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Menorah · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Article
Chinesische Keramik
Date
1924-06-01
Page
Seite 16 (sequence 1)
Language
German
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16 MENORAH Flache Schüssel auf kurzem Rin^fuß. Gratigelner harter Scherben mit cremefatbenem Anritt und durchsichtiger, gcsprun^eltcr Glasur. Innen bemalt mit Schwarzbraun und Hellrolbrauu: Schreitender Tiyer und Fledermaus Tz'u-chon yao. Sun« Höhe l>T> cm, Durchmesser 20 5 cm Folkloristisches Allerlei CHINESISCHE KERAMIK Das Frankfurter Kunstgewerbemuseum hat dieses Jahr eine Ausstellung chinesischer Keramik aus heimischen und fremden Privat- und Muscumsbesitz veranstaltet. Mag die keramische Kunst Mitteleuropas eine schwierige Materie sein, die eines fremden und uns zugleich ziemlich verschlossenen Landes ist ein Buch mit zahlreichen Siegeln. Der allgemeine Eindruck, bei jedem Besucher gleich auffällig, ist ein Zeichen der völligen Ratlosigkeit vor der Fülle des Neuen, Eigenartigen und Fremden. Hat sich das Auge etwas eingewöhnt, so findet es bald hie und da Bekanntes und Vertrautes; es spielen doch mehr Fäden von Ostasien nach Mitteleuropa, als man gewöhnlich glaubt. Nach und nach gelangt man auch in ein persönliches Verhältnis zu den Kunstwerken, die unendlich reich an zarter Schönheit sind. So verschieden sie aussehen, sie lassen sich bald in größere Gruppen einordnen, technisch und zeitlich, das heißt nach Herstellungsart und Stilperiode. Über allen wissenschaftlichen Gedanken, die man an Hand des Führers, den Direktor Robert Schmidt herausgegeben hat, vorzüglich durchgehen kann, darf man die Freude an den Köstlichkeiten selber nicht vergessen. Das alte und tiefe Kulturvolk der Chinesen spricht durch seine Keramik eine vernehmliche Sprache, die wir nicht unbeachtet lassen können, zumal die reiche Auswahl jedem Besucher etwas ihm Verständliches bringt. Ob man nun lieber die frühesten, unvollkommenen und stillen Stücke oder die späten, vollendeten und bewegten Objekte oder besondere Techniken oder Färbungen bevorzugen mag, stets wird man auf vorzügliche Arbeiten stoßen. . Erich T o e p 1 i t z. W. BERNHARD 33. NEUE ERKENNTNISSE Ein Geizhals hielt einst Rückschau über sein Tun und Lassen und fand, daß er einen allzu üppigen Lebenswandel führe. Er beschloß, zu seiner Vervollkommnung auf Reisen zu gehen und das Problem einer vernunftgemäßen Lebensführung mit Männern seines Metiers zu besprechen. Er kam in einen Ort und war bald so glücklich, die Adresse des ausgesuchtesten Geizhalses der Gegend in Händen zu haben. Unser Reisender verlor keinen Augenblick und ging noch am selben Abend zu dem berühmten Manne. Der finstere und kalte Raum war für den Fremden weder eine Überraschung noch ein Hindernis, um den von ihm so sehnsüchtig Gesuchten ausfindig zu machen. Bald waren die beiden Fachkollegen in einem anregenden Gespräch. Die Stunden flogen wie die Minuten hin. Voller Dankbarkeit verabschiedete sich der Gast und bemerkte nun zu seinem Erstaunen, daß sein Vis-ä-vis die ganze Zeit über gestanden hatte. „Warum, o Meister, sitzen Sie denn nicht?" „Um die Hosen nicht abzuwetzen", war die Antwort. 