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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
Arnold Zweig: Geschichtenbuch [Rezension]
Date
1924-08-01
Page
Seite 27 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 27 —JÄ* /£" < / ' /P^*; (; riß ^/ i^i y-£&±M £iierariscße SZuiidscßau ARNOLD ZWEIG: Geschieht enb u c Ii. 6. bis 8. Tausend 1920; Söhne — Das zweite Gcschichtenbuch, 1923; beide Bücher im Verlag Albert Langen, München. Es sind richtige Gcschichtenbücher, zumal das erste, bunte; ein Guckkasten, durch den die seltsamsten Begebenheiten aller Zeiten geschaut werden können. Mit hundert anmutig geformten Stilarabesken begleitet Zweig seine Erzählung und versteht, Sprache und Rhythmus den Ereignissen anzupassen. Manche Novellen des ersten Bandes, wie zum Beispiel „Die Flucht der von Spandows" und vor allem die meisterliche Skizze „Tangente", sind mit selten gewordener Sprachzucht geschrieben; nur ein ganz reifes Schaffen konnte in wenigen Strichen nicht nur Zeitkolorit, sondern mehr noch — Menschenleben vergangener Tage zeichnen. Der zweite, weitaus problematischere Band ist aus völlig veränderter Atmosphäre heraus geschrieben. Stärker als im lichteren ersten Buche drängt düsteres Judcnschicksal sich in den Vordergrund. Mit dem veränderten Stoff verliert auch die Sprache ihr Leuchten. Ein schmuckloserer Stil und breitere Erzählart formt Roman fragmente. „Bcnarone" — eine Kleinstadtidylle — ist ein behagliches Intermezzo nach den vorangegangenen leidvollen Chroniken jüdischer Familien. Inhaltlich und sprachlich wiederum andersartig gibt sich die Schlußnovelle „Das Kind", ein in anmutiger Ironie ausklingendes Frauenschicksal. Rein novellistisch gesehen, ist das erste Geschichtenbuch das bessere; tiefschürfender erzählt das zweite. Wenn auch jüdische Motive wiederholt mitspielen, die Welt dieser Erzählungen ist von den überlieferten jüdischen Anschauungen weil entfernt. Die Juden und Jüdinnen dieser Bücher haben sich meist ihrem Vätergott entfremdet und leben ein verstörtes, unsicheres Dasein. Ihr Gehaben, besonders das Ethos ihrer Erotik, ist nicht die gesegnete Stille alt jüdischer, wirklicher Ehen. Es geistern gequälte Ahasverusgestalten in diesen Novellen. Noch eines: In seiner Historie „Jerusalem errettet", die zu den besten Erzählungen der ersten Sammlung gehört, schreibt Zweig wiederholt den jüdischen Gotlcsnamen, dessen Aussprache bekanntlich nicht nur verboten, sondern verschollen ist, in der falschen Transkription der protestantischen Bibelkritiker. Da Zweig doch schließlich und endlich auch für Juden schreibt, sollte er bei kommenden Neuauflagen die sicherlich nicht wesentliche Namensnennung Gottes beiseite lassen. Hiervon abgesehen, wird der jüdische Leser an diesen farbenfrohen Geschichten aus der anderen Welt seine Freude haben. R. W. MORITZ HEIM ANN: Wintergespinst. Zehn Novellen. S. Fischer-Verlag 1923 — Nicht die bequemen Diskussionen und Schilderungen der Modcliteratur, sondern das Abseitige, scheinbar dem Leben Entfernte, hat Heimann den Stoff zu diesen zehn, sehr verschiedenartigen, aber dennoch in einem Gleichklang sich einigenden Erzählungen gegeben. Da ist der Dr. Wislizenus, ein Sonderling, der in der Laune eines triebhaften Augenblicks einen Vagabunden tötet, dann das Schicksal des Ermordeten auf sich nimmt und mit der Geliebten des Landstreichers herumzieht; ein Knabe wird durch das plötzliche Sterben seines Vaters feinhörig, er ..behorchte die stummen Dinge des Alltags und ließ nicht nach, bis sie zu ihm sprachen"; ein heimlicher Dichter, ein Beamter, grüßt nach einem Theaterabend mit Versen die Sängerin des Cherubim, der Zufall spielt das Gedicht in ihre Flände, sie vernimmt den eigenartigen, ungestümen Ruf des Unbekannten, sehnt sich aus der Lüge ihrer Lcbenslinie zu diesem Einzigen, Echten und findet ihn nicht, weil der Namenlose ihr verborgen bleibt; ein von seiner Frau Verlassener tötet sein Kind, weil ihm sein Wesen täglich unfaßbarer wird, weil er keine Sprache zu ihm weiß; eine Frau, die sich von ihrer Verwandtschaft losgelöst hat, grüßt den soeben verstorbenen Bruder durch die Teilnahme an der Heimfahrt eines ihr fremden, ihr völlig unbekannten Toten; ein stiller, aufhorchender Knabe wächst bei einem heruntergekommenen, trunksüchtigen Vater und bei seiner vom Dulden müde gewordenen Mutter auf; als er einen spärlichen Freudentag erlebt und aufs Eis schlittern gehl, bricht sein Leben unter der dünnen, nicht trag fähigen Decke ein; ein deutscher Dichter empfängt in der heitersten italienischen Landschaft die Zuneigung zweier Schwestern, einer Leuchtenden und einer Stillen. Er schwankt und wählt die Leuchtende; er besinnt sich und weiß, daß doch nur die Stille ihn zum Letzten führen kann: „Sie erschien ihm als die Notwendigkeit seines Lebens, das andere nur als Zufall. Und er fürchtete dieses Zufällige, das, mochte