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Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Das Reich der Frau
Date
1924-11-01
Page
Seite 22 (sequence 1)
Language
German
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22 M E N O R A H Das Reicß der;W0TllS<.HER. fttLTAt,5hAMTtt n'?ELZCj*£VKlCttUNC KLEINE MODETORHEITEN VON HEUTE. Wenn bei strahlendem warmen Herbstwetter und bei einer Temperatur, bei welcher die Frauen noch vor wenigen Wochen in den duftigsten Sommerkleidern einhergegangen sind, diese selben Frauen in ihrer Winterequipierung erscheinen: mit hochgeschlossenem Pelzkragen, mit bis über die Fingerspitzen reichenden Pclzmanschetten und tief ins Gesicht gestülptem Samthut, so ist man versucht, dies eine Mocletorhejt zu nennen. Und diese Modetorheit hat im Monat Februar ihr Gegenstück, denn, bei Schnee, Regen und eisigem Nordwind werden wieder dieselben Frauen in dünnen Sommerkostümen, weit offenen Jacken, um die helle Bluse sehen zu lassen, in Strohhüten und leichtester Fußbekleidung durch die Straßen gehen. Und wenn es dann nur einen Schnupfen abgibt, so ist das beinahe verwunderlich und legt Zeugnis ab von der Widerstandskraft des zarten Geschlechts. * Die Mode diktiert: man trägt keine hohen Schnürstiefel, ja, nicht einmal den gewöhnlichen Halbschuh mit fester Sohle; will man schick sein, so gibt es nur den Galanterieschuh aus Lack, Sämisch oder anderem bunten Leder. Und wenn nun die mondäne Frau sich an das Diktat hält, so kann sich folgende Szene ergeben: Ort der Handlung: ein steiniger Gcbirgspfad in der Nähe einer beliebten Sommerfrische der Alpen. Auf diesem Pfad, der zu einem bekannten Gipfel führt, bewegen sich drei Touristen, zwei Damen und ein Herr; alle drei tragen Sportkostüme elegantester Ausführung, dazu tragen die Damen Seidenstrümpfe und ausgeschnittene Schuhe mit papierdünnen Sohlen, selbstverständlich hohe Absätze, auf denen sie sich mit bewundernswerter Balance - Geschicklichkeit fortbewegen. Eine Stunde später, nachdem der Weg immer steiler und steiniger geworden ist, trägt die eine der beiden Damen ihre Schuhe bereits in der Hand. — Scheinbar ist es noch immer leichter, sich bloßfüßig fortzubewegen, auch wenn dies ungewohnt ist, als auf hohen Stöckelschuhen auf steinigem Wege weiterzukommen. ^ack£n-kE/0 t^VT VEL-:i- Eine andere Szene: in der Halle eines Bahnhofes, der Zug steht zur Abfahrt bereit, die Passagiere sind im Begriff einzusteigen. Eine nicht mehr ganz junge Dame in einem nach allen Vorschriften der herrschenden Mode gearbeiteten Kostüm. Der Rock hat die vorschriftsmäßige Weite von 90 bis 100 cm; 110cm wäre schon nicht mehr schick. Aber der Erbauer des Bahnsteiges und die Bahnvenvaltung nahmen keine Rücksicht auf die Mode von 1924 und so ist das Trittbrett sehr, sehr hoch — und nach einigen recht vergeblichen Versuchen, die Höhe zu erklimmen, greift die Dame zu einem verzweifelten Mittel und rafft den Rock zum Ergötzen des Publikums hoch und — der Aufstieg ist gelungen. H- Zur Rechtfertigung unserer Frauen sei es gesagt, daß die Modetorheiten von heute recht harmlos erscheinen gegen all das, was die Frau in vergangenen Zeiten der Mode zuliebe tat und erduldete. F. H.-K. Orig.-engl. Anzugstoffe S™! Kann & Fried BüW

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