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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
Die Schacholympiade
Date
1924-08-01
Page
Seite 28 (sequence 1)
Language
German
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28 M E N O R A H SCHACH (Geleitet von RICHARD RETI) DIE SCHACHOLYMPIADE Das große Schachereignis des verflossenen Monats, der Schachwettstreit, an dem 55 Spieler, Angehörige von 17 Nationen, teilnahmen, ist zu Ende. In den nationalen Kämpfen blieben die Tschechen mit 31 Punkten Sieger, je mit einem Punkt Abstand gefolgt von Ungarn, der Schweiz und Lettland. Österreich und Deutschland nehmen bedauerlicherweise nicht teil. Der individuelle Kampf, das Turnier der neun Gruppensieger, brachte — eine Überraschung — dem Letten Mattison mit 5'/a Punkten den Sieg und damit die Amateur-Weltmeisterschaft. Zweiter wurde ebenfalls ein Lette, Apscheneek, dritter Colle (Belgien), vierter bis sechster geteilt Euwe (Holland), Vajda (Ungarn) und Tschepurnow (Finnland), siebenter Palau (Argentinien), achter Golmayo (Spanien) und neunter Havasi (Ungarn). Die schön verlaufenen schachlichen Veranstaltungen wurden schließlich mit der Gründung eines Amateur - Weltschachbundes, der „Föderation international des Echecs", gekrönt. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Obmann des Niederländischen Schachbundes, Dr. Rueb, gewählt. Im nachfolgenden bringen wir nun eine interessante Partie aus den Vorrunden: Weiß: Schwarz: Duchamps (Frankreich) Steiner (Ungarn) Zuckertorts Eröffnung. g7gb f 8-g7 0-0 1. S gl - f 3 S 2. c 2 — c 4 3. b 2 — b4 L 4. L c 1 — b2 5. d2 — d3 Zuerst sollte Weiß den Königsläufer fianchettieren und rochieren. 5....... d7-d5 6. c4xd5 S f (5 x d 5 7. Lb2xg7 Kg8xg7 8. D d 1 — d 2 Ganz verfehlt! Die Dame deckt von hier aus den Bauer, leistet aber sonst gar nichts. Geboten war Db3. 8....... Dd8 —dß 9. D d 2 - b 2 + D d 6 - f 6 Nun aber trifft Schwarz nicht das Richtige; es sollte hier K g 8 ziehen, denn im Mittelspiel hatte er viel eher Aussicht, aus den Eröffaungsfehlern des Gegners Vorteil zu schöpfen. 10. d3 —d4? Weiß beantwortet den schwächeren Zug des Gegners mit einem ganz groben Fehler. Er hätte die Damen tauschen sollen, wonach das Endspiel zu seinem Gunsten stand. Einerseits hätte er dann mit der Besetzung der c - Reihe und Belagerung der Schwäche c 7 gedroht, anderseits hätte sein vorgerückter b-Bauer den feindichen Damenflügel insofern in Schach gehalten, als dessen Bauern nur unter Schaffung weiterer Schwächen vorrücken konnten. 10....... S b8a6 11. a2-a3 Auf b 4 — b 5 würde S a 6 — C 5 folgen. 11....... c7-c5! Schwarz steht überlegen und bringt seinen Vorteil energisch zur Geltung. Der Textzug ist fein berechnet. 12. e2-e4 Falls Weiß mit bXc auf Figurgewinn spielt, so folgt: SXc5 13. Da2 Le6! 14. dXc S f 4 und Schwarz gewinnt. 12....... S d 5 - f 4 13. e4-e5 Df6— f5 falls g 2 — g 3, SO S d 3 + nebst D X f 3 und Schwarz gewinnt. 14. (14xc5 Die Annahme des Bauernopfers ist verderblich. Eine bessere Verteidigung bot S b 1 — d 2. 14....... Df5-C4 + Die Pointe! Weiß verliert die Rochade, und der schwarze Angriff wird unwiderstehlich. 15. K e 1 — d 1 erzwungen. 15....... Tf8-d8 + 16. S b 1 - d2 L c 8— g4 17. K d 1 — c 1 D e 4 — c 6 18. e5—e(i + Weiß möchte mit dem König über die weißen Felder b 1 und a 2 flüchten und kombiniert daher zunächst auf Abtausch des feindlichen Läufers. Aber die Kombination ist nicht echt. 18....... f7-f« 19. S f 3 — c5 Dclixeli fXe würde die Lage des schwarzen Königs unsicher gestalten. 20. S C 5 — f 3 Weiß hat nichts anderes, denn SXg 4 würde wegen der Antwort D c 1 + zu sofortigem Verlust führen. 20....... T a 8 - c 8 21. L f 1 - c 4 S f 4 —d3+ 22. L c 4 x d 3 T d 8 x d 3 23. T h 1 — e 1 D e 6 — d 7 24. h 2 — h 3 L g 4 x f 3 25. S d2 x f 3 S aß x c 5! So ein Opfer muß natürlich korrekt sein. 26. b4 x c5 T c8 x c5 r 27. Kcl-bl T d 3 — d 1 4- Stärker als sofort T b 5. 28. Tel x d 1 Falls K a 2, sj D.d 5 + nebst Tc2+. 