Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Article
- Im Felde ; Yom Kippur 1916 [Illustration]
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH / S/TA';M*k \ P -" *s$ä\ \ JOM KIPPUR 1916 Aus dem Gedichtband Gedichte und Zeichnungen mit Genehmigung de In G o t t e K r 1 e V crla es R. LSv IN GOTTES KRIEG Und als der Krieg kam, seine Zeit erfüllt. Und Gott der Herr in ihm kam, sturmuinschrieen — Da habe ich mein Angesicht verhüllt Und lag in Schreck und Schauer auf den Knien: Um nicht zu sehn den Herrn vorüberziehen, Daf.i mich nicht blende Seine Majestät — Und fühlte mich von Seines Odems Glühen Verzehrend und zerstörend angeweht. Ich lag auf meinen Knien wie hingemäht! Hie Tage gingen und die Wochen liefen . . . Und langsam hob ich, zaghaft, im Gebet Die Augen zu den Schlachten, die mich riefen. Und sah und starb nicht: sah durch Blutes 1 riefen Die Glorie Gottes über Gottes Tiefen! GEFECHTSÜBUNG Ich stand im tiefen Walde als Vedcttc. Der Übung Fül.serascheln klang fernher. Und ein ,,Wcrda"-Ruf meiner Postenkette. •— Doch mich verschlang allmählich immer mehr Die dunkle Glut der Wipfel und die leer Darübci flutende Melodie der Bläue, Des Wolkengischtes Sturz und Wiederkehr. Des Waldes Lied, das ewig wieder neue. Des Waldes Dunkel lieü mich in das scheue Halbdunkel meiner eigenen Seele sehn . . . Und in dem Augenblick der tiefsten Weihe Sah durch der Bäume Tempelsäulen stehn, Umilutet von der Wipfel rraumgetön. Ich Gott den Herrn durch Seine Wälder gehn. ABMARSCH „Auf vom Gebet!'* Wir rasseln auf, stehn stumm. Und warten — warten. Gehen wir denn nie? „Schultert!" Wir schultern. — „Doppelreihn rechts um!*' Ein Schlag: Wir stehn. — „Marschieren Kompagni-i-i-ie . . ." Der Säbel zögert und zuckt nieder wie Ein Blitz vom Himmel: „MARSCH!" Aufdröhnt der Stein Im ersten Schritt, gleich einem 1 ler, das schrie; Die Fenster klirren und Musik fällt ein . . . Durch Gassenschatten und durch Sonnenschein, Blumen an Brust und Kappe und Gewehre, Marschieren wir quer durch der Menge Schrei'n So wie in einem wirbelnd wilden Meere: Wir neue Kompagnie im grol.ien Heere Marschieren aus dem Leben in die Leere...! NAHKAMPF Ich schrie und schoß, ein Teufel unter Teufeln! Gewehr versagt? Ein anderes! — „Munition!!" Do:h tief in mir, tief innen, war Verzweifeln. Zu sterben unvollbrachten Werkes schon! „Palronen her! Patronen!!" — Spott und Hohn Dem Feind, der wieder weicht. — Fluch, Singen, Schelten — Doch tief in mir, aus dem Gefecht enlflohn. Lag ich auf Knien inmitten meiner Welten, Wi i t n o m m e n. Die, noch nicht I orm geworden, schon zerschellten . . . Erneuter Sturm! — Durch sind sie! — „Handgranaten!!!'' Blitz, Donner, Rauch, Schrei: „Schnellfeuer!!" — Was gelten Mir Traum—Werk — Tat? HIER tun nullich die Taten! Liier tun und heut! — Mein Leben? — Sei's verraten! „Schiel.it! Schiefit! Sie gehn zurück! Schief.it, schielit, Soldaten!'' VERWUNDET Aufsitzend, Schmutz und Erde im Gesichte, Tu' ich die Augei uf: Was ist? Was Bin ich schon nach des Ewigen Gerichte? — O ferne Landschaft Eden, blau und klar! Und plötzlich wird mir alles offenbar: Vorschüttet und begraben bis zum Bauche! Noch immer in der Schlacht und in Gefahr! Um mich mit tödlichem, gliihheil'.em Hauch" Gestank von Stahl und Schwefel! — Und ich tauche Empor und weil.', was war: und bin doch leer Von Furcht — O Jahre, die zum Sehn ich brauche: Ich seh vor mir zwei Füüe, seltsam quer — Da nrhielJt ein Schrei aus mir. spitz wie ein Speer: „ICH HABE KEINE FÜSSE MEHR'-