Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Article
- Ein jüdisches Drama [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
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MENORAH 13 gibt dem Werk Heimanns die besondere Kraft, die besondere Farbe. Hier hat nicht ein Fremder, und sei er noch so gebietenden Ranges, in ein fremdes Land geschaut und die Figuren darin, nach der Überlieferung oder in dichterischer Erkenntnis gestaltet: aus dem Beden des eigenen Volkes, des fernen und doch innerlich dem jüdischen Herzen noch immer nahen Landes ist dieses ernste Werk hervorgeblüht wie eine dunkle Jerichorose. . . . Neben dieser Stimmung, die uns nicht mehr freigibt, ist alles Tatsächliche dieser Szenen von sekundärer Bedeutung. Es ist nichts anderes als Sehnsucht, Kampf und Untergang eines reinen Mannes, eines jüdischen Mannes um der reinen Lehre willen, und einer reinen Frau, einer jüdischen Frau, um des Mannes willen, von dem sie so wenig läßt M'ie der Jude von dem Glauben und der Satzung, die er für wahr erkannt. Kalba. Sabua, ein reicher Landbesitzer in einem Städtchen, nicht weit von Jerusalem, hat eine einzige Tochter, Jaltha. Viel umworben, hat sie bisher alle Freier abgewehrt; da neigt sich ihre Seele dem Knecht auf dem Hofe zu, Akiba Ben Joseph, einem eigenwilligen Mann, einem grüblerischen Denker unter den Hofarbeitern. Akiba verlobt sich mit ihr „vor dem Angesicht Gottes"; er legt ihr vor dem Brunnen eine Münze, seines Vaters und Großvaters Erbe, auf die Hand. Die heilige Formel ist gesprochen; nichts vermag mehr das heilige Bündnis zu trennen. Auch der Zorn des Vaters nicht, der sein eigenes Blut verwünscht und mit düstern Fluchformeln die beiden vom Hofe treibt. Auch nicht die Not, die sich über die zwei Hinausgestoßenen r.uf ihrem Strohlager niedersenkt. Akiba ist stärker, der Trieb des Erkennens in ihm ist stärker und noch stärker ist sein Weib, eine Judith ohne das Schwert, eine Heldin auch sie, ohne daß sie mit Worten großtut — sie trennt sich von ihrem Mann, sendet ihn hinaus in die Fremde, duldet es, daß er sich auch in der Seele von ihr entfernt und nunmehr, bettelnd und hungernd, dem einen lebt: der Lehre. Akiba ist bald ein Meister geworden, hochberühmt unter den Rabbinern, selbst der Fürst Rabbi Gamliel, der Patriarch, hört ihn mit Achtung an. Ein milder Weiser, ein Eiferer auch, wenn es die Stunde fordert, das ist Akiba Ben Joseph geworden, und darum überbringt er auch als Bote, so weich sein Empfinden geblieben, den Bann des Synhedriums, jenem Rabbi Eleasar, der eigen gefährliche Wege ging. Und wie Samuel, der Prophet, Saul zum König wählte und befeuerte, hat Rabbi Akiba Bar- Kochba, den gewaltigen Mann, als Messias gesehen und zum Kampfe wider die Römer nach dem Tode Trajans beflügelt. Aber Bar-Kochba unterliegt im Kampf, und Akiba wird, ein Sterbender, zu seinem Weibe gebracht, von dem er durch Jahrzehnte getrennt gewesen. Ein Sohn ist ihm inzwischen herangesprossen, ein Rebell wider den Vater, wie es scheint, aber des Sterbenden Antlitz neigte sich über ihn wie das Angesicht Gottes und war ihm gnädig. Jaltha aber hat ein Menschenalter hindurch auf diese Stunde