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Menorah · 1924-07-01 · Heft 7 (Juli 1924) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 7 (Juli 1924)
Article
Illustrierte Haggadoth
Date
1924-07-01
Page
Seite 6 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH ILLUSTRIERTE HAGGADOTH Von ERICH TOEPEHZ, Frankfurt a. M. Abbildungen stammen aus der Vorbildersammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, Frankfurt a. M. Nachdruck verboten — Fortsetzung aus Heft 4 und 6 dieses Jahrganges Ein weiterer illustrierter Haggadahdruck, der für die Folge in Italien maßgebend wurde, erschien 1629 bei Bragadani in Venedig, er war von Giovanni Caleoni gedruckt. (Das Auftreten eines weiteren christlichen Druckers darf uns nicht zu falschen Schlüssen verleiten, es handelt sich um eine auf Grund der Verweigerung von Druckerlaubnissen an Juden entstandene anormale Lage.) Die Haggadah Bragadani zeigt in Folioformat eine klare und übersichtliche Anordnung des Textes, der von einer Umrahmung: an den Seiten der Kommentar ,,Zli Esch", oben ein architektonische Bekrönung gefaßt ist. Der Bildschmuck ist als obere und untere Füllung verwandt, nur bei der Aufzählung der rituellen Handlungen, bei den zehn Plagen und bei Bitterkraut und Mazzah ist das entsprechende Bild in den Text eingeschoben. Außerdem unterbrechen zahlreiche Initialen mit figürlichem Schmuck den Text, eine neue Idee, die von nun an zum dauernden Besitz der italienischen und auch der weiterhin zu erwähnenden Amsterdamer Haggadah wird. Hin und wieder finden sich einzelne Figuren innerhalb des Rahmens, das dürfte auch die einzige Erinnerung an ältere Ausgaben sein, alle Kompositionen sind in Erfindung und Gestaltung durchaus neu. Eine weitere Ausgabe von 1663 weicht nur in unwesentlichen Einzelheiten von der von 1629 ab (Drucker Lcrenzo Pradotto, Verlag Bragadini), das gleiche gilt von derjenigen von 1716, die allerdings bereits deutliche Spuren des Verfalls zeigt. Etwas besser fällt die bei Vendramina 1740 erscheinende, im Typus derjenigen von 1663 gehaltenen Haggadah aus, die letzte der mir zugänglichen Folioausgaben. In Quart folgt dann eine 1 758 bei Bragadini erschienene Haggadah, die die Bilder der Ausgabe von 1629 bringt, jedoch alle weiteren Bilder und Schmuckleisten fortläßt. Nicht nur das Papier, sondern auch die Bilder stechen gegen die älteste Ausgabe höchst unvorteilhaft ab. Mögen die Bilder der 181 1 in Pisa bei Samuel Molcho erschienenen Haggadah etwas besser ausfallen, die alte Qualität wird nicht mehr erreicht. Der Typus Bragadinis setzt sich in Livorno (1825 bei Belforte, 1847 bei Tobiani, 1891 und 1911 bei Belforte & Co.) fort und ist gegen die Resultate der Presse in Deutschland zur gleichen Zeit zwar noch eine Glanzleistung, doch reicht er bei weitem nicht an das Original von 1629. Diese Venediger Ausgabe muß der ältesten Kupferstichhaggadah vorgelegen haben, denn sowohl die Initialbilder als auch diejenigen der rituellen Gebräuche und der zehn Plagen tragen verwandte Züge. Im übrigen sind die Bilder neue Erfindungen, die einen geübten Stecher verraten, sie sind frei in den Text gesetzt und treten als selbständiaer Teil des ganzen Buches auf. Damit ist das alte System der als Rahmen oder doch als obere und untere Leiste auftretenden bildlichen Beigaben verlassen. Schon Bragadini hat in seiner ersten Quartausgabe von 1758 zum Teil allerdings wegen des kleineren Formats den Rahmen fortfallen lassen und sich mit oben oder unten auf die Seiten gesetzten Bildstreifen begnügt, eine Einteilung, die auch seine