Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 11 (November 1924)
- Article
- Rabbi Akiba Eger auf dem Alten Markt in Posen
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 2)
- Language
- German
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M E N O R A H 7 sönlichkeit, von der eine geradezu faszinierende Macht ausging, so daß er, wie G r ä t z sagt, eine ,,an Vergötterung streifende Verehrung" genoß, und daß um seinen Namen sich ein Kranz von Legenden wand, die sein Andenken verklärten. Im Jahre 1761 geboren, wirkte er von 1791 bis 1815 im Städtchen Markisch- Friedland als Rabbiner und wurde 1815 nach Posen berufen, einer Gemeinde, die unter der bis 1 793 dauernden polnischen Herrschaft ein auf mannigfachen Verwaltungsgebieten selbständiges und mit staatlichen Privilegien ausgestattetes Gemeinwesen mit rabbinischer Gerichtsbarkeit bildete. Obwohl nach der preußischen Okkupation die Selbständigkeit des Kanal und seines an der Spitze stehenden Rabbiners aufgehört hatte, hatte dort das jüdische Leben seinen originalen Charakter gewahrt, trotzdem eine kleine, aber ziemlich einflußreiche Minorität eifrig bemüht war, einen „modernen" Geist in die Gemeinde hineinzutragen. Es waren bei der Berufung Egers große Widerstände dieser Minorität zu überwinden, welche gegen die Wahl den schärfsten Protest beim Oberpräsidenten einlegte, den Gewählten als einen „Fanatiker" schilderte und in ihren mannigfachen Eingaben an die Regierung unter anderem schrieb, daß derselbe „außerstande, eine reine Religion und echte Moralität zu lehren, dem Zeitgeist schnurstracks entgegenstrebt . . . , allen Sinn für Aufklärung und Bildung einschläfern wird, während die durch ihn vergrößerte Zahl der Bachurim dazu beitragen werden, den Verstand zu verrücken und der Jugend das Gehirn wirbelnd zu machen. Die Aufnahme des Herrn E g e r zum Rabbiner . . . , die dem Zeitalter zum Vorwurf gereicht und das Gefühl empören muß, würde von den traurigsten Folgen für die jetzige als auch die künftige Generation sein." y ' "5&! ■ «J(r Abb. I. MARKTPLATZ IN POSEN Gemälde von JULIUS KNORR