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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. 1

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Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
Die jüdischen Parteien ...
Date
1924-08-01
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH II. JAHRGANG AUGUST/SEPTEMBER 1924 NR. 8/9 UMSCHAU Die jüdischen Parteien innerrmlb und auf?crhalb Erez. Jisracls konzentrieren neuerdings ihr Hauptbemühen darauf, sich gegenseitig als Verräter zu titulieren, in sogenannten „jüdischen" Zeitschriften das Antlitz: des Bruders mit solcher Liebe zu beschmutzen, daß selbst der harmloseste Judenfeind seine Freude daran haben könnte. Während auf diese Weise ein Großteil der jüdischen „Aufbau'energicn für nichtiges Gczänke verbraucht wird, ereignen sich in Erez Jisrael — abseits von den Reklamebegebcnheitcn der Presse aller Parteilagcr — Vorkommnisse, die jedem, der den Blick für soziale Symptome besitzt, die Gefahr des entzweiten Jischuw im grellsten Lichte schauen lassen. Eine einfache, völlig unbeachtet gebliebene Meldung: „In Tel Awiw ist ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Am Sabbat drang eine Anzahl von Kind er n im Aller v o n e l f bis dreizehn Jahren durch das Dach in das Lokal des jüdischen Konsumvereines Maschb i r\ nachdem sie die Dachpappe aufgeschnitten hatten. Sic entwendeten das dort liegende Notgeld des Maschb'u im IVerte von mehr als hundert Pfund, stempelten das Ccld mit dem dort vorgefundenen Stempel ab und versuchten es zu verbreiten. Da nicht der richtige Stempel verwendet norden war, gelang es, die Tater ausfindig zu machen. Es sind a s c h l( e n a s i s c he Kinder aus den armen Schichte n." Diese eine Meldung teilt vier Tatsachen mit, von denen eine jede genügen würde, die Nutzlosigkeit und Ohnmacht jeder zionistischen oder antizionistischen Erez-Jisracl-Phraseologie zu dokumentieren. Nämlich: Es gibt in Erez Jisrael Menschen, Juden, die aus Hunger gezwungen sind, Einbrecher zu werden. Ferner: Diese „Einbrecher" waren Kinder, jüdische Kinder, im Alter von elf bis dreizehn Jahren . . . Ferner: Das soziale Empfinden dieser Armenkinder ist vollkommen zerrüttet; wie hätten sie sich sonst ihre Beute aus dem Lager des Konsumvereines geholt, aus dem „Maschbir", der ihnen doch als uneigennütziger Kaufmann des Arbeiters und unteren Mittelstandes bekannt war! Aus all diesem ergibt sich mit Notwendigkeit: der Einbruch geschah am Sabbat, am Tage der jüdischen Heiligung, an einem Erez- Jisrael-Sabbat. . . Es werden die einen nach ihrer Schablone sagen: Diese Kinder sind Ausnahmen — und die anderen nach ihrer Schablone: Die Eltern waren Gcsetzesleugncr — Wer weiß? Wieviel hungrige Kinder laufen in Tcl-Awiw, in Jerusalem, in Haifa herum, ohne geradezu Diebe zu werden? Und wieviel körperlich und seelisch verwahrloste Kinder, speziell Mädchen und Frauen, verkommen in den Quartieren der Frommen in Schmutz, Elend und Unwissenheit? Wichtigkeit, diesen Vorfall aufzubauschen, werden die unbelehrbaren Pavteistrategen aller Lager sagen. Und ihre nächste Sorge ist nicht der Aufbau des Landes, sondern die Entzweiung des Volkes. Und über entweihte Kindergesichter wird zur nächsten, ungemein wichtigen Tagesordnung weitergegangen. * Wir haben keinen Respekt vor der Größe. Obwohl es kein Volk der Erde gibt, das zäher an seinen Traditionen hängt, fügt es die merkwürdige Zusammenballung der jüdischen Seele, daß wir im Rufe stehen, auch das respektloseste Volk der Erde zu sein. Vielleicht ist die historische Distanzlosigkeit des Juden auf unerschütterbare Naivität zurückzuführen, jedenfalls ist sie eine Tatsache, die beim Aufbau der größten wie der kleinsten jüdischen Gesellschaft als Faktor beachtet werden muß. Zwei Nachrichten aus sonst arg verfeindeten Lagern lassen die gleiche Note hören: In