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Menorah · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Article
Emanuel Lasker
Date
1924-05-01
Page
Seite 20 (sequence 1)
Language
German
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20 SCHACH Geleitet von RICHARD RETl EMANUEL LASKER. Als wir über eins Judcnlum im Schach sprachen, nannten wir vor allem zwei Namen: S t e i n i t z und L a s k e r. Steinitz war der tiefste Schachdenker, der gröütc Schachlehrer, Lasker ist der Mann der Tat, der erfolgreichste Schachmeister aller Zeiten. Ei war Weltmeister vom Jahre 1894 bis zum Jahre 1920. Dann verlor er seinen Wettkampf gegen Capablanca, den neuen Champion. Nun zog sich Lasker vorn Schach zurück. Man hielt ihn für abgetan. Auer voriges Jahr trat er im Emanuel Lasker internationalen Turnier zu Mährisch-Ostrau wieder in die Schranken und erstritt ohne Verlustpartie den Sieg. Und nach dieser Vorbereitung das eben beendete Turnier in New York, wohl das stärkste, das je veranstaltet wurde. Obgleich der neue Champion, der in der Vollkraft seiner Jahre steht, teilnahm, gewann der 56jährige Lasker den ersten Preis. Capablanca hat freilich die Genugtuung, gegen Lasker im Einzelkampf siegreich geblieben zu sein, indem er von den beiden Partien, die sie miteinander zu spielen hatten, 1 Va Punkte erzielte. Während Capablanca fast durchwegs ausgezeichnete Partien spielte, stand Lasker in New York allzu häufig auf Verlust und wurde wie durch ein Wunder gerettet. Kann man, wie es häufig geschieht, einfach sagen, er habe Glück gehabt? Zumindest muß man zugeben, Lasker hat sich sein Glück erkämpft. Er verstand es, auch in ungünstigen Lagen seine Gegner immer vor schwierige Probleme zu stellen, so daß diese ermüdeten, in Zeilbedrängnis gerieten, nervös wurden und schließlich strauchelten. Lasker beherrschte seine schlechten Stellungen, während seine Gegner über ihre guten Stellungen die Herrschaft verloren. Und noch ein Grund, weshalb Lasker so oft schlecht steht. Er ist mehr bemüht, die ihm bekannten Schwächen im Stil seines jeweiligen Gegners als die Schwächen der gegnerischen MENORAH Stellung zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke wühlt er häufig Züge, die objektiv nicht einwandfrei sind. Er spielt psychologisches Schach. Gegen einen Meister der oflcncn Stellungen, wie Alchcjin, ist er bemüht, die Position geschlossen zu halten, gegen Janowski, dessen Stärke im Mittelspiel hegt, führt er das Endspiel herbei, selbst wenn es unvorteilhaft erscheint, einen Meister, dessen Starke in der Defensive liegt, wie Maroczy, sucht er durch objektiv tadelnswerte Züge zum Angrifl zu verleiten usw. Capablanca ist wohl der bessere Schachkenner, aber Lasker ist der bessere Kämpfer. Schach ist Kampf, und deshalb ist Laskers Erfolg in New York wohlbegründet. DAS INTERNATIONALE SCHACHTURNIER NEW YORK 1924 Die Sensation der ersten Hälfte des internationalen Schachturniers in New York war die Niederlage des Weltschachmeisters Capablanca gegen den Schreiber dieser Zeilen Es war die erste Verlustpartic des Weltmeisters seit 10 Jahren. Wir lassen diese Partie hier folgen: lung. Daher zieht es Weift vor, die Sprengung dei schwarzen Mitte vorzubereiten. WeiG Ret i Sei! iwarz C apablanca 1. S g 1 — f 3 S g H -- f ü 2. c 2 c 4 K 7 - g 6 3. b 2 b 4 L f S — K 7 4. L c 1 b 2 0 0 5. g 2 - S 3 b 7 - b G g. L f 1 - - K 2 L c 8 b 7 7. 0 - 0 d 7 — d G S. d 2 — d 3 S b 8 d 7 9. S b 1 d 2 c 7 - e5 10. D d 1 — c 2 T f 8 - e 8 11. T f 1 — d 1 a 7 — a 5 12. a 2 — a 3 h 7 - h 0 13. S d 2 - f 1 c 7 ■ c 5 Nun könnte Weiß mit 1 4. b 4 X a 5, T a 8 X a 5; 15. S f 3 X c 5 einen Bauern gewinnen. Aber nach 1 5. . . L X g 2; 16. S X d 7, Lc6; 17.SXf6+, LXf6; 18. L X f 6, D X f 6 hätte Schwarz eine dominierende Stel- 14. b 4 b r> S d 7 - - f 8 15. c 2 e 3 D d 8 - c 7 IG. d 3 - d 4 L b 7 -- e 4 17. De 2 c 3 5 war riskant, sich in die Diagonale des zu stellen. Vo ■rsichtiger wäre 1 7. D c 1 gc- 17. ... e 5 X d 4 18. e 3 d 4 S f 6 ■ d 7 Besser war S e 6, worauf Weiß mit 1 9. d c fortsetzen mußte, da 19. d4 — d5 an S. d5 scheitern würde. Nach dem Textzuge erlangt Weiß Stellungsvorteil. Iii. I) c 3 - d 2 c 5 x d 4 20. L b 2 d 4 D c 7 x e 4 21. L d 4 gl K g. 8 g 7 22. D d 2 b 2 : K g 7 g 8 23. T dl x d G .... Nicht gut wäre das verlockende 23. S f 3 — d 2 oder 23. Sf 1 —d 2, da Schwarz sich mit Dd2 retten wüub. 23..... 1) c 4 C 5 24. T a 1 dl T a 8 a 7 25. S I' 1 e 3 D c 5 h 5 Um 8 e 3 — g 4 zu verhindern. 26. S f 3 d 4 L e 4 g 2 27. K g 1 x g 2 I) h 5 e 5 Falsch wäre 27. ..T e 3; 28. f e. D X d I wegen 29. S f 5. Etwas beser als der Textzug wäre dagegen 27. . . S d 7 — c 5, doch würde Vv eiß mit 28. Db2behauplen. } 3 entscheidenden Stellungsvorteil 28. S e 3 c 4 D e 5 c 5 2.). S d 4 c G T a 7 c 7 30. S c 4 e 3 S d 7 - e 5 31. T d 1 d 5 Schwarz gibt auf, da auf Sc 5 —c 4; 32. Td 5 X c 5, Sc4Xb2: 33. Tc5 — c2, Sb2 —a4 der Zug 34. S e 3 — d 5 sofort entscheidet. Das Gruppenbild der Teilnehmer des New Yorker Turniers Stehend: jVUirsliall, Dr. Tai takower, Maroczy, Aljechin, Reti, Bojjoljubov. Sitzend: Yates, Capablanca, Janowski, Ed. Lasker, Dr. Emanuel Lasker, (Von links nach rechts)

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