gewartet, da wieder ihr Gatte, den sie seiner höheren Pflicht überließ, zu ihr heimfinden würde. In ihrem Schoß birgt sie den Weisen wie ein verirrtes Kind, wie die Jugendgeliebte Peer Gynts ihren Helden, der um eines Traumes willen sein Leben versäumte. Wie Peer Gynts Solveig: so menschlich-einfach, so rührend. Aber dennoch anders: stolzer in ihrer Entsagung, ihres endlichen Sieges bewußter. Akibas Weib empfängt ihn, wie wir dieses Werk empfangen: dankbar, weil es ohne Rücksicht auf die Rufe und Wünsche des Tages sich einer inneren Sendung entrang . . . PAUL WERTHEIMER Wir veröffentlichen in dieser und in den folgenden Nummern mit besonderer Autorisafion des Dichters einzelne Szenen des Dramas f){c Redaktion Jyloritz Heimann JVleiner Frau Zum Akiba Zum ersten Mal in grünen jungen Jahren, Als noch die Seele, frei von Krott und Kruste. Wehrlos, doch siegreich war und, unerfahren In jedem Einzelding, doch Alles wußte. Vernahm ich, in die eigne Zukunft ahnend. Vom Weib Akibas Sage und Geschichte Gleich so berührt, als ob von mir sie, mahnend, Ein neues Recht sich suchte im Gedichte. Ich sah den Heil'gen als des Wortes Sklaven Und seine Weisheit wurzeldürr und mager; Und ich vermaß mich, ihn darum zu strafen. Und schickte seinen Sohn ins Römerlager. Doch immer, wenn in spätem, reifern 1 agen, Der ungestüme Schatten, bald ergreifend Bis in den Knoten dunkler Judenklagen, Bald nur die Bildnerwollust leise streifend. Sich ahnen ließ, er blieb ein bloßer Schatten Und wehte weiter in dem andern Schwarme. Denn Sünder ihn, den Weisen und den Gatten, Ich wollt* ihn ruhen sehn im Liebesarme. Bis, schwer und süß, der viel gerufne Schemen Vom Blute endlich trank, erlöst ins Leben: Das war, Geliebte, als nach langem Nehmen Der Traum dir ward zu eigen hingegeben. Nun ist er dein und lebt. Viel ist Lebend'ges: Brennend zur Flamme, glimm und rauchig kohlend, Ohnmacht und Kraft, ein wechselvoll Beständ'ges, Abschied und Heimkehr endlos wiederholend. DAS WEIB DES AKIBA I. AKT. Erste Szene Der Hof des Kalba Sabua. Links tagt das Haus auf die Szene; man sieht auf die Tür des Hauses, die um zwei Steinstufen über den Boden erhöht ist: daneben rechts eine steinerne Bank. Rechts auf der Bühne ein Schuppen, dessen Dach sich bis zu Manneshöhe herabneigt; zwischen den] Schuppet] und dem Haus schließt hinten eine etwa zwei Meter hohe Mauer ab, und im Winkel* den diese mit dem Schuppen bildet, steht ein Taubenschlag. In der Mitte des Hofes, also in der Mitte der Bühne, ist ein Brunnen, viereckig ummauert. Vor dem Taubenschlag sitzt AKIBA, ein starker, krausbärtiger Mann von siebenunddreißig Jahren; er hat einen Pflug vor sich, an dem er herumhämmert. Aus der Tür des Hauses kommt BENJAMIN heraus, ein Knabe von elf bis zwölf Jahren, will scheinbar nach links (vom Zuschauer aus) den Hof verlassen, zögert aber am Brunnen. Akiba wirft ihm über seine Arbeit hinweg einen Blick nach und lacht /furz auf; dann tut er einen besonders heftigen Schlag, so daß Benjamin herumfährt. HÜBNERS KURSALON-RESTAURANT FKEK FÜR HOCHZEITEN, BANKETTE UND DINERS STEHEN HERRLICHE SÄLE ZUR KOSTENLOSEN VERFÜGUNG TÄGLICH 5-UHR-TEE MIT TANZ. TELEPHON NR. 758