Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1924-07-01 · Heft 7 (Juli 1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 7 (Juli 1924)
Article
D'rischat Zion
Date
1924-07-01
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2912821-2912828-2912835-2914305--00906-2914384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

M E N O R A H unter dem Blasen der großen Posaune die auf der ganzen Erde verstreuten Juden zu sammeln und nach Jerusalem zu führen, oder daß er dort eine Feuermauer erriciiten und, der Tempel vollkommen erbaut, vom Himmel herunterkommen wird! Nicht so, mein verständiger Leser. Gewiß werden alle Verheißungen der Propheten am Ende der Tage in Erfüllung gegangen sein, aber nicht plötzlich wird die Erlösung Israels kommen, an einem Tage. Nur nach und nach wird Israel erlöst und nur allmählich kommt die Hilfe...... Nachdem ich das Wesen der Erlösung geschildert habe und aufzeigte, wie diese eintreten wird, will ich untersuchen, auf welche Art es uns möglich sein wird, den heiligen Boden zu gewinnen und dieses heilige Ziel zu verfolgen. Ich meine, es tut not, viele Menschen in Palästina anzusiedeln und das Land urbar zu machen, denn dies allein ist erst als der Anfang der Erlösung zu betrachten. Deswegen rechnen es unsere Lehrer als hohen Verdienst an, in Erez Israel zu wohnen, und sagen: Wer in Erez Israel vvchnt, gleicht einem Menschen, der einen Gott hat, denn es heißt: Euch das Land Kanan zu geben und Euer Gott zu sein (Lew. XXV. 28) . Haben denn, fragt der Talmud, alle, die außerhalb Erez Israel wohnen, nicht einen Gott? Allein es will dies sagen: Jeder, der im Auslande wohnt, gilt, als ob er Götzendienst treiben würde. So heißt es auch von David: Sie haben mich vertrieben von dem Erbteil des Herrn und sprechen: Fort diene fremden Göttern (Samuel I, 26 . 19). Wer spricht denn zu David: ,,Gehe, diene anderen Göttern?" Auch dies will sagen: Jeder, der außerhalb Erez Israel wohnt, wird betrachtet, als ob er Götzendienst triebe. (Ketubot 110 b). Ferner sagen unsere Weisen im Namen des Rabbi Anan: Wer in Erez Israel begraben liegt, gilt so, als wenn er unter dem Altare begraben wäre (ebenda III a). Es heißt auch: Wer bloß vier Ellen in Erez Israel begeht, der ist des zukünftigen Lebens teilhaftig. Das will sagen, wenn jemand sein ganzes Leben hindurch gestrebt hatte, ins heilige Land zu kommen und es ihm zuletzt gelungen ist, auch nur vier Ellen breit Erez Israel zu betreten, so wird ihm die gute Absicht, mit dem Abschlüsse seiner Tat als Ganzes gerechnet, und er ist des zukünftigen Lebens sicher. Es wird ferner gesagt: Wer in Palästina wohnt, ist frei von Sünden, denn so heißt es: Dem Volke, das (in Erez Israel) wohnt, ist seine Sünde erlassen. (Jes. 33, 24, ebenda.) Wer in Demut seinen Tagen nachgeht, irdische Genüsse gering schätzt und aus Liebe zum heiligen Lande sich mit Wenigem begnügt, ist frei von Sünde. Den Prophetenausspruch: „Er gibt Lebenshauch denen, die auf ihr wandeln" (Jesaja 42 . 