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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
[Nachricht]
Date
1924-08-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 M E N O R A H Der genossenschaftlich aufgebaute Betrieb umfaßt Abteilungen für Tischlerei, Elektroinstallation und Schlosserei und ist sehr gut beschäftigt. — Baron Edmund de Rothschild hat für die Bewässerungsarbeiten in der Kolonie Pclach Tikwah eine größere Summe vorgeschossen. — Die Lebensmittelpreise sind im Juni um 2" 1 % gegen den Vormonat gefallen, gegenüber dem Juni 1923 sind sie um 4'4% niedriger geworden. — Die orthodoxe Arbeiterorganisation „Hapoel Hamisrachi" in Haifa hat für ihre Mitglieder eine Bibliothek und einen Lesesaal eröffnet. — Nach dem letzten Beschlüsse des Rates für Sanitätswesen sollen nunmehr den Schülern der Talmud Thorah-Schulen — gegen 3000 an der Zahl — die gleiche medizinische Fürsorge zuteil werden, wie den Kindern der hebräischen Schulen der zionistischen Organisation. GALUTH Am 1. Tammus veranstaltete die litauische Palästinazentrale der Agudas Jisrael eine Konferenz der Bodenkäufer in Erez Jisrael. Es waren 32 Delegierte anwesend. — Die Not der jüdischen Arbeitslosen in Warschau verstärkt sich von Tag zu Tag. Im Gegensatz zu den nichtjüdischen Arbeitslosen, die an den staatlichen Notstandsarbeiten beschäftigt sind, bleiben die jüdischen Arbeitslosen ohne jede öffentliche Fürsorge. — Unter der Texiiiarbeiterschaft der Stadt Lodz, die sich zum größten Teil aus Juden zusammensetzt, herrscht gleichfalls Arbeitslosigkeit und Not. Von 56.000 Textilarbeitern sind über 38.000 seit . längerer Zeit arbeitslos. — Nach längeren Verhandlungen vereinigten sich sämtliche jüdische Handwerkerorganisationen Polens, die Bedeutung besitzen, zu einem gemeinsamen Exekutivkomitee. — Gegenwärtig sind mehr als 400 Chaluzim und Chaluzoth als landwirtschaftliche Arbeiter auf polnischen Gütern beschäftigt. — Die Synagoge von Jossashely bei Arad in Siebenbürgen wurde in einer Freitagnacht durch eine Dynamitbombe zerstört. — Der bekannte russische Zuckerindustriellc Hillel Zlatopolsky, der derzeit in Paris lebt, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — In Moskau wurde die allrussische Konferenz der Organisation „Hcchaluz" abgehalten. — Durch die regenarme Periode in Südrußland, in der Ukraine, ist auch für die jüdischen Kolonien in der Krim eine schwere Zeit hereingebrochen. Die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien, unter ihnen „Tel Chaj" und „Hamischmar" haben sehr empfindlich unter der Mißernte zu leiden. — Der indische Dichter Rabindranath Tagore bezeugte bei einem Bankett in Schanghai ein reges Interesse für den Aufbau Erez Jisraels. — In Long Branch wurde die 16. Jahreskonferenz der größten jüdischen Jugendorganisation in Amerika, der „Young Judea", abgehalten. WANDERUNG UND SOZIALE HILFE In diesem Jahre können auf Grund der Quote nur 2248 Emigranten nach Amerika hineingelassen werden. 10.000 russische Bürger warten in den verschiedenen Hafenstädten, meistenteils mit amerikanischen Visen versehen, auf die Einreiseerlaubnis. — Das Immigrationskomitee des amerikanischen Kongresses nahm einen Gesetzentwurf an, den der jüdische Kongreßmann Sabbat eingebracht hatte. Er besagt, daß Familien, die außerhalb der Quote ins Land gekommen sind und bereits die ersten Papiere haben, im Lande bleiben können. — Im Jahre 1923 wanderten in Kanada 2793 Juden ein. — Das Kommissariat für Landwirtschaft in der Ukraine hat am 16. Juli seinen Entschluß bekanntgegeben, jüdische autonome