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Menorah · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Article
[Nachricht]
Date
1925-01-01
Page
Seite 2 (sequence 1)
Language
German
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2 M E N O R A H aller Länder nur ein „Sowohl als auch". Das jüdische Gemeinwesen in Erez Jisrael würde heute keine natürliche Grundlage besitzen, wenn es sich nicht auf eine ausgedehnte landwirtschaftliche Siedlung stützen könnte. Den Boden okkupiert die Landwirtschaft, aber Menschen in größerer Menge bringt nur die Industrie ins Land. Wir benötigen daher ebenso eine solid fundierte Landwirtschaft, wie eine aufblühende Industrie. Ähnlich steht es mit den Kolonisationsmethoden. Nur die Zusammenarbeit der Öffentlichen Fonds mit dem für Großkolonisation allein in Betracht kommenden Privatkapital kann jene Gesundung und Sicherheit der wirtschaftlichen Basis schaffen, von der auch der Erfolg der politischen und kulturellen Arbeit abhängig ist. R. W. EREZ JISRAEL Laut vorläufigen Angaben sind im Laufe des Oktober in Palästina gegen 1200 Emigranten eingetroffen. Bei Berücksichtigung der an und für sich ungünstigen Jahreszeit und des Umstandes, daß in diesem Monate die Feiertage gefallen sind, ist diese Zahl als außerordentlich hoch zu bezeichnen. — Gelegentlich des Besuches des französischen Oberkommissars für Syrien und Libanon, General Weygands in Jerusalem, haben am 16. November eingehende Beratungen über den gesamten Fragenkomplex der Mandate des Mittleren Ostens zwischen den beiden Oberkommissaren General Weygand und Sir Herbert Samuel stattgefunden. — General Weygand ist inzwischen von seinem Posten als Oberkommissar von Syrien und dem oberen Libanon zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger ist General Sarrail ernannt worden. — Das englische Colonial Office hat im Einvernehmen mit den Ministerien für auswärtige Angelegenheiten, Krieg und Marine die nötigen Maßnahmen ergriffen, um ein Übergreifen des Anglo- Ägyptischen Konfliktes auf die England unterstehenden Mandatsgebiete zu verhindern. An den High Commissioner von Palästina sind entsprechende Direktiven ergangen. — Asquith, der britische Ex-Premier, ist am 13. November in Palästina eingetroffen. Er besichtigte die jüdischen Kolonien und äußerte seine Befriedigung über die Fortschritte der emsigen Siedlungsarbeit. — In Haifa wurde eine neue Bank, die Palestine Mercantile 'Bank Ltd. gegründet. Das Grundkapital beträgt & 25.000.— in Aktien zu £ E. 1. Die beiden ständigen Direktoren sind Herr Sol Cohen und Herr David Shindler. — Die Agudas Isroel in Jerusalem hat mit Hilfe der Palästinazentrale der Agudas Isroel eine Darlehenskasse errichtet, die bereits ihre Tätigkeit begonnen hat. Die Darlehenskasse gibt unter besonders günstigen Bedingungen kleinen Unternehmern und neu Eingewanderten Kredite für produktive Zwecke. — Für die Arbeiten in der Siedlung der Agudas Isroel in Emek Jisrael wurde ein Wirtschaftsrat gebildet. Diesem gehört unter anderen auch der Statistiker Herr David Trietsch an. — Während des Monates September nahm ein Wiener Fabrikant den Bau einer großen Seidenweberei in Angriff, wozu er von der Regierung eine Bodenfläche von 10 Dunam in Pacht erhielt. Er gedenkt bis zu £ 30.000.— in dieses Unternehmen zu investieren. Der Besitzer der großen Lodzer Textilfabrik in Tel- Awiw hat gleichfalls beschlossen, seine Fabrik zu vergrößern und ihr eine Färberei-, Bleicherei-, Appretur- und Spinnereianlage anzugliedern. — In der Sitzung des Stadtrates von Tel-Awiw vom 16. November wurde die Errichtung eines 500 m2 großen Gebäudes beschlossen, das zahlreichen Kleinindustriellen die Benutzung der Elektrizität als motorische Kraft ermöglichen soll. GALUTH Der frühere Minister für Indien, Herr Edwin Samuel Montagu, starb am 16. November im Alter von 45 Jahren in London. — In Berlin hat am 19. November eine Versammlung stattgefunden, in der die Gründung einer neutra- 1 e n Organisation für die Besiedlung Palästinas beschlossen wurde. Referate hielten Rabbiner Dr. Esra Münk, Rabbiner Dr. Wilhelm Levy, sowie Herr David Trietsch, der das kolonisatorische Programm der neuen Organisation entwickelte. — Das Sonntagsruhegesetz wurde in der dritten Lesung durch den littauischen Seyrn angenommen. Diese Gesetzesannahme bedeutet für die jüdische Bevölkerung in Litauen eine Katastrophe, da sie nun dadurch gezwungen wird, zwei Tage in der Woche zu feiern. — Die griechische Regierung hat die Absicht, das Sonntagsruhegesetz für alle diejenigen zu erleichtern, welche den Sabbath feiern. — Am 25. November wurde die erste allrussische Konferenz der jüdischen Kulturarbeit eröffnet. In das Ehrenpräsidium wurden Frau Krupskaia, die Witwe Lenins, ferner der Erziehungsminister Lunatscharsky