Nachfolger in Pisa und Livorno beibehalten haben. Das selbständige Bild innerhalb des Textes entspricht auch dem Zeitgeist, denn jetzt — 1695 erscheint die Erstausgabe der Kupferstichha<2gadah — wird die Kunst als ein besonderer Teil der Gesamtkultur aufgefaßt. Der weiteren Ent wicklung, daß das nunmehr selbständig gewordene jüdische Bild sich vom Buch emanzipiert, trat die Entjudungsperiode entgegen, die zirka 1800 einsetzt und dem jüdisch-kulturellen Eigenleben ein jähes E^de bereitete. Mit diesem Verfall der Eigenart endet auch die Tätigkeit der jüdischen Buchillustratoren. Die letzte Blüte der ganzen jüdischen Buchkunst vor der Assimilationsperiode dürften die von Abraham ben Jakob gestochenen Bilder der 1 695 bei Moses Wesel erschienenen Haggadah sein. Dieser folgte 1712 eine zweite, nur durch ein anderes Titelblatt und anderen Hintergrund der Bilder unterschiedene, die bei Joseph Proops herauskam") . Schon 1710 war nach dem Amsterdamer Vorbild in Frankfurt am Main ein Nachdruck der Amsterdamer Ausgabe erfolgt, der nicht viel hinter dem Original zurückbleibt. Die Vergröberung der Vorlagen beginnen in Fürth 1 760 und folgenden Jahres in Sulzbach und am schlimmsten in Offenbach 1721, bei den letzteren ist der Ursprung kaum noch zu erkennen. Eine freie und auch qualitätsmäßig erfreuliche Nachbildung brachte Joseph Antoine 1 767 in Metz heraus, dessen Kartenbeilage auch einen Stechernamen Colin fec. 1 753 [!] aufweist. Eng an das Amsterdamer Vorbild schließt sich die Haggadah an, die 1 794 und 1823 bei Anton Schmidt in Wien herauskam, sie hat unter den genauen Kopien die beste Qualität. Unter den freien Behandlungen der Vorlage verdient neben der Metzer noch die 1816 in Basel bei Wilhelm Haas erschienene Haggadah erwähnt zu werden, bei der der Zusammenhang mit der Amsterdamer Vorlage nur an wenigen Stellen deutlich wird. Auch hier findet sich eine Bezeichnung, und zwar C. M. auf Seite 12, die ebenso wie die auf Colin lautende zur näheren Erklärung des Kunstkreises herangezogen werden könnte. Diese Arbeit müßte einmal in Angriff genommen werden, zumal Künstlernamen in jüdischen Bilddrucken ungemein selten vorkommen. Wenn die illustrierten Haggadahhandschriften in der Haggadah von Sarajevo eine ausgezeichnete Würdigung gefunden haben uad ,wie verlautet, neuerdings behandelt werden sollen, so verlangen auch die Drucke eine bessere Bearbeitung, als dies in der jüdischen Bücherei der Fall Avar. Die Freude am alten hebräischen Buch, die sich in zahlreichen Werken10) ausdrückt, dürfte eine erzieherische Nebenwirkung auf die modernen Produktionen ausüben, die sehr nützlich wäre. ") Schwarz bildet diese als Erstausgabe ab oder überläßt die Entscheidung dem Leser. "') Siehe die Arbeiten des Verlages Marx & Co., Berlin, Rimon- Berlin und anderer. EINS IST Ich bin dein Gott in Meiner Glorie Gluten, In Mir geeint und froh an Meinem Licht! In Mir wird eines tiefen Atems Fluten Und still, was lärmend aus dem Chaos bricht Und mit des Glücks und Leides Zungen spricht. Was ist Mir Glück und Leid — dies Menschenfieber? Wie rührt es an Mein ewiges Gericht? Wenn es Mir naht, geht es in Frieden über. Vor Meinem Blick ist Eines Qual nicht trüber, Als eines Andern Glück ist! Ihr nur seht Zwiespältiges und schreit an Mir vorüber! Was, meint Ihr, seid Ihr? Meiner Welt Gebet! Was Ihr als Oual — was Ihr;ils Glück versteht — ES IST NICHT! EINS IST: MEINE MAJESTÄT! URIEL BIRNBAUM ETABLISSEMENT EDUARD SACHER WIEN, I., OPERNRING 11 - RENDEZVOUS DER VORNEHMEN WELT

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