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Menorah · 1924-12-01 · Heft 12 (Dezember 1924) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 12 (Dezember 1924)
Article
Bilder zur Bibel [Illustration]
Date
1924-12-01
Page
Seite 7 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 7 * *v4„ \r*-rh * * twm * * ^v*>v c ~**,S>$^4ä£ w2 > . > '^'J^y^V^ Abel Pann (Jerusalem) GOTT VERTRIEB SIE AUS DEM GARTEN EDEN D a s uns t 1 e r l s c he Werk Abel Panns Vor einigen Monaten ist ein hochinteressantes Buch eines deutschen Psychiaters namens Prinzhorn erschienen: „Die Bildnerei der Geisteskranken." Genau so, wie zum Beispiel die Dichtkunst von Wahnsinnigen — auch bei manchmal relativ hochwertigen Leistungen, die wirklich den Namen Kunst verdienen — doch ausnahmslos auf den gesunden Instinkt (wenigstens auf die Dauer) abstoßend wirkt, so geht es auch einem gesunden Empfinden bei diesen primitiven bildnerischen Leistungen. Und es ist ein ernstes Zeichen für den Verfall dichterischer und malerischer Kunst im 20. Jahrhundert, daß wir bei Schöpfungen von in Irrenhäusern internierten Kranken so oft die Empfindung haben, daß dieses Bild oder jene Zeichnung einen führenden Künstler der modernsten Kunstrichtung zum Autor haben könnte. Früher arbeitete der Maler für geistliche und weltliche Fürsten oder reiche Kunstfreunde, die gewöhnlich an seinem Schaffen schon vor der Bestellung und während der Ausführung des Werkes solchen Anteil nahmen, daß sie nicht nur nicht den Künstler beeinflußten, sondern von ihm gebildet und förmlich künstlerisch erzogen wurden. Man denke an die Biographie Benvenuto Cellinis. Heute ist die Sachlage gerade umgekehrt. Die Kunst richtet sich, soweit sie Broterwerb ist, nicht mehr nach dem Geschmack einer aristokratischen Oberschichte, sondern — sehr zum Schaden der Kunst — ist sie auf den offenen Markt und den Geschmack der Menge angewiesen. Phrasendrescher nennen das gern „Demokratisierung der Kunst". Tatsächlich handelt es sich aber nur um deren Industrialisierung. Und so wie etwa der Industriemarkt des Orients mit den schäbigsten Erzeugnissen europäischer Fabriken überschwemmt wird, die nicht nur dem primitiven Geschmack unkultivierter Völker Rechnung tragen, sondern deren Geschmack noch verderben, so hat eine gewisse Schichte von Malern und Zeichnern, die weder malen noch zeichnen, den europäischen Markt in den letzten Jahren mit ihren häßlichen und dabei gleichzeitig verlogenen Produkten überschwemmt. Durch diese Richtung entsteht aber für Länder wie Palästina, die keine Museen haben, in denen die Bilder der Klassiker als Schönheitsideal doch dem heranwachsenden Künstler eine gewisse ästhetische Richtschnur und Stütze bieten können, die ungeheure Gefahr, daß in ihnen ein Künsllergeschlecht heranwächst, das in Zeichnung und Farbe verlogen wird, das in der Natur nur Themen zu angeblich innerem Erleben sieht und das sich vor jeder Kritik dadurch schützt, daß es behauptet, der Tadler habe kein Verständnis für das „innere Erleben" des Künstlers. In einem solchen Lande ist es doppelt wichtig, daß ein Künstler von europäischem Ruf und Ansehen, dessen Werke in gar manchem Museum hängen und der es nicht notwendig hat, dem Geschmack des Publikums Konzessionen zu machen — weil er „Sein" Publikum bereits besitzt — nicht nur als Maler, sondern auch als Lehrer wirkt.

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