Lublin wurde eine W e 1 t-Jeschiwah gegründet und in Jerusalem soll es bald ein W e 1 t-Rabbinat geben. Daß es sehr erfreulich ist, wenn in einer Zeit des geistigen Niederganges eine neue große Thorahlehrstätte gegründet wird, haben wir an gleicher Stelle in der vorigen Nummer vermerkt. Daß es ebenso begrüßenswert wäre, wenn allseits als Autoritäten anerkannte jüdische Lehrer sich in Jerusalem zu einem g r o ß e n Rabbinatskollcgium vereinigen würden, braucht nicht erst begründet zu werden. Die Sammlung, Sichtung und Begutachtung der gesetzlichen Entscheidungen, die heute jeder kleine Raw im kleinsteh Städtchen in ziemlicher Selbständigkeit fällt und fällen muß, ist dringender denn je. Aber muß eine derartige rabbinische Körperschaft, wenn sie in irgendeiner Form und mit allgemeiner Billigung sich bilden würde, gleich den Titel, die Geste eines W e 1 trabbinats führen? Haben wir Juden denn wirklich keinen Respekt vor dem hundertmal geheiligten Wort „aulom"? Muß eine Jeschiwah, die groß und berühmt ist oder es sein wird, deswegen sich gleich mit dem Zierat einer W c I tjeschiwah behängen? Wozu diese Gesten? Sie schaffen doch ohnehin nichts als Neid oder Hohn! Die Profanierung altjüdischer Ausdrücke, wie „Schekcl", „Maasser", ,,Gculah", hat so ihr geistliches Gegenstück gefunden. An dem Tage, wo die Erkenntnis allgemein wird, daß sich der wahre Aufbau des Volkes uud des Landes nur in schlichten Besinnungsstunden vollzieht, werden diese Stuckfassaden bröckeln, und die jüdische Seele wird den Respekt vor ihrer eigenen, wahren Größe gefunden haben. R. W. EREZ JISRAEL Im Monat Juni sind 1795, im Juli 1772 Immigranten in Erez Jisrael eingetroffen. Die Zahl der Männer und Frauen, die ein mäßiges Vermögen mitbringen, erreicht jetzt ungefähr die der mittellosen Arbeiterchaluzim. Die Familienwanderung nimmt zu: unter den Juni-Einwanderern waren gegen 300 Familien mit etwa 1 100 Angehörigen. — In den Einwandcrungslagerri gibt es derzeit keine auf Arbeit wartenden Immigranten, da alle Neuankommenden, wenn irgend möglich, bei den Tabakarbeiten untergebracht werden. — Palästina wurde in den englisch-polnischen Handelsvertrag mit einbezogen. Der Vertrag ist Ende Juni in Kraft getreten. — Der B'nej- BVith-Orden hat in der Nähe von Jerusalem Land für eine Gartenstadt erworben. — Polnische Juden haben an der Grenze von Bajit w'gan einen Bodenkomplex von 1800 Dunam erstanden, um dort eine städtische Siedlung anzulegen. — Zwischen Tel Awiw und Petach-Tikwah wurde an der Stelle des historischen „B'ncj Barak" von einer Gruppe polnischer Einwanderer der Grundstein zu einer neuen Kolonie gelegt. — Die Palcstine Land Development Company hat neuerdings 16.000 Dunam Land in Afulch (Emck Jisrael) erworben. — Am 10. Juli wurde der Grundstein zur neuen Misrachi-Kolonie „Kfar Jwri" gelegt. Auch der Grundstein zur neuen Tachkemonischulc in Tel Awiw ist bereits gesetzt worden. Der Bau wird im Herbst beendet sein. — Die Standard Oil Company hat der palästinensischen Bau-Kooperative Solelboneh einen Bauauftrag auf 1000 Pfund erteilt. — Seit Mitte Februar arbeiten in Tel Awiw und Jerusalem zwei Werkstätten des „Blau-Weiß" Deutschlands. Vornehmste Herrengarderobe nach Maß aus original-englischen Stoffen. Schnitt und Ausführung anerkannt tadellos bei ARTHUR LEDERER CFranz Schlafs Söhne NfgO Wien, I,.Operngasse 16, I, Stock Gegründet im Jahre I825. — Telephon 24-12 nrichtung für streng rituelle Ausführun Größte internationale Kunstwerkstätte für Perücken, Scheiteln und Transformationen liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmen orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialität: Brautscheiteln, diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht Othmar Schiff Wien, I., Kärntnerring Nr. 6 (gegenüber dem Hotel Bristol)

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