Kolonien in der Ukraine zu errichten. — Die Gesellschaft „ORT" hat in Rußland einen Wettbewerb für die bestverwaltete jüdische landwirtschaftliche Kollektivgenossenschaft ausgeschrieben. Den ersten Preis erhielt die Genossenschaft „Rasswjct", den zweiten die Genossenschaft „Hadieschda", den dritten die „Union Twartschestwo". — Die Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz „Ose" hat in Litauen drei Kindersanatorien eingerichlct, ferner Spielplätze für 1000 Kinder in Kowno. In Lettland wurden drei Sommerspielplätze errichtet. — Die russischen Flüchtlinge konnten in Bessarabien offiziell bis l. August Aufenthalt nehmen. — Die rumänische Joint-Abteilung hat im Verlaufe der letzten Jahre an verschiedenen Orten 51 Wohnungssiedlungen errichtet, in welchen 12.020 Flüchtlinge Wohnung gefunden haben. Unterstützt hat der Joint 47.535 Flüchtlinge, darunter 2180 Witwen, 336 Invaliden und 196 Vollwaisen. — In Wien wurde zur Versorgung der jüdischen Durchwanderer, die sich meistens in der größten Not befinden, ein Zentralhilfskomitee gegründet, das alle jüdischen Organisationen Wiens umfaßt, soweit sie an der Emigrationsfrage interessiert sind. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Ein Teil der berühmten litauischen Jeschiwah in Slobotka soll nach Erez Jisrael verlegt werden. Rabbi Abraham Grodzenski, einer der Jeschiwahleitcr, verhandelt diesbezüglich mit den in Betracht kommenden Faktoren des Landes. — Rabbi Ch. M. Kaufmann aus Pultusk ist gestorben. — Die New Yorker Chassidim veranstalteten für den Sadagorer Rebbe Isaak Friedmann eine überaus herzliche Begrüßung. Der Empfang fand in der Synagoge „Chassam Sofer" statt. — Der berühmte „Lubowiczer Rebbe" hat vor kurzem die Stadt Rostow-Don verlassen, weil er seitens der jüdischen Kommunisten Verfolgungen ausgesetzt war. Er suchte um die Erlaubnis an, seinen Aufenthalt in Leningrad nehmen zu dürfen. Diese Erlaubnis wurde ihm nun erteilt. — Auf Veranlassung des „Chofez Chaim" und des Rabbi Oser Grodzenski fand in Wilna eine Konferenz der Rabbiner des Gebietes von Wilna und Nowogrudki statt, an der siebzig Rabbiner teilgenommen haben. Die Konferenz wurde mit einer zweistündigen Ansprache des „Chofez Chaim" eröffnet und behandelte hauptsächlich die Frage der Erhaltung der Jeschiwoth. — Am 6. und 7. Tammus wurde in Krakau eine Distriktskonferenz von etwa 30 Rabbinern abgehalten. Sie beschäftigte sich vornehmlich mit Erziehungsfragen, insbesondere wurde das Thema „Reinheit der Familie" erörtert. — In Minneapolis regte die B'nej-B'rith-Loge an, daß die rabbinische Rechtsprechung der Vergangenheit — da der Rabbiner noch der Richter in seiner Gemeinde war — wieder eingeführt werde. Jüdische Anwälte in dieser Stadt setzten sich ebenfalls dafür ein, daß Streitfälle außergerichtlich durch Rabbiner geschlichtet werden. Es wurde ein Statut zur inneren Organisation solcher Rabbinergerichte abgefaßt. KUNST UND LITERATUR Am 9. Juli starb in Amerika Dr. Isaac Hourwich, der unter dem Namen „Jitzchak Ben- Ari Zwi Halevi" bekannt geworden ist. Er war einer der ersten jüdischen Journalisten in Amerika. — In Berlin starb der bekannte russischjiddische Übersetzer Alexander Eliasberg. — Schalom Asch hat sich zu dauerndem Aufenthalt in Warschau niedergelassen. — Der greise jiddische Arbeiterdichter Morris Wintschewsky war in Moskau Mittelpunkt vielfacher Ehrungen. — Der hebräische Schriftsteller Morderchai Ben-Hillcl Hakohen feierte in Erez Jisrael sein fünfzigjähriges Schriftstellerjubiläum. — Der bekannte jüdische Schriftsteller A. D. Nomberg feierte