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Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Der Export des hebräischen Buches aus Palästina
Date
1924-11-01
Page
Seite 20 (sequence 1)
Language
German
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20 MENORAH Der Export des hebräischen Buches aus Palästina Von MORDECHAI BEN H1LLEL HACOHEN (Jerusalem). Eine alte Weisheit clcr Ökonomik besagt: Wer mehr ausgibt als er einnimmt, den erwartet ein schlimmes Ende. Diese Regel gilt nicht nur für eleu einzelnen, sondern auch für jedes Land und jeden Staat. Dabei richtet sich das Augenmerk der regierenden Personen vor allem auf die Wagschalen des Exports und Imports des betreffenden Landes, und während man bemüht ist, erstcren soviel als möglich zu vergrößern, sucht man nach Möglichkeit den letzteren zu beschränken. Die Ein- und Ausfuhr von Waren, das Gleichgewicht zwischen Export und Import, kennzeichnet am besten die ökonomische Lage eines Landes. Unser Land, Erez Jisrael, befindet sich immer noch im Zustande des Niederganges: noch immer übertreffen die Ausgaben die Einnahmen. Die Quellen seines natürlichen Reichtums sind nicht versiegt, nur zerstört durch frevelnde Hand früherer Herrschaft, und wir hoffen mit Bestimmtheit, daß sie wieder sprudeln werden zum Segen des Landes und seiner Bewohner. Außer diesen Quellen werden wir selbst aber bestrebt sein, die Industrie im Lande nach Möglichkeit zu entwickeln, neue Arbeitszweige zu entfalten und zugunsten des Landes jene hähigkeiten und Kenntnisse auszunutzen, die ein jeder neue Imigrant mit sich ins Land bringt; seine günstige geographische Lage selbst, seine Beziehungen und verschiedenartigen Verbindungen werden das Ihrige zum Aufschwung des Landes beitragen. Dies sind allbekannte Tatsachen, es muß und w i r cl so kommen. Wir weisen im folgenden auf ein Gebiet hin, dessen Entwicklung dank verschiedenen Umständen, die sich jetzt gestaltet haben, zur segensreichen Quelle werden kann. Wir meinen den Verlag hebräischer Bücher in Palästina. Das hebräische Buch hat seinen Ursprung m Palästina, und in unserer Zeit, der Epoche hebräischer Renaissance, ist es nur zu natürlich, daß das hebräische Buch zurückkehrt in seine alte Heimat. Es ist so sehr natürlich, daß einige Verleger hebräischer Bücher im Auslande es aus geschäftlichen Gründen für nötig gefunden haben, auf dem Titelblatt ihrer Bücher das Wort .Jerusalem" zu drucken, trotzdem sie in Wirklichkeit im Auslande herausgegeben wurden. Ein Beweis mehr dafür, wie groß die Zugkraft des Wortes „Jerusalem" zugunsten des hebräischen Buches ist, wenn sich Leute eine solche ungesetzliche Handlungsweise erlauben. Eine hebräische Renaissance ist undenkbar ohne das Aufleben einer hebräischen Kultur, und der große Zustrom nicht unbedeutender kultureller Kräfte schafft nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit eines Aufblühens des hebräischen Buches auf dem Boden Erez Jisraels. Insbesondere jetzt, nach Beendigung des Krieges, der die meisten Zentren hebräischer Kultur zerstört oder bedeutend geschwächt hat, ist das Bedürfnis besonders rege, ein neues Zentrum zu schaffen für unsere Kultur und deren geistige Frucht — das Buch. Es gibt und kann kein anderes Zentrum geben als Erez Jisrael; und es können keine Zweifel darüber bestehen, daß bei einem gewissen Kraftaufwande das Land dazu berufen ist, für das hebräische Buch dieselbe Rolle zu spielen, die seinerzeit Leipzig für die deutsche Literatur gespielt hat — die Rolle des Weltmarktes für unsere gesamte Literatur. Und deshalb ist ein Versuch, der jetzt auf diesem Gebiete gemacht wird, von größter nationaler und wirtschaftlicher Bedeutung. Eine Gruppe von Schriftstellern in Palästina schreitet demnächst zur Gründung einer kooperativen Vcrlagsgesellschaft an der „Spar- und Leihkasse, Jerusalem" (Halwaah w Chissachon). Diese Gesellschaft beabsichtigt ein Grundkapital von £ 3000 zu schaffen, das in 300 Aktien zerfallen soll zu je £ 10 die Aktie. Das Kapital soll unter den Mitgliedern der Gesellschaft, Privatpersonen und Institutionen gesammelt werden*). Aus diesem Unternehmen erwächst doppelter Nutzen: die Leser werden nicht mehr gezwungen sein, ihre Bücher aus dem Auslande zu beziehen, sondern werden unsere eigenen Bücher kaufen können; und zweitens, und zwar ist dies die Hauptsache, wird hier auf diese Weise ein Weltmarkt geschaffen für das hebräische Buch. Der Autor verkauft hier seine Werke, der Buchhändler seine Bücher. Man wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß Erez Jisrael die Stätte ist, an der das Hebräische geschaffen wird, wie es früher Wilna und Warschau waren; eine Zufluchtsstätte wie sie in letzter Zeit Berlin war. Es ist eine schwere Aufgabe, ein langer Weg, den wir durchzumachen haben, aber wir müssen ihn gehen, müssen diese Aufgabe erfüllen. Ein einzelner ist gewiß dazu nicht berufen, aber ein Verband von Schriftstellern wird dulden und leiden, um dem hebräischen Buche eine bleibende Zufluchtsstätte zu schaffen und mit ihm seinem Schöpfer, auf daß sie beide festen Fuß fassen in dem Boden, der ihrer innersten Natur entspricht. *) Die Redaktion der „Menorah" übermittelt Interessenten gerne die Daten über die wirtschaftliche Fundierung des Unternehmens.

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