es an sich auch beglückend genug sein, doch immer wieder sein Wesen in Unruhe und Trübe erhalten müßte"; ein bürgerlich gewordener Rechtsanwalt erinnert sich an ein Jugendcrlebnis, da er noch mehrere Tage und Nächte mit einem Handwerksburschen vagabundierte, der ihn irgendwie an Christus erinnerte; ein von behaglicher Stille gesättigter Pastor empfängt von seinem, eigene Wege gehenden Freunde, dem Kunsttöpfer, eine Vase mit Bildern aus der Tobiasgeschichte; die Vase beherrscht sein Leben, das erst frei wird, als sein jüdischer Pflegeknabe das Gefäß zertrümmert; Wintergespinst war von der Außcmvelt in ihn eingedrungen und hatte von ihm Besitz genommen. So formt Heimann auch das Schicksal in den anderen Novellen. Überall schlingt sich ein Wintergespinst um einen Menschen, bis es ihn irgendwie erdrückt oder bis er sich von ihm befreit. Diese sehr nachdenklichen Geschichten erzählt Heimann in einer hellen Sprache, mit einer Diktion allergrößten Formates. „Wintergespinst" ist eines der wenigen Bücher der letzten Jahre, die abseits vom Wege der Allzuvielcn Vollkommenheit erreichten. R. W. DAS HOHE LIED SALOMONIS. Argonauten-Verlag, Berlin 1924. — Von den fünf Megilloth, deren Erscheinen angekündigt wird, liegt die erste „Schir-Haschirim" vor. Der Gedanke, die biblischen Bücher in ansprechendem oder gar in luxuriösem Gewände herauszugeben, ist zu begrüßen. Lange genug waren die heiligsten Literaturdenkmäler unserer Gemeinschaft dazu verurteilt, in häßlichem, kaum dem Bedürfnis der praktischen Benützung für Unterricht und Gottesdienst genügendem Kleide vor unsere Aug;n zu kommen. Auch die für Lehrzwecke leider notwendige Gewohnheit, dem hebräischen Urtext links, oft auf der gleichen Seite sogar, die deutsche Übersetzung folgen zu lassen, war für den empfindlichen Leser ein Greuel. Mit diesen Gepflogenheiten hat die vorliegende Ausgabe gebrochen, und dieses Novum soll lobend erwähnt werden. Der hebräische Text ist nach der handschriftlichen Vorlage des Graphikers Sch. Rubin als Ganzes faksimiliert worden. Solange die hebräischen Typen lediglich für praktische Zwecke geeignet sind, für Luxusdrucke und dergleichen nicht in Frage kommen können, weil sie zu wenig variiert werden, mag dieser „Notbehelf" erlaubt sein. Es muß aber die Forderung erhoben werden, daß endlich die hebräischen Schriftkünstler mit der Herstellung von Vorlagen beauftragt werden, die die Möglichkeit geben, einen hebräischen, variierten Satz zu drucken. Damit würde einem Mangel abgeholfen, der sich innerhalb der hebräischen Druckereien unangenehm fühlbar macht und der nicht durch Notbehelfe, wie im vorliegenden Fall, beseitigt wird. Das Werk Rubins ist als Ganzes durchaus ansprechend, im einzelnen unsicher und zum Teil auch verbesserungsbedürftig. Die hebräische Type setzt sich aus verschiedenen, zueinander in einem bestimmten Verhältnis stehenden Grundformen zusammen, die geschickte Abwägung dieses Verhältnisses und die genaue Innehaltung der Grundformen ist maßgebend für die Güte des Resultats. Das Verhältnis der Grundformen zueinander ist Sache des Künstlers, der im vorliegenden Buch seine Aufgabe recht gut gelöst hat. Lediglich bei den über die Zeilen hinausragenden Buchstaben, zum Beispiel Lamed oder Ajin, zeigen sich Unsicherheiten, die auf die mangelnde Erkenntnis der Grundformen zurückzuführen sind. [Die Grundformen sind leicht durch Einspannen aller Buchstaben in ein Quadratsystem zu finden.] Außerdem sollte ein reichliches Studium alter Schriftdenkmäler die abhanden gekommene Schreibertradition wieder anknüpfen helfen. Hauptgebot aller Schriftkunst ist aber exakte Einhaltung gleicher Grundformen; in dieser Richtung muß der Schreibkünstler seine Studien an den Werken der Vergangenheit noch vertiefen. Der Buchschmuck zeigt manchen guten Gedanken, doch wirkt das Ganze wenig einheitlich. Der deutsche (nach dem Prospekt auch englisch vorhandene) Text ist leider etwas dürftig weggekommen. Buchstaben und Satz stechen unvorteilhaft gegon das Hebräische ab, der Bildschmuck fehlt gänzlich. Vermißt wird auch die Angabe, nach welcher Übersetzung dieser Text abgedruckt ist. Diese Angabe muß bei jeder Übertragung angegeben werden. Trotz einiger leicht zu behebender Mängel ist die vorliegende Ausgabe des „Flohen Liedes" ein Fortschritt. Die Ausgabe wird sicher Fremde finden. Erich Toeplitz. 25jährige Jubiläumsfeslschrift der „Jüdische Vol}{sstunme\ Brünn. Anläßlich des 25jährigen Bestandes der „Jüdische Volksstimme", Brünn, erscheint in vornehmer Ausstattung, illustriert, eine Jubiläumsfestschrift der „Jüdische Volksstimme". Es ergeht an sämtliche Personen, die während der 25 Jahre mitgearbeitet haben, die höfliche Aufforderung, der Redaktion ihre Namen und genaue Adressen ehestens mitzuteilen. Redaktion und Verlag „Jüdische Volksstimmc", Brünn, Adlergasse 9.

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