Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Jüdische Frauen in Palästina
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 22 (sequence 1)
- Language
- German
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22 M E N O R A H ä< 'c-: J=^ JFZ. Sl zs j& 2? zaj je; jl. Jüdische Frauen in Palästina Übersetzt aus dem Englische Das Publikum im allgemeinen -weiß bis jetzt noch sehr wenig von der fortschrittlichen Arbeit, welche von jüdischen Frauen in Palästina geleistet wird. Trotzdem führt man dort still, ohne Lärm und Reklame, ein konstruktives Werk aus, welches wohl von allen, die an den Wert und die Notwendigkeit weiblicher Unternehmungen glauben, Beachtung verdient. Vor vier Jahren hat eine kleine Gruppe jüdischer Frauen die W. I. Z. O. geschaflen, um greifbare Werte zum Wiederaufbau Palästinas beizutragen. Sie wollten denjenigen jüdischen Mädchen praktisch helfen, welche, zum großen Teil nach absolvierter Universität, aus Rußland, Polen und Zentraleuropa auswanderten, weil Palästina in ihnen eine glühende Begeisterung entfacht hatte. Aber selbst Bildung und Begeisterung, so wertvoll diese Eigenschaften auch als Vorbereitung sein mögen, reichen von selber doch nicht aus, um Geschicklichkeit in der Verrichtung körperlicher Arbeiten zu erlangen; die W. I. Z. O. entschloß sich also, diesen Mädchen die Möglichkeit zu geben, den Haushalt zu erlernen. Sie begannen Geld zu sammeln und ein Hostel (Mädchenheim) für junge Immigrantinnen zu errichten. Dieses war noch längst nicht beendet, als man schon neuer Bedürfnisse gewahr wurde. Die jungen jüdischen Mütter aus Europa und Amerika hatten keine Ahnung, wrie sie unter den neuen verwirrenden Verhältnissen des Klimas und der Umgebung für ihre Kleinen zu sorgen hätten. Es gab niemand, an den sie sich hätten wenden können; während man Mandate und Grenzen bespricht, können Babies sterben und Mütter verzweifeln. Die W. I. Z. O. entschloß sich kurz, hier einzuspringen, und durch die Freigebigkeit der jüdischen Frauen Neu-Seelands gelang es, eine Kleinkinderwohlfahrtsstelle nach dem Plunkett-System in Tel-Awiv zu eröffnen. Zwei englisch-jüdische Schwestern wurden angestellt, und die Zahl der Mütter, welche, Rat und Hilfe suchend, dorthin strömen, nimmt mit jeder Woche zu. Aus anderen Gegenden Palästinas kam der Ruf nach mehr Fürsorgestellen; ein jüdisches Frauenkomitee in Paris eröffnete eine solche in Haifa, und es werden Pläne gefaßt, diese Arbeit weiter auszudehnen, bis es im ganzen Lande, von einem Ende zum anderen, Kleinkinderwohlfahrtsstellen gibt. Das Hostel wurde letztes Jahr beendet, und es leben dort beinahe dreißig junge Mädchen. Aber eine Haushaltungsschule genügt den allgemeinen Ansprüchen nicht, man begehrte nach wissenschaftlichem Ackerbau, und die W. I. Z. O., stets bereit, sich in neuen Richtungen zu entwickeln, errichtet eine Farmschule in Nahalal, in Galiläa. Diese drei verschiedenen Unternehmungen verlangen viel Überlegung und Organisation und gut ausgearbeitete Entwürfe. Sie verlangen auch viel Geld, denn Anstalten müssen nicht nur gegründet, sondern auch erhalten werden, aber das Komitee enthusiastischer Frauen besitzt einen ausreichenden Vorrat an Energie und Zuversicht. Sie schreiten fest und sicher vorwärts, arbeiten, bauen auf und sammeln Geld unter den jüdischen Frauen aller Länder. Das Werk der jungen jüdischen Pionierinnen in Palästina wird erleichtert, weil ihre Schwestern auf der ganzen Welt sie ermutigen, und jene ihrerseits sind glücklich, das Vorrecht zu haben, ein klein wenig beizutragen an dem Wiederaufbau