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Menorah · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Article
Issachar Ryback
Date
1924-06-01
Page
Seite 15 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH 15 ISSACHAR RYBACK Vielfältig und stark sind die Anregungen, die die Kunst unserer Tage durch das Schaffen der russischen revolutionären Künstler erhalten hat. Vermitteln Werke der modernen Franzosen reiche und differenzierte Raffinements der Farbkultur, so waren es hauptsächlich bluLchnchpulste. leidenschaftliche Probleme der Form, die das Interesse der internationalen Kunstwelt auf die fortschrittlichen Leistungen der jungen Maler in Rußland lenkten. In allen Lagern der Kunst, so verschiedenartig sie im wesentlichen waren, trat hier eine lebhafte Anteilnahme an dem künstlerisch zu gestaltenden Objekt in den Vordergrund. Die /arten und delikaten Subtilitäten, an denen die malerische Kultur der westlichen Welt ihre Artistik erweisen konnte, traten im Osten zurück zugunsten der lapidaren Wucht des Inhalts, der konzentrierten Ausdruckskraft des Motivs. So ist es erklärlich, dato in der neuen Entwicklung der russischen Kunst das reine Graphische in den Vordergrund tritt; bis in die Kreise der Supremalisten und Konstruktivisten hinein macht sich diese Observanz bemerkbar. Auch R y b a c k s Kunst erweist das Streben nach lapidarer Form und konzentriertem Inhalt. Es ist kein Zufall, dato einige seiner graphischen Werke Gipfelpunkte der künstlerischen Entwicklung sind. Charakteristisch ist für ihn, dato er seine Arbeit in jungen Jahren bereits mit einem Zyklus von Zeichnungen begann, die mit größter Einfachheit das Wesen der Charakteristik erfassen und nicht nur eine äutoere Ansicht, sondern den wahren inneren Ausdruck gestalten. Wertvoll für die weitere Entwicklung des jungen Malers, der mit!4 Jahren das Studium in Kiew begann, nachdem er bereits als Zehnjähriger die Arbeiter-Malkurse seines Heimatsorles Elisabethgrad im podolischukrainischen Gebiet besucht hatte, war seine Beschäftigung mit der alten jüdischen Volkskunst. Er hatte in Kiew und in seiner Umgebung gute Gelegenheit, seiner besonderen Neigung nachzugehen und sich ganz in die starken Ausdrucksmöglichkeiten dieser primitiven Kunst zu vertiefen. Als wesentliches Ergebnis seiner damaligen Arbeit liegen die Gemälde aus dem Zyklus „Die kleine Stadt" vor, die der Künstler ein Jahr später auch" in graphischer Fassung vollendete und die kürzlich im Verlage „Schwellen" (Charlottenburg) als Kunstbuch erschienen sind. Die einzelnen Motive, dem Künstler seit frühester Kindheit innig vertraut, sind mit symbolischer Kraft gestaltet, mit einem ehrlichen Willen, seiner Heimat, die iauh und unmenschlich unter der Schreckensherrschaft von Denikin und Pctljura durch Pogrome zerstört wurde, ein Denkmal zu setzen. Die Jahre 1919 bis 1921 sehen den Maler in Moskau. Das gewaltige Getriebe der RcAolution nimmt den Künstler auf, beansprucht seine ganze Arbeit als Instruklor, Führer, Bühnen- und Plakalkünstlcr. Keine Zeit bleibt für eigene Arbeit, seine Tätigkeit erschöpft sich in den Aufgaben des öffentlichen Lebens, des Staates. Dennoch bleiben diese Jahre nicht ohne liefen Eintluto auf seine Entwicklung. Die eherne Dynamik des großen Weltgeschehens findet eine Resonanz im Rhythmus seiner Kunst, und als Ryback 1921 — schon in Berlin ~ neue Werke in Angriff nimmt, haben sich die furchtbaren Einflüsse