5) , erklären unsere Weisen dahin, — Gott gibt denen, die in Erez Israel wohnen, einen neuen Geist und eine frischeScele. In diesem Lande nämlich entbot der Ewige den Propheten die Fülle seines Segens, außerhalb Palästinas aber gab es keinen Propheten, ausgenommen Ezechiel und Daniel, weil diese schon vorher in Palästina der Weissagung teilhaftig worden sind...... Warum also sind wir noch untätig? Wie lange noch werden wir uns über Jerusalem nicht erbarmen? Wie lange noch werden wir die Verlassenheit ihrer Steine nicht fühlen, ihren Staub nicht küssen? Wie lange noch werden wir nur fremdes Land lieben und uns der Täuschung hingeben, als ob es uns schon mit der Sehnsucht allein gelingen würde, ins heilige Land zu fliegen. Nicht dies ist der Weg, meine Brüder . . . Mit dem Munde und mit dem Herzen sollst Du bei der Tat sein: alles richtet sich nach der Größe der Handlung und Anstrengung, wie es im Buche Kusari heißt: Der Mensch sündigt, wenn er seine frommen Gedanken und Wünsche nicht in Tat umzusetzen bestrebt ist. Der Gedanke ohne Tat ist wie der Geist ohne Körper, und wer nur fromme Gedanken hegt, ohne dieselben zu verwirklichen, kann nicht als Mann des Werkes betrachtet werden. Von solchen sagt der Psalmist: „Und nicht die Toten loben Gott", das heißt, die in einer tatenlosen Welt herumgehen. „Unser Leben aber ist ein Lobspruch Gottes." Wenn wir uns eilig, gleich dem Heimkehrflug der Vögel, ins heilige Land begeben, um dort Boden zu bebauen, Land anzusiedeln und für den D Rabbiner in Tliorn (-eb. 17«»5, «osr. 1S74) Ewigen zu pflanzen, überglücklich werden wir dann sehen, wie die ausgestreute Saat vielfache Frucht tragen und der Ewige uns seinen Segen bis zum' Überflusse herabschütten wird. Mit stolzem Haupte werden wir auf den leuchtenden Zustand von Erez Israel weisen. Nur auf solche Art kann die Erlösung eintreten: Wenn die Einflußreichsten des Volkes sich zusammentun, um die verwüstetenStätten Palästinas aufzubauen, das brachliegende Land in einen fruchtbaren Garten umzuwandeln. Dann wird unser gottgefälliges Werk gelingen, die Wüsten Palästinas werden dem Eden gleich und dessen Gefilde einem Garten Gottes ähnlich. Auf dieses Vorhaben ist das Wort des Propheten Jesaja zu beziehen (16. 1 8) : „Ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken, gekor.imen ist die Zeit, um zu versammeln alle Völker und Jungen, sie sollen kommen und schauen meine Herrlichkeit." Sollte aber die Frage aufgeworfen werden: Weswegen waren seit der Zerstörung unsere Hände wie gefesselt, warum soll gerade jetzt eine regere Tätigkeit von uns verlangt werden? Darauf ist folgendes zu erwidern: Seit der Zerstörung des Tempels gab es unter uns, wie ich schon sagte, bei weitem nicht so angesehene und einflußreiche Männer v\ ie in der Gegenwart. Im Gegenteil, wir wurden «tets verachtet und durften es nicht wagen, unser Haupt zu erheben, in dieser gleichberechtigten Generation aber, da in den meisten Ländern den Juden Freiheit gewährt wurde, es unter ihnen viele Adelige gibt, angesehene Männer, die auch auf die Politik Einfluß haben, da müssen wir für Volk und Land uns zur 1 at aufraffen. Wir sollen eine Vereinigung ,,Auf gebautes Land" gründen, dessen Mitglieder es sich zur heiligen Pflicht machen, ihrem Vermögen entsprechend Feld in Palästina anzukaufen und auch sonst zu diesem Zwecke Opfer zu bringen, um Weingärten zu pflanzen, unsere Brüder bei der Auswanderung nach Palästina zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, unter ihrem Weinstock und ihre m Feigenbaum zu sitzen und nicht v o n Almosen abhängig zu sein. Süß ist der Schlaf dessen, der die Scholle des heiligen Landes bebaut, und der Ewige wird ihr Werk segnen, die Strahlen der Erlösung werden uns leuchten!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.