Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Das Kommissariat für Hygiene ... [Nachricht]
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 M E N O R A H lieh die Gründung eines Weltverbandes für soziale Hilfe ist in Aussicht gestellt worden. Auch hier werden sich Abgesandte aller jüdischen Parteien und Organisationen in den gemeinsamen Dienst um eine Mizwoh stellen. G'milus chassodim, die Werke der Liebe haben Agudas Jisroel und Poale Zion, Orthodoxie und Marxismus zu einem Verbände der liebenden Hilfe geeint. Dem Weltverband für soziale Hilfe sind hungernde Jeschiwoh-Bochrim ebenso nahe wie abgearbeitete Palästina-Chaluzim, fromme ukrainische Waisenkinder ebenso wie freigeistige Arbeiteremigranten. Es gibi nur eine jüdische Not. Das dürfen wir niemals vergessen. R. W. EREZ JISRAEL Im Monat August sind 2670 Emigranten in Erez Jisrael eingetroffen. Im Juli erreichte die Zahl der Einwanderer bloß 1 772. — Sir Herbert Samuel wird weitere fünf Jahre das Amt eines Oberkommissärs innehaben. — Eine Delegation der jüdischen und arabischen Handelskammern in Jaffa überreichte dem Londoner Kolonialamt ein Memorandum, in dem sie sich gegen das Haifaer Projekt und für den Hafenbau in Jaffa ausspricht. — Die palästinensische Regierung hat am 1 7. August eine Verordnung herausgegeben, nach der die Zölle und Steuern auf alle Gebrauchsartikel eine beträchtliche Erhöhung erfahren. — Der Keren Kajemeth hat im Tal Jesreel 34.000 Dunam Boden angekauft. Die Qualität des Bodens ist vorzüglich, die sanitären Verhältnisse zufriedenstellend. Der Komplex liegt auf beiden Seiten der Eisenbahn, von der er in einer Länge von 7 km durchschnitten wird. — Die diesjährige Wintersaat dürfte zwar hinter der vorjährigen Ernte zurückbleiben, wird aber einen mittelguten Querschnitt liefern. — Seit 1920 sind in Erez Jisrael 3 Millionen Bäume gepflanzt worden. — Vor kurzem wurde in Jerusalem eine neue Zigarettenfabrik gegründet, die ausschließlich palästinensischen Tabak verarbeitet. Auch in Rischon-le-Zion wurde eine Tabakfabrik errichtet. Ihr Besitzer ist ein Beiruter Großkaufmann. — Infolge der Teuerung des ausländischen Mehles nimmt in Erez Jisrael die Nachfrage nach einheimischem Mehl erheblich zu. Die Rothschild-Mühle arbeitet daher bereits mit zwei Schichten. — Die in Palästina vor kurzem gegründete jüdische Versicherungsgesellschaft „Ha-Sne" wurde legalisiert. — Die Konzession für die heißen Bäder in Tiberias ist dieser Tage in den Besitz einer jüdischen Gesellschaft übergegangen, die moderne Badehäuser zu errichten beabsichtigt. GALUTH In Danzig wurde eine Tagung des Weltverbandes Hechaluz abgehalten, an der Delegierte aus Polen, Litauen, Österreich, Ostgalizien, Rumänien, Deutschland, Rußland, Tschechoslowakei und Erez Jisrael teanahmen. — Auf der in Genf und Bern stattgefundenertSitzung der interparlamentarischen Union waren auch einige jüdische Abgeordnete als Vertreter ihrer Länder anwesend. — Neben dem „Hamaschbir" sind auf der in Genf eröffneten Internationalen Genossenschaftsausstellung die landwirtschaftlichen und industriellen Genossenschaften Palästinas durch eine eigene Abteilung vertreten. — In Polen gibt es 30.381 allgemeine Volksschulen mit 65.663 Lehrern und 3.395.376 Schülern. Außerdem sind 255 staatliche und 485 private Mittelschulen vorhanden. Unter den letzteren befinden sich 7 mit jiddischer und 7 mit hebräischer Unterrichtssprache Außerdem sind noch die Fachschulen der ,,ORT"-Gesellschaft zu erwähnen. — Der Bericht der jüdischen Zentralbank in Litauen weist für 1923 eine besonders große Vermehrung der Aktiva auf. Sie stieg von 2,481.606 Lit auf 14,151.636. Die Passiva dagegen habe sich bloß von 58.440 auf 350.025 Lit vermehrt. (Zehn Lit sind gleich einem Dollar.) — In Weißrußland sind nach der letzten Statistik etwa 21.000 Juden in der Landwirtschaft tätig; sie bearbeiten eine Fläche von 20.000 Desjatinen Land. Im ganzen existieren 201 jüdische Siedlungen. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE Vom 21. bis 28. August tagte in Karlsbad die zweite Jüdische Welthilfskonferenz. 