der letzten Jahre zu einer neuen kraftvollen Bewegung im Schaden des Künstlers konzentriert. Besonders treten hier eine Reihe überlebensgroßer Porträts hervor, die von eindringlicher Wirkung sind. Es entstehen ferner einige abstrakte Kompositionen von logischer Durchgeistung, als besonders hervorzuhebendes Werk das „Stilleben mit silbernem Pokal" von feierlicher Tektonik und abgeklärtem, farbig hlutclurchglühtcm Aufbau. Die letzte Entwicklung Rvbacks mag fraglos noch ungelöste und vielleicht auch unlösbare Probleme einschließen, unverkennbar beweist der Maler jedoch, daß er sein reiches, ursprüngliches 1 alent mit großer künstlerischer Disziplin im Ausdruck ständig zu steigern vermag. Die WVrke des Scchsundzwnnzigjährigen berechtigen zu einer ernsten Anteilnahme an seinem weiteren Weg in der modernen Kunst. Brun,) IV. R>-'tntann. BIBLIOGRAPHIE /. L. LANDAU, M. A. Ph. D. Chief Rabbi. Professor of Hebrew in the Univcrsity of the Witwatcisrancl Johannesburg, Short Lcctures on Modern Hebrew Litcraturc. From M. H. Luzzatto S. D. Luzzatto. Dr. Landau, der Obcrabbiner der Gemeinde Johannisburg, ist eine überaus sympathische Gestalt in der neuesten hebräischen Literatur, und die Johannesburger Juden können sich Glück dazu wünschen, daß der erste Lehrstuhl für hebräische Literatur an der Johannesburger Universität diesem Dichter und Gelehrten zugefallen ist. Aus der Enge eines polnischen Ghettos hervorgegangen, hat er m unausgesetzter Sclbsterzichung ein ungeheures Stück Weltliteratur in sich aufgenommen; aber die neugewonnene Weite des Horizonts hat ihm nichts von seiner innigen Liebe zur hebräischen Sprache genommen. Seme in Johannesburg gehaltenen Vorlesungen über die hebräische Literatur der Aufklärungszcit werden seinen südafrikanischen Zuhörern eine große Überraschung gewesen sein, denn sie werden ai:s ihnen erfahren haben, daß in der kurzen Spanne Zeit von etwa 1740 bis 1840 eine Fülle von lyrischer, epischer und dramatischer Dichtung in hebräischer Sprache entstand, eine regelrechte literarische Wiedergeburt im Judentum, lange bevor die nationale Wiedergeburt einsetzte. Den europäischen Lesern von Landaus Buch aber, die einen ähnlichen Lebens¬ und Bildungsgang durchgemacht haben wie er, wird die Jugend wieder lebendig bei der Nennung jener Namen und Werke, die uns in der äußerlichen Enge die Well der Einbildungskraft und des Geistes erschlossen. Die zarten Verse in M. C h. Luzzatto, M i g d a I O s und L a J e s c h u r i m T e h i 11 a, der derbe Rhythmus in W e s s e 1 y? Mos e s- Epos haben Landau oflenbar in seiner Jugend nicht weniger bedeutet als uns. aber man möchte zweifeln, ob er, der jüngere, auch nur eine Ahnung davon hat, welche Seelenstürme clic Aufsätze in Ha Meassef und in den Bikkure H a 1 t t im in der Jugend von Einst entfesselten. Von Anfang bis zu Ende ein lehrreiches, warmherziges, erquickliches Buch. Hoflentlich läßt die Berufstätigkeit ihm Zeit genug, uns die Geschichte der neuhebräischen Literatur zu schreiben. Wien, im April 1924. Leon Keller. MOSES IlliX MA1MO.W „Führer der U n s c h 1 ü s s i g e n", übersetzt und erläutert von Dr. Adolf Weiß. Leipzig 1923. Phil. Bibliothek. B. 184. — Felix Meiner. — Moses Fen Maimon, der bedeutendste jüdische Rcligionsphilosoph nach Spinoza, sah seine Aufgabe darin, die Lehren des Aristoteles mit denen der Bibel in l <'bcieinstimmung zu bringen. Ein Versuch, den später auch die Scholastiker