und der Dichter Morris Winchewsky gewählt. Eine größere Anzahl Beschlüsse wurden angenommen. Sie betreffen die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in den Sowjetrepubliken, den Gebrauch des Jiddisch als Unterrichtssprache für die jüdischen (?) Schulen, die Schaffung eines speziellen Schultyps für jüdische Bauernkinder mit Rücksicht auf den wachsenden Zustrom zur Landwirtschaft usw. Es wurden ferner Anträge über die Herstellung der jiddischen Schulbücher, die Benutzung des jüdischen Theaters als eines Erziehungsmittels und die Förderung einer Antibourgeois-Erziehung in der jüngeren jüdischen Generation eingebracht. — Am Sonntag, den 1 6. November, tagte in Berlin die Plenarsitzung der Großloge Bnei Brith in Deutschland. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen bisherigen Präsidenten der Großloge Bnei Brith, Geheimrat Tirnendorfer, wurde der Rabbiner Dr. Leo Baeck zum Präsidenten der Großloge gewählt. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE Vom II. bis 16. November tagte in Berlin die zweite Plenarsitzung des Komitees für das arbeitende Erez Jisrael. Es waren sämtliche Organisationen vertreten. Aus dem Rechenschaftsbericht des Sekretariats des Komitees ist zu ersehen, daß durch die Aktion, die in fast allen Ländern Europas für die Arbeiterbank in Palästina durchgeführt worden ist, in neun Monaten 1 7.000 Aktien verkauft worden sind. Für den Palästina-Arbeiterfonds ist eine Summe von 1200 Ägypt. Pfund gesammelt worden. Die Plenarsitzung setzte dann den Arbeitsplan für das künftige Jahr fest. Die Aktion wird der Ausgestaltung der palästinensischen Bau-Kooperative „Solei Boneh" gewidmet sein. — Der vor kurzem in Wien im 87. Lebensjahre verstorbene ehemalige Lederfabrikant Albert Katscher hat sein gesamtes Vermögen, das nach -vorläufiger Schätzung 225.000 bis 300.000 Dollar beträgt, an vier jüdische Wohltätigkeitsinstitutionen hinterlassen. — In der Industriestadt Briansk in Südrußland wurden wegen Arbeitsmangel von den dort beschäftigten 6000 Industriearbeitern 4000 entlassen. 90 Prozent der Entlassenen sind Juden. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Oberrabbiner A. J. Kook aus Palästina sowie der Oberrabbiner Schapiro aus Litauen haben am 1 3. November Amerika verlassen, um zunächst nach London zu reisen. — Anfang Marcheschwan verschied einer der ältesten Rabbiner Amerikas, Rabbi Gerschon Lesscr im 92. Lebensjahre. Der Verstorbene stammte aus Mir in Rußland und war der Schüler Rabbi Jizchak Elcnanon Spektor s. A. — Ungeachtet der Verfolgungen, denen die jüdischen religiösen Schulen in Rußland (Chedarim) ausgesetzt waren, bestand ein gesetzliches Verbot des Cheder eigentlich nicht. Erst vor ganz kurzer Zeit wurde ein Dekret herausgegeben, laut welchem der religiöse Gruppenunterricht verboten ist. — Frau Sara Schnierer, die Führerin der Beth-Jakob-Bewegung in Polen, hat am Beginne des Winterhalbjahres eine Inspektionsreise unternommen. Sie konnte eine sehr erfreuliche Entwicklung der religiösen und weltlichen Müdcheneiziehung innerhalb der Beth-Jakob-Schul.:n feststellen. — Das Central Relief hat 52.127 Dollar zur Deckung des Budgets der Jeschiwoth- und Talmud-Thora-Schulen für den Monat November den verschiedenen Ländern Europas und Palästina überwiesen. KUNST UND WISSENSCHAFT Der vor einiger Zeit verstorbene hervorragende holländische Dichter Hermann Heijermanns entstammt einer jüdischen Familie in Rotterdam. — Am 24. November ist in New York M. Baranow, einer der bekanntesten jiddischen Schriftsteller in Amerika, im Alter von 60 Jahren gestorben. — Der französische Dramatiker, Mitglied der Academie Franchise, M. Georges de Porto Riehe, ist zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt worden. — Der jüdische Komponist und Musiktheoretiker Herr Joel Engel, bisher künstlerischer Leiter des Musikverlages „Juwal" in Berlin, begibt sich demnächst nach Palästina, um dort die Leitung des jüdischen Konservatoriums und der Musikschule „Sulamith" zu übernehmen. — Mr. Boswell aus London schenkte der Jerusalemer Nationalbibliothek das Originalmanuskript von Max Bruchs berühmtem Adagio „Kol Nidre". — Am 15. November ist in Paris der Bakteriologe Dr. Scheinis bei einem Autounfall ums Leben gekommen. — Der Mitarbeiter Professor Mac Alisters bei den Ausgrabungen in Palästina, Rabbiner Garrow Duncan, hat, als er die Ausgrabungen bei der Davidstadt am Berge Ophel fortsetzte, einen „salomonischen Turm" von 40 Fuß Höhe entdeckt. Der Turm, der zwei Bastionen hat, gewährt einen überraschend schönen Anblick. HOTEL-RESTAURANT 1 J. GUTH I WIEN II. HOLLANDSTRASSE Nr. 14 Anerkannt beste Küche! ETABLISSEMENT EDUARD SACHER WIEN.I.,OPERNRING 11-RENDEZVOUS DER VORNEHMEN WELT

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