchlctcn spiegelnden Sälen, nach der festlichen Oper und nach vielen ebenso glänzend gekleideten Menschen, um nicht deplaciert zu wirken. Frauen in solchen prunkvollen Toiletten, über che der wunderbare Abendmantel getragen wird, „schreiten über Marmortreppen, gleiten über spiegelndes FWkett, Diener nehmen den Mantel in Empfang . . ." und so weiter. —■ Daß diese Mode nicht für viele geschaffen wird, sich daran zu freuen, ändert nichts an der 1 atsache, daß sie geschaffen wurde und vielleicht ist sie für manche eine Freude, denn sie bringt neue Möglichkeiten der Arbeit und des Verdienstes und damit auch Freuden iür viele. H. K. BEI ENGELBERG (SCHWEIZ) MODEBETRACHTUNG Unbekümmert um das Geschehen der Tage, ohne Rücksicht auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch, auf Not und Entbehrung, kommen und gehen che Modeströmungen und Erscheinungen in bunter Mannigfaltigkeit. Und wenn auch nicht überall die Avirtschaftliche Lage eine so trostlose ist "wie in den meisten Gebieten Mitteleuropas, so sind auch in den besser gestellten Ländern die Kosten der Lebenshaltung so gestiegen, das Notwendige so teuer geworden, daß das Budget für Luxusbedürfnisse selbstverständlich immer mehr reduziert werden mußte. Und Luxus ist es heute eben, wenn man der Mode gerecht werden und die schnell wechselnden Phasen mitmachen will. Beim flüchtigen Durchblättern der zahlreichen deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Modezeitschriften würde man auf den ersten Blick versucht sein zu glauben „nun die Mode paßt sich doch den praktischen Anforderungen der heutigen Lebensform an und vergißt nicht der vielen in der Berufsarbeit stehenden Frauen; der gerade schmucklose Mantel, das Jumperkleid, das glatte geknöpfte Kittelkleid, wie einfach und zweckmäßig!" Doch beim Weiterblältem wird man sich des Trugschlusses bald bewußt, denn die Nachmittagskleider sind zwar einfach in der Linie, aber desto kostbarer in Material und Ausführung und das Abendkleid zeigt eine Prachtentfaltung, die im Gegensatz zu der trüben Alltäglichkeit wie ein orientalisches Märchen scheint. Also kann die Mode nicht zur Verfechterin des Alltagskleides geworden sein; wollte sie der Stimmung der letzten Jahre entsprechend die Modelle schaffen, so hätten WINTERSPORT IN DEN ALPEN In den Städten der Ebene liegen die Winternebel, wehen kalte Ostwinde, aber die Freude des Winters, der Schneefall, hat noch keine schützende Decke über die erstorbene Natur gebreitet. Anders in den Hochtälern der Schweizer Alpen; dort hat der Winter mit aller Pracht schon lange Einzug gehalten und goldener Sonnenschein rötet die weißen Gipfel der Bergviesen und die Schneeflächen strahlen die angenehme Tageswärme des Bergwinters zurück. In das Summen der elektrischen Bahnen, die auch im Winter für bequemste Beförderung sorgen, mischt sich das Klingeln der Schlittenschellen. Von den Hängen und l-bilden der Höhenzüge rundum, neigen sich blitzende Skifelder zum Hochtal nieder, wo das glatte Eis spiegelt und über wohlgepflegte Bahnen die Kuven der Bobsleighs knattern. Die Winterfreude geniel.il der Städter in vollen Zügen in einer freieren Natur. Warme, freundliche Räume und fröhliche Geselligkeit sichern ein angenehmes, nervenstärkendes Ausspannen dem von der Tagesarbeit Zermürbten. Ein sonnengebräuntes Gesicht, ein sonnenvolles Herz, so kehrt der Wintergasl in die Ebene zu den Niederungen des Alltags, die im Hochtal für kurze Zeit gebannt, vergessen waren.

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