am 16. August das Jubiläum seiner 25jährigen literarischen Tätigkeit. — Der Leiter der Kunstgewerbeschulc Bezalel in Jerusalem, Professor Boris Schatz, erhielt vom Wiener Münzamt die Mitteilung, daß in einer großen Wiener Mcdaillenausstellung auch die von ihm geschaffenen Medaillen ausgelegt werden. — Max Liebcrmann wurde zum sechsten Male zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt. — Die Leitung des Wiener jüdischen Museums hat von der Regierung eine große Sammlung jüdischer Metallgefäße antiken Charakters erworben. Sie sind während des Krieges für die Munitionserzeugung beschlagnahmt worden. Gegenstände antiken Wertes wurden nicht eingeschmolzen, sondern gesammelt. Auf diese Weise entstand eine ungemein interessante Sammlung von jüdischen, traditionsgemäßen Gefäßen und Hausgeräten; manche Stücke sind viele Hunderte Jahre alt. — Die Warschauer Gesellschaft zur Verbreitung jüdischer Kunst wird in der nächsten Zeit in sämtlichen jüdischen Zentren Polens Werke bedeutender jüdisch-polnischer Maler und Graphiker ausstellen. — Das britische Museum hat vor kurzer Zeit eine größere Anzahl Kupferstiche des berühmten jüdischen Bildhauers Professor Henry Gliccnstein erworben. Glicenstein hat sich neuerdings viel der Kupfersticharbeit gewidmet. WISSENSCHAFT In Krakau starb der jüdische Historiker F. H. Wettstein. — Am 15. September wird der 100. Geburtstag des Mitbegründers der Völkerpsychologie, Professor Dr. Moritz Lazarus, gefeiert werden. — Die französische „Academic des Inscriptions et Belles-lettrcs" hat Herrn Theodor Reinach in das College de France berufen. Er hat den vakanten Lehrstuhl für antike Münzenkunde übernommen. — Der Leiter der Berliner jüdischen Gemeindebibliothek Dr. Stern wurde 60 Jahre alt. — Am 21. Juli ist die Universilätskon ferenz eröffnet worden. Die Sitzung beschäftigte sich vor allem mit der Frage der Eröffnung einer geisteswissenschaftlichen Abteilung der Universität Jerusalem. — Professor Dr. Eugen Mittwoch, ordentlicher Professor für Orientalia an der Berliner Universität und Direktor des orientalischen Seminars, erhielt einen Ruf an die Universität Jerusalem zur Einrichtung und Leitung der semitischen Abteilung. Ferner wurde auch Rabbiner Dr. Chajim Heller, der bekannte jüdische Gelehrte, dorthin berufen. — Die Exekutive der B'nej B'rith in Amerika hat beschlossen, für die hebräische Universität in Jerusalem ein namhaftes Stipendium bereitzustellen. — Die Jerusalemer Universitätsbibliothek hat von dem Carnegie-Institut eine Sammlung naturwissenschaftlicher Werke erhalten. — Die Exekutive der zionistischen Organisation hat über Anregung von Dr. Martin Buber beschlossen, im Rahmen der Jerusalemer Universität eine Landes-Volkshochschule zu errichten. — Die staatliche Rechtswissenschaftshochschule in Jerusalem erteilte am 10. Juni ihre Abgangszeugnisse an die ersten Studenten, die den Kursus mit Erfolg beendet haben. 45 Studenten haben promoviert, unter ihnen 38 Juden. — Zwei jüdische Archäologen, die Professoren Sosnowski und Auerbach, die sich seit 1922 mit Ausgrabungen in Sibirien beschäftigen, haben dort die ersten menschlichen Wohnsiecllungen gefunden. — Das Kollegium der Universität des Staates New York hat das Theologische Seminar beauftragt, dem Rabbiner Isaac Elchanan vom Rabbinerseminar in New York die Genehmigung zu erteilen, seinen Schülern den Doktorgrad für hebräische Wissenschaft und Literatur zu verleihen. ETABLISSEMENT EDUARD SACHER WIEN, I., OPERNRING 11 - RENDEZVOUS DER VORNEHMEN WELT

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