75 Organisationen in 22 Ländern Europas, Asiens und Amerikas waren vertreten. Außer den Hilfswerken der zionistischen Organi sation. der Agudas Jisroel, der „ORT" und „Ose", hatten die großen jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände Europas und der Orden ,,B'nei B'rith" Delegierte entsandt. Die neugewählte Exekutive wurde ermächtigt, die Gründungsversammlung eines Weltverbandes für soziale Hilfe einzuberufen. — Das „Joint Distribution Commitee" hat beschlossen, für die jüdische Kolonisation in Sowjetrußland vorerst eine Summe von 400.000 Dollar zu bewilligen. — Der Beschluß des Präsidiums des allukrainischen Sowjet-Exekutivkomitees, Boden an die ärmere jüdische Bevölkerung zu verteilen, hat zur Folge gehabt, daß die zuständigen Stellen mit einer Flut von Gesuchen seitens der zur Landwirtschaft strebenden jüdischen Schichten überschüttet wurden. — Am 1 7. August begann die Delcgiertentagung der jüdischen Hilfsorganistationen in den Vereinigten Staaten. — Nach mehr als neunjähriger Tätigkeit hat das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee seine Bureaus geschlossen. Das Komitee hat viele Tausende Familien unterstützt, über 4000 Kinder ernährt und bekleidet, ferner etwa 1,000.000 tons Nahrungsmittel nach Mitteleuropa gesandt. 63,137.562 Dollar hat das Komitee in Amerika aufgebracht und durch den „Joint" verteilen lassen. — JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER In Nauheim starb Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen, der insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge Vorbildliches geleistet hat. — In Darmstadt verschied wenige Tage vor seiner Hochzeit Rabbiner Dr. Nathan Cahn. — Als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Rosenak wählte die Bremer Gemeinde Dr. Aber aus Salzburg. — In einer Warschauer Synagoge hat ein großes Meeting gegen die Entweihung des Schabbos stattgefunden. Die Versammlung hatte das Rabbinat und der Schomer-Schabbos- Verein einberufen. Es wurde eine Resolution angenommen, in der von der Regierung verlangt wird, das Zwangssonntagsgesetz abzuändern. — Der Stellvertreter des High Commissioner in Palästina, Sir Gilbert Clayton, hat auf Ansuchen des Oberrabbinats hundert Visa für Mitglieder der Slobotkaer Jeschiwoh erteilt. — Ein in Braille gedrucktes Gebetbuch für jüdische Blinde wird dieser Tage erscheinen. KUNST UND LITERATUR Der Schriftsteller Dr. Nachman Syrkin ist am 6. September in New York im Alter von 60 Jahren verschieden. Syrkin war einer der ersten Begründer des sozialistischen Zionismus, für den er bis zu seinen letzten Lebenstagen schriftstellerisch und propagandistisch tätig war. Er hatte sich außerdem auch als Biograph einen Namen gemacht. Syrkin schrieb unter anderem Monographien über Heinrich Heine und Moses Heß. — Der ehemalige Präsident der ungarischisraelitischen literarischen Gesellschaft Doktor Leopold Vadacz ist in Budapest gestorben. Er war einer der hervorragendsten Juristen Ungarns und Staatssekretär für Justizwesen im Ministerium Tisza. — Die königliche Akademie der Künste von San Fernando hat den Maler Max Liebermann zu ihrem Mitglied ernannt. Dieser ältesten Malerakademie Europas haben einst Velasquez und Goya angehört. — Aus Anlaß der Gemäldeausstellung der ungarischen Kunstakademie hat der Unterrichtsminister dem jüdischen Maler Adolf Fenyes die goldene Medaille zuerkannt, die nur alle drei Jahre verliehen wird. Adolf Fenyes' Gemälde behandeln zum größten Teil jüdische Motive. WISSENSCHAFT In Wien starb Professor Dr. Adolf Weiß. Er hatte erst vor kurzem eine vielbeachtete Übersetzung des Maimonides- Werkes „More Newochim" geschrieben. (Sein Buch wurde in Nr. 6 der „Menorah" besprochen.) — In Würzburg veischied der Bibelforscher Professor Dr. N. Porges. — Der Autor des Buches „Bismarck und die Juden", Ministerialrat Dr. Otto Jöhlinger ist in Berlin gestorben. -- Der bekannte Sozialrechtler Dr. Julius Ofner, dem Österreich einen Großteil seiner sozialen Gesetzgebung verdankt, feierte in Wien seinen 80. Geburtstag. — Der jüdische Gelehrte Dr. Ismar Ellenbogen wurde am 1. September 50 Jahre alt. — Rabbiner Dr. Felix Perles, der sich durch sprachwissenschaftliche Forschungen einen Namen gemacht hat, wurde zum Honorarprofessor für Aramäisch und Neuhebräisch an der Universität Königsberg ernannt. — In der diesjährigen Vorlesungsreihe der Darmstädter „Schule der Weisheit" des Grafen Hermann Keyserling wird der Vorsitzende des deutschen Rabbinerverbandes Dr. Baeck, Berlin, ein Referat übernehmen. ETABLISSEMENT EDUARD S ACH ER WIEN, I., OPERNRING 11 - RENDEZVOUS DER VORNEHMEN WELT