34. DER PRÜFSTEIN DER WEIS¬ HEIT Ein Mann wollte einst mit Bezug auf den Ausspruch „Gott behütet die Toren" (Ps. 116,6) eine Prüfung seiner Geisteskräfte vornehmen. Zu diesem Zwecke begab er sich auf das Dach der Synagoge und stürzte sich von dort herunter. Freudevoll rief er, soweit die dabei geholten Schenkelbrüche es zuließen, aus: „Daß ich ein Chuchim bin, habe ich immer gewußt, aber erst jetzt, daß ich ein solcher Chuchim, ein Chuchim attik1) bin'-')- *) In der Volksbedeutung: ein Mann von seltener Klugheit. -) Bei Rawnitzki Nr. 416 fehlt diese Pointe. 35. DIE ENTSCHEIDENDE ZIZAH') In einer Strafrede, die der berühmte Rabbiner Meir Löbusch Malbim seiner Gemeinde Bukarest hielt, erzählte er von einer Vision, die ihm in der vorhergehenden Nacht zuteil worden war. Er sah sich in den Himmel versetzt, wo gerade über einen Ankömmling Gericht gehalten wurde. Die guten und die schlechten Taten hielten sich gegenseitig die Wage, so daß ein Urteil nicht gefällt werden konnte. Das Kollegium beschloß nun, die eine Wagschale mit den Suchiothr) durch einen Schlag mit einer Zizah in Bewegung zu setzen. Sogleich wurde der flinkste Engel beauftragt, in die Stadt hinunterzufliegen, um dieses Ding heraufzuholen. Aber trotzdem dieser Bote die Straßen Bukarests nach allen Richtungen durchsuchte, konnte er keine Zizah auftreiben. J) Schaufäden, vcrgl. Numeri 15, 38—39. ') Verdienste. 36. KINDERSPIEL (Ostgali/ien) Perelc1) Kaperele nachneni, Geh afn Bojdem'-'), sich:i) die Kih1), Die Kih is nischdour>), D's Kelbali i dou"), D's Kelbali macht mc, Perelc Kaperele — abeT) (streckt dabei die Zunge heraus). ') Diminutiv vom Frauennamen Perl; könnte natürlich auch ein anderer Name sein. -) Boden, Dachboden. s) Suche. ') Kuh. 5) Nicht da. ") Da. 7) Interjektion zum Zeichen des Spottes über den Gegner. 37. DIE INTERPUNKTATION DES RANDARS Ein Randar las die Erzählung in der Hagada am Sederabend, die da lautet: Maasse b'Rabbi Elieser w'Rabbi Jehoschua w'Rabbi Eleasar b. Asarja w'Rabbi Akiba w'Rabbi Tarfon etc., folgendermaßen: Masse b'Rcbbi, Elieser nSRcbb'u Jehoschua iv'Rcbbi, Einser b- Asarje r»'Rebbi, Al(in>a w'Rcbbi. Tarfojn?! Rabbi Tarfon blieb ganz vereinsamt. 38. EINE ENTTÄUSCHUNG ' „Rabbi," sagte einst ein angesehener Balbüs zum Tarnopoler Rabbiner R. Josef Babad. dem berühmten Verfasser des „Minchath Chinuch", „Sic haben uns eine große Enttäuschung bereitet. Wir haben geglaubt, daß Sie lernen können)1, und nun sehen wir, daß dies nicht der Fall sei. Denn wenn Sie lernen könnten, würden Sie ja nicht noch immer fort und fort lernen." ') Gelehrt sein. 39. DIE GRÖSSTE BELEIDIGUNG In einem Streit, den ein Litwak mit einem Gegner hatte, erwiderte der Litwak alle Beleidigungen mit dem Ausspruch „Du bist ein Kind". Als man über diese himmlische Mäßigung sich allseits wunderte, gab er zu seinem Verhalten folgende Aufklärung: „Ärgeres konnte ich ihm nicht sagen. Ein Kind patscht') die Mama, ein Kind schloft*) mit der Goje1). ein Kind eßt1) Trefcs'). ein Kind is Kolboj1')-" ') schlägt. '-') schlaft. :1) Christin. *) ißt. '"') Rituell Verbotenes. ") eigentlich: Alles in ihm. In der Volkssprache Kolbojnik, einer, der über alle Gebote und Verbote sich hinwegsetzt. — Der Einfall, das Kind einmal nicht als Symbol der Unschuld zu nehmen, findet sich schon im Talmud; vgl. die Kontroverse über den Vers I Sam. 13, 1 Joma 22 b.

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