Jerusalems, nicht „In England's green and pleasant land", sondern auf den Bergen Judäas, wo die heilige Stadt seit Jahrhunderten geduldig harrt auf die Rückkehr derjenigen, die sie lieben. D. L. ADLER. t Erschienen in „The Woman's Leader", 29. Februar 1924. Was uns die Herbstmode Neues bringt Soweit sich die Herbst- und auch die Wintermode überblicken lassen, bieten sich keine großen Überraschungen, keine durchgreifenden Umgestaltungen, sondern bei Beibehaltung der Grundform, der Linie, schenkt uns die Mode eine unendliche Fülle neuer reizvoller Details. Die Versuche, die dem Directoirc-Slil entlehnten Modelle populär zu machen, scheinen umsonst zu sein, denn von einigen Modellen, die eine nach oben gerückte Taille und Godets aufweisen, abgesehen, ist wenig von einer tatsächlichen Umwandlung zu bemerken. Deutlich jedoch zeigt sich eine neue Linie in der Hutmode: die Zylinderform ist augenblicklich führend, dementsprechend auch das beliebteste Material Zylindersamt. Doch kann man dieses Jahr kaum von einem beliebtesten Material sprechen, denn sowohl Velours wie Filz und alle Arten Samthüte, ebenso wie solche aus Zylindersamt werden getragen und alle sind gleich schick, gleich beliebt, entsprechen nur verschiedenen Zwecken. Allen ist eine Eigenschaft gemeinsam: klein ist das Losungswort, die Cloche bewahrt sich die Sympathie der Frauen; kleine Variationen durch diskretes Aufbiegen des Randes, meist seitlich, erhöhen den Reiz. Als Laufhut bevorzugt man weiter den Filzhut mit englischem Bandputz; er erweist sich als sehr dauerhaft und stets elegant. Leder ist schon lange nur mehr für den Sport reserviert und hat einen Rivalen in einem Seidengewebe von lederartigem Charakter gefunden, das den Vorteil hat leichler zu sein. Samte aller Arten bilden das Material des Nachmittag- und Abendhutes und Federnschmuck feiert ungeahnte Triumphe. Von dem einfachen Hahnengesteck angefangen, bis zu den kostbarsten Paradiesflanken, gibt es eine unglaubliche Auswahl an schönem und kleidsamen Federnschmuck. Und wenn es auch nicht jedermanns Geschmack ist, ganze oder halbe Papageien auf dem Kopf spazieren zu führen, so wird doch jede Frau von kultiviertem Geschmack gern nach einem Strauß oder Reihergesteck greifen, das der Erscheinung Grazie und Eleganz verleiht. Doch nicht nur als Hutgarnierung werden Federn heuer verwendet. Auch zu allen Besätzen, die man sonst meist aus Pelz herstellte, bedient man sich heute der Federn. Marabu in Weiß oder zum Stoff eingefärbt als Verbrämung für Tea-gowns, Hauskleider, Bettjäckchen und Kinderkleider, ist ein stets graziöser und wenig kostspieliger Aufputz. Auf der Straße wirkt die schwarze Straußfeder, zu Kragen und Manschetten verarbeitet, auf einem schwarzen Tuch- oder Velourkostüm, sehr distinguiert. In Paris erregte ein ganz aus Straußfedern gearbeitetes Cape, mit golddurchwirktem Mousseline-Chi/fon gefüttert, großes Aufsehen. Theaterschals, Ballentrees und alle Arten Umhänge erscheinen wieder und bieten Gelegenheit zu ganz reizenden Schöpfungen. So ist es sehr kleidsam, statt der so modernen, aber oft für kleine, zarte Figuren zu plump scheinenden Pelzstolas einen in Stolafasson gearbeiteten Umhang zu tragen, der aus einem 1 K> m langen, 50 bis 60 cm breiten Stück Chiffon oder Crepe Georgette, in Tope oder Braun, auf den 1 bis 2 cm breite Maulwurfstreifen der Länge nach aufgesetzt sind, besteht. Diese Zusammenstellung, die einen weichen, leichten Umhang darstellt, hat den besonderen Reiz durch die Wechselwirkung des zarten Gewebes und dem matten Glanz des Felles.