Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Tut-ench-Amun - ein ägyptisches Königsgrab [Illustration]
Date
1924-11-01
Page
Seite 19 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2912821-2912828-2912838-2914806--01284-2914884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MENORA H 19 k t ^/%mv } Mi vSIif^ - ä% ^#^3^0»^ TUT-ENCH-AMUN Ein ägyptisches Königsgrab. — Von 253 Seiten und 63 Tafeln. Aus der Hochflut von Veröffentlichungen aller Art, die sich mit dem ägyptischen Könige und den in seinem Grabe gefundenen Schätzen beschäftigen, ist das vorliegende Buch unstreitig das wertvollste. Hat es doch die Entdecker des Grabes selber zu seinen Autoren, die hier ihre Arbeit, ihre Sorge um jedes einzelne Fundstück: in lebendiger Sprache schildern. Die vorzügliche Übersetzung, zu der G. Stein dorff eine geschichtliche Einleitung besorgte, gibt einen genauen Überblick über die bisher geleistete Arbeit und über die Hemmnisse, die sich ihr entgegenstellten. In einem besonderen Kapitel „Besucher und Presse" erzählen die Verfasser von dem Ansturm der Besucher, der nach der ersten Veröffentlichung in der ,.Times" auf die Fundstätte einsetzte und so arg wurde, daß Carter sich genötigt sah, das Grab wieder zuzuschütten und vor den Neugierigen die Flucht zu ergreifen. In einem anderen Abschnitt wird der mühseligen Konservierungsarbeit gedacht, der fast jedes einzelne Stück unterzogen werden mußte. Der jahrhundertelange Aufenthalt in der abgeschlossenen Gruft brachte zum Beispiel manche Ledergewänder zum Faulen; um die Muster der Perlenbestickung zu retten — was aber nicht mehr immer möglich war — mußten die Perlen aus verschiedenem farbigen Glase an Ort und Stelle von neuem auf Fäden aufgezogen werden. Das Holz einiger Truhen trocknete und warf sich, als es an die heiße Luft der Oberfläche gebracht wurde und brachte so den bemalten Stucküberzug in Gefahr. Ebenso erforderten Leinengewänder des Königs, alabasterne Salbgefäße, kurz jedes Stück eine sorgfältig ausgesuchte und mühsame Behandlung. Die Arbeit der Ausgräber wurde sehr erschwert durch die in den Kammern herrschende Unordnung. Schon wenige Jahre nach der Bestattung wurde das Grab, dessen ungeheure Schätze bei den politischen Wirken als eine leichte Beute erschienen, von Räubern heimgesucht. Sie wurden aber überrascht und mußten sich mit einigen Schmuckgegenständen und abgerissenen Beschlägen aus Gold begnügen. Die Beamten des Königs packten die herumgestreuten Gegenstände in die vorhandenen Truhen, ohne sich damit viel Mühe zu geben und stellten größere Möbelstücke einfach aufeinander. Dann wurde das Grab zugeschüttet und geriet in Vergessenheit. Nur diesem Umstände ist es zu danken, daß es nicht wie alle anderen Königsgräber mehrmals geplündert wurde, sondern erst von Carter nach langem Suchen unter dem Schutte von Arbeiterhütteu entdeckt wurde. Es sei hier darauf hingewiesen, daß die ganze bisherige Arbeit bloß in der Vorkammer geleistet wurde. Wenn auch bald die Sargkammer gefunden wurde, so war Howard Carter und A. C. M a c e. Leipzig, F. A. Brockhaus. es doch unmöglich, dort die noch reizvollere Arbeit zu leisten, bevor nicht die ersten Kammern geleert und jedes Stück behandelt und katalogisiert war. Durch den Tod des Mäzens der Forschungsexpedition, Lord Carnarvo n s, der bekanntlich an de i Folgen eines Fliegenstiches am 6. April 1923 verschied, trat eine Unterbrechung in den Ausgrabungen ein. Ebenso machte auch die ägyptische Regierung stets von neuem Schwierigkeiten, die erst in langwierigen Verhandlungen beigelegt werden konnten. Die reiche Fülle der Abbildungen, die diesem Buche beigegeben sind, vermittelt uns ein anschauliches Bild des künstlerischen Schaffens in der Periode vor und während der Regierungszeit Tut-ench-Amuns. Die vorgefundenen Malereien und Rundbildnereien zeichnen sich ganz besonders durch die naturalistische Auffassung und Lebendigkeit der Darstellung aus. In der ägyptischen Kunst vor und nach 'dieser Periode wird es nach Möglichkeit vermieden, Bewegungen darzustellen, und -wenn es sich nicht mehr vermeiden läßt, zu der allgemein bekannten steifen und gespreizten Haltung gegriffen. Der Pharao, der sonst als wesenloser idealisierter Halbgott dargestellt wird, wird von dem Künstler als Mensch von Fleisch und Blut abgebildet. So zeigt uns die Rückenlehne des Thronsessels (Abb. 1), eines der schönsten Stücke, die im Grabe vorgefunden wurden, Tut-ench-Amun auf dem Throne sitzend, m vornehm lässiger Haltung, den Arm nachlässig über die Lehne gelegt, vor ihm steht die Königin, eine anmutige Mädchengestalt und salbt ihren Gemahl mit duftendem Öle. Eine reizende Szene aus intimer Häuslichkeit, durchdrungen von Lebendigkeit und Frische. Ein weiteres Zeugnis von dem hohen Werte der Kunst dieser Zeit vermittelt uns Abb. 2, die einen Teil der Malerei einer Truhe zeigt, die auf Abb. 3 im Vordergründe zu sehen ist. Im Streitwagen steht Tut-ench-Amun, Pfeile gegen die feindlichen Krieger sendend. Im Kampfgewühl unterscheidet man Ägypter und bärtige Asiaten, von denen bereits eine große Zahl niedergestreckt am Boden liegen und von den Hunden des Königs zerrissen werden. Am Deckel und an 'den Seiten dieser Truhe sind noch eine Reihe solcher Kriegs- und Jagddarstellungcn zu sehen, die durch ihre leuchtenden Farben, die naturalistische Auffassung voll Leben und Bewegung, trotzdem Motiv und Darstellung unverkennbar ägyptisch ist, beinahe einen unägyptischen Eindruck hinterlassen. Die letzte Abbildung Nr. 4 zeigt die Griffe zweier hölzerner Prunkstäbe, mit Gold überzogen und auf dem teilweise sichtbaren Schaft mit Ornamenten versehen. Die gebogenen Griffe, die gefesselte Neger darstellen, sind Meisterwerke der Schnitzkunst. Und so gibt es der Schätze noch viele, über die hier zu berichten wäre und die dem Leser dieses Buches durch das reiche Tafelmatcrial, 'das die gründlichen Ausführungen des Autors ergänzt, ein Kulturbild aus längst vergangener Zeit vermitteln. R. D—r. TUT-ENCH-AMUN - EIN ÄGYPTISCHES KÖNIGSGRAB Al.l». 3. Die Vorkammer: Nonls.-ite Mil Gencliinivunsr <ies Verlars A. V. Brockluu.s (l.eip/.io)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.