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Menorah · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Article
Soharlegenden
Date
1924-10-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 M E N O R A H Jakob Steinhardt, Berlin Holzschnilt WINTERABEND (I. Buch Mosis, cap. 18, V. 4) : „Lehnet euch unter den Baum", um sie zu sehen und zu prüfen. So prüfte Abraham an jenem Baume alle Menschen. DAS ZITTERN DER ERDE Es sprach Rabbi Josse (Richter, cap. 5, V. 4) : „Herr, als Du auszogst von Seir, als Du herschrittest von Edoms Gefild, da bebte die Erde..." — dies war nämlich, als der Allheilige von Seir*) zurückkehrte, da sie die Thorah nicht annahmen, da bebte die Erde. Warum? Weil sie ins Chaos zurückkehren wollte. Denn so hatte es der Allheilige mit der Welt bedungen. „Wenn Israel die Thorah annehmen wird, dann ist es gut, wenn nicht, lasse ich die Welt ins' Chaos zurückkehren. Sowie nun die Erde sab, daß der Allheilige allen Völkern die Möglichkeit gegeben hatte, die Thorah anzunehmen, sie aber dieselbe zurückwiesen, und daß -von allen Völkern Israel allein noch übrig blieb — da dachte die Erde, daß auch Israel sie nicht annehmen werde, und darum bebte sie. Sowie aber Israel sprach: „Wir wollen es hören und tun", kam sie sofort zur Ruhe. Darum heißt der (Ps. 76, V, 9) : „Die Erde fürchtete sich und ward stille." Zuerst wird von der Furcht und dann erst von der Beruhigung gesprochen. Merke aber auch: Darum, daß Israel das Wort des freiwilligen Tuns gesprochen, braucht es vor keinem Tun mehr zu fürchten, das alle Magier der Welt bereiten könnten, und vor keinem Zauberbann der Welt. Dies kam auch daher, weil, als sie der Allheilige aus Ägypten führte, er alle Macht der Zauberei und Wahrsagerei vor ihnen gebrochen hatte. ^Sohar zum IV. Buch, Blatt 193, S. 1) DIE KRAFT DER FRÖSCHE „Die ihr des Herrn gedenket — nicht sei euch Ruhe" (Jesaia, cap. 62, V. 6) — damit ist Israel gemeint, jene, die am Morgen früh zum Gotteshause eilen, um dem Herrn, Er sei gepriesen, Lob zu singen, und ebenso am Nachmittag und des Nachts. Dafür bedachte sie der Allheilige in Ägypten, indem er über Pharao jene brachte, die auch bei Tag und Nacht nicht ruhen. Wer sind diese? Die Frösche, die gleichfalls ihre Stimme niemals unterbrechen, und all dies aus Anhänglichkeit an das heilige Wort, das Tag und Nacht nicht aufhört, dem Allheiligen Lob zu singen. Es gab keinen Menschen in Ägypten, der mit seinem Nächsten sprechen konnte, weil vor dem Geschrei der Frösche die Menschen einander nicht hören konnten. Die Frösche verdarben das ganze Land, und von ihrer Stimme starben Säuglinge und Kinder. Du meinst aber: *) Das Land der Edomiter. Konnte man sie denn nicht erschlagen? Vielmehr, wenn ein Mensch einen Stock oder einen Stein erhob, um einen Frosch zu töten, dann platzte er und aus seinem Leibe sprangen sechs Frösche, die über die Erde krochen, bis in solcher Menge, daß man ihnen nicht in die Nähe kommen konnte. iSohar zum II. Buche, Blatt 30, S. 1) Franz Rosenzweig Aus den Hymnen und Gedichten des Jehuda Halevi SEELE Seele — Jungfrau allerschönste, ihres Jugendliebsten, seiner Süße froh, Tagtäglich jauchzt sie: Meines Gesellen Lied von seinem Weinberg — o Lied der Lieder, das von Salome Seele — hinaus geht das Mädchen, zu schöpfen Heils Wasser voll Begier, Stimmt hell an beim Gehn, beim Kommen, die Gespielinnen mit ihr: Zeuch uns dir nach, so eilen wir. Seele — und Gottes Geist erweckt sie: Nicht zage du! Noch schmückst du dich mit Pauken und gehst im Reigen der Fröhlichen und bist mein, — stolz rage du! Mit mir vom Libanon, o Braut, mit mir vom Libanon o jage du! Seele, die neidumschlungene, feindumrungene, spricht Still ihren Spruch: Der mein Freund, — weiß und rot strahlt unter Tausenden sein Gesicht. Mächt'ge Wasser mögen löschen die Liebe nicht. Seele — anklagt sie sich heute: weh' daß sein Zorn noch nicht schwand! — Dann singt sie froh: Anseht mich, ich bin eine Mauer, von Edelstein eine Wand! Da war ich in seinen Augen wie eine, die Frieden fand. WELT O Herz, was jagst du nach Besitz und Reichtum, nach Welt, die krumm und nie — so will's ihr Fluch — schlicht! Sieh: wer erst seines Mantels Schleppe lang macht, wie leicht ins Knie er übers eigne Tuch bricht. Der Welt Betrug ist offenkund, und gleichwohl suchst hohen Rang in ihr du noch? Oh, such' nicht! DER JUDE Es schmäh'n mich Deinethalb, die irrn durch Nächte, die Diener erzgegossner Wahngemächte. Erwidert' ich: Gott dienen ist das Rechte. Was wirkten jene, was nicht Er vollbrächte? Wenn Er mir grollt, bin ich der Knecht der Knechte. Ist Er mir hold, bin ich die Macht der Mächte.

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