28....... D d 7 x d 1 + 29. K b 1 — a 2 D d 1 - d 5 + Weiß gibt auf, denn er verliert die Dame. NOTIZEN Am 6. Juli fand in Trentschin-Teplitz ein Länderwettkampf Österreich—Slowakei statt. Es wurde auf 15 Brettern gespielt, Österreich siegte 9 :6. * In Eisenach und in Bremen fanden zwei kleine Nationalturniere statt. In ersterem gewann Wegemund, in letzteram wurde Wagner erster, während Professor Becker aus Wien mit Carls den zweiten und dritten Platz teilte. * In München findet gegenwärtig die 9. Tagung des Bayrischen Schachbundes statt. Es wird ein nationales Meisterturnier, ein Meisterschaftsturnier, ein Hauptturnier und ein Nebenturnier ausgetragen. * Am 3. August beginnt in Raab ein internationales Meisterturnier mit 16 Teilnehmern. Von großen Meistern wird wahrscheinlich nur Maroczy mitspielen. W. BERNHARD Folkloristisches Allerlei 45. DER UMWEG ZUM REICHTUM „Wenn ich tausend Ochsen hätte", sagte einst ein Mann, „und sie alle krepieren möchten and ich dann jedes Fell nur mit 10 Gulden verkaufen würde, war' ich noch immer ein Millionär". 46. DIE FOLGEN DER NEU¬ GIERDE Ein Ureman1) erhielt einst vom Zedoko-Gabbai'-') eine Plett:t) auf Schabbes. Er war nun sehr neugierig, zu erfahren, wie es bei dem Balbüs, an den er die Anweisung hatte, zugehe, namentlich, wie es mit dem Essen bestellt sei. Er benützte die erste beste Gelegenheit und erkundigte sich im Bade, wo alle Juden Freitag anzutreffen sind, über die Beschaffenheit des Tisches beim Balbüs X. Der Zufall fügte es, daß er gerade auf den Mann traf, auf welchen die Anweisung lautete. Dieser informierte den Fragenden dahin, daß X. wohl ein reicher, aber geiziger Mensch sei. Das einzige, was reichlich aufgetischt werde, seien die Fische. Am Abend trafen sich die beiden am Sabbattische. Der Gast, der den Gastgeber im Dampfbad unter sehr ungünstigen optischen Bedingungen zum ersten Male gesehen hatte, erkannte den im sabbatlichen Gewände vor ihm Sitzenden nicht. Es wurde der Kiddusch absolviert, und nun ging es ans Mahl. Dampfende Schüsseln voll Hecht und Karpfen kamen auf den Tisch. Der Gast erhielt eine besonders große Portion. Der arme Mann griff mit Begeisterung zu, und während er schon den leeren Teller vor sich hatte, schluckte der reiche Mann langsam und gemütlich einige Bissen hinunter. Als der Balbüs den Gast unbeschäftigt sah, schob er ihm bald seinen eigenen Teller zu. Dieser, in der Meinung, daß hier die Fische den Anfang und das Ende bedeuten, wurde auch mit dieser Ration fertig und fühlte sich bald satt und voll. Zu seiner Überraschung kam jedoch jetzt die Jauch4) mit den Lokschen''). Es duftete nach den besten Fleischqualitäten, und es entbrannte im Innern unseres Gastes ein Kampf zwischen Können und Wollen. Immerhin gelang es ihm, die Suppe niederzuringen. Die Prüfung war aber noch lange nicht zu Ende. Es kam das feine Geflügelfleisch, von dem die Suppe ja nur ein Vorbote war, mit allen den herrlichen Zutaten auf den Tisch. Er fühlte nun seine ganze Ohnmacht und brummte bei jedem Bissen unverständliche Flüche. Als aber schließlich der Zimes") und das Gebrutens7) aufgetischt wurden, hielt es ihn nicht länger und er schrie aus Leibeskräften: „A Riech in san Tatens Taten aran geflojgcn geworn, a sa Ligner, a sa Hiltaj!!s) ') Ureman, Urem — Mann, armer Mann. Mit Ureman werden aus Scheu Bettler, Schnorrer bezeichnet. ") Almosenvorstchcr. :1) Plett, Bollette, Anweisung auf ein Mahl; in früheren Zeiten waren die Gemeindemitglieder verpflichtet, solche Anweisungen zu honorieren. 4) Suppe. ö) Nudeln. ") Zwischenspeise, bestehend aus Gemüse und Mehlspeisen. 7) Gebratenes Fleisch. *) Ein kräftiger Fluch von etwa folgender Bedeutung: „Der Teufel in seines Vaters Vater herein, so ein Lügner, so ein Gauner." 47. DEUTUNGEN UND ANDERES Die Verse Ps. 1 10, 6—7 deutete angeblich R. Meirl Przemys'laner folgendermaßen: judin ba — gojim Asojlang, as die Jiden senen bei die Gojim, mule gea>i;'o;s muchaz rojsch bekimt m'e schon vün a Becherl Wein a zerbrochenen Kop, al ercz raba in Erez-Jisruel minachal baderech jischte, wed m'n ganze Fässer trinken al ken junni rosch, un* noch a freien Kop haben. Derselbe soll seinen Barbier mit folgendem Vers aus der Hymne „Anim Semiroth" verabschiedet haben: Assapru \crvojdchu 'ch hob mich gegult bei deinem Schwähr adamcho achanchu ich hob mir von ihm zu der Ader schlagen und a Kanne machen lassen, weloj jedalichu, aber dich will ich mscht kennen. Ein kleinstädtischer Maskil übersetzte den oft in der Bibel vorkommenden Satz yvajdaber Adonai cl Mosche: Und Gott sprach zu Morilz. Eine Vorsagerin las in den heiligen Tagen für die des Lesens unkundigen Frauen aus der einer älteren Zeit angehörenden jüdisch-deutschen Übersetzung vor. Sie kam zu dem Satze rvejU(on bechesed hisachu und sagte vor: un' er soll ungruten mit Genud dein Stihl; die weiter sitzenden Frauen hörten jedoch: un' er soll undruthen mit Druth dein Mühl; und so beteten sie auch in dieser Version weinend den Satz.

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