mit den Lehren der christlichen Religion unternahmen. Wenn dies nicht gelang — weder Maimonides noch die Scholastiker haben die gi und verschiedenen Methoden, die die Religion und die Philosophie anwenden, vereinigen können — so hat doch Maimuni scharfsinnige, apologetische Ausführungen gebracht, die auch gegnerischen Anschauungen zu denken geben. In seiner Attribulenlchre hat er durch den Nachweis, daß man von Gott nur negative Attribute aussagen könne, dem Pantheismus Spinozas vorgegriffen. Wenn man heute auch nicht mehr clen Lehren Mainuinis folgen kann, so wird man dennoch in ihm den größten und genialsten Lehrer dieser Richtung bewundern müssen. „Der Führer der Unschlüssigen" ist aber auch ein Quellenwerk; in ihm sind die Gruncllchren der Kalam (der Dialektiker), einer philosophischen Richtung der Araber, zu polemischen Zwecken angeführt. So hat Maimonides, ähnlich wie Aristoteles, durch seine Polemik uns che Möglichkeit gegeben, diese Lehren wenigstens in groben L'mrissen kennen zu lernen. Maimuni hat auch als Arzt und Astronom bedeutenden Ruhm geerntet; beides Wissensgebiete, che zu seiner Z.eil noch auf ziemlich unentwickelter Stufe standen. Die damaligen Arzte waren noch, bei geringer Kenntnis der menschlichen Anatomie, auf die intuitive Diagnostik angewiesen. Arzt sein, ein guter Arzl sein, hieß damals also, vorwiegend gute Diagnosen stellen und die Gemütsverfassung der Kranken richtig weiten kennen. Sic erforderten also m einem gewissen Sinne Genialität. Als Astronom stand er auf der ptolomäischen Lehre, sah aber in der Sphären!ehre dieser Schule schon die großen Widersprüche und Schwierigkeiten, die dann später durch Galilei und Kopcrnikus zur grundstürzenden Umgestaltung der Astronomie führten. Wenn uns Weiß die Übersetzung und Kommentierung dieses I' undamentahverkes der Philosophie geliefert hat, so hat er damit der ganzen wissenschaftlichen Welt eine Quelle der Bereicherung unseres Wissens erschlossen. Das Werk war bisher nur wenigen guten Kennern des Hebräischen oder Arabischen zugänglich. Die Übersetzungsarbeit, die eine ungeheure fachliche Literaturkenntnis erforderte, die die Beherrschung der philosophischen Terminologie und mindestens eines halben Dutzends Sprachen voraussetzt, ist eine Ricsenieistung, die Weiß, ein Mann in hohem (. rei -enallrr. in a c Ii I Jahren vollendet hat. Münk, der dieses Werk ins Französische übersetzte, hat als lohn für seine zehnjährige Arbeit die Lehrkanzel Emesl Rcnans an der Pariser Sorbonne erhalten. Die Übersetzung, die uns Weiß geliefert hat. zeichnet sich durch besonders klare Diklion und durch leidenschaftslose Liebe zum Gegenstände ^us. Mit ungeheurem Flciße wurde aus der benüt/len Literatur die gewaltige Menge der Anmerkungen gewonnen, die das Werk erst dem Verständnis näherbringen. 1 Kirch die Einleitung, die uns den Entwicklungsgang der jüdischen Religionsphilosophie erst aufdeckt, die die Zusammenhänge der geistigen Strömungen im Judcnlume aufzeigt, die uns aber auch in kurzen Umrissen das philosophische Lehrgebäude des Maimonides aufrichtet, hat der Überset/er noch ein übriges getan, dieses Werk jedem Lerer werlvoll zu machen. Die .Ausstattung des Buches in der Philosophischen Bibliothek des Felix Meiner ist musterhaft: klarer, großer Druck, geschmackvolles Außeres und handliches Format sind eine besonders angenehme